Category Archives: Creative Commons

Happy new year and a new (advance) track

Ein frohes neues Jahr! Dies ist ein Vorab-Track meines neuen Albums, das irgendwann in diesem Jahr erscheinen wird – dieses Mal wirklich. In den vergangenen Tagen habe ich endlich Zeit gefunden, alle acht Tracks zu finalisieren und zu mixen, für mich immer der unangenehmste und anstrengendste Teil des Musikmachens. Warum ich genau diesen, etwas epischen und sehr langen Track vorab poste weiß ich offen gesagt nicht. Irgendwie schien es in die Zeit zu passen.

Instruments and gear used:

Akai VX-90 Analogue Synthesizer
Fender Jaguar Baritone Custom Bass guitar
Squier Stratocaster
Ludwig Drums
Fender Jazz Bass
Ohmforce Sympthohm
Yamaha DX-7
Hollow Sun Optomotron
Logic Pro X (Recording, Sequencing, Samples), Zoom TAC-8 and Alesis Multimix 8)
Zoom H2N field recorder

Stadtrevue Netzmusik: Aaahh Records wiederentdeckt.

(Die gedruckte – und leicht gekürzte – Version dieses Artikels findet Ihr im Stadtrevue Magazin, Ausgabe Dezember 2017).

In Netzmusikkreisen ist Bralitz eigentlich durch die Festivals des Aaahh-Netlabels bekannt. Im alten Bahnhof des kleinen Orts mitten im Grünen, etwa eine Autostunde von Berlin entfernt, trat auch der kosmopolitische US-Singer-Songwriter Nicolas Falcon häufig auf. Mal mit Band und mal ohne unterwegs, benannte er sich nach vielfach wechselnden Pseudonymen zuletzt nach dem Ort in Brandenburg.

Falcons wunderbare Stimme jedenfalls begegnete einem im Umfeld von Aaaah Records schon häufiger, zum Beispiel auf der 2013 veröffentlichten Braaahhlitz Compilation, einem gemeinsamen Album aller Aaahh Records-Künstler, das es zum Glück noch im Internet Archive gibt.

Nun ist Aaahh Records Geschichte und auch das Festival fand dieses Jahr nicht mehr statt, doch Falcon hat sich nach Stationen in Mailand, Shanghai und Brüssel erneut in Norditalien eingefunden. Dort ist er weiterhin als Lehrer tätig und nimmt in seiner Freizeit schönen, unprätentiösen, augenzwinkernden Songwriter-Indiepop auf, der sehr von klassischen Stilen wie Gypsy Jazz, Rock’n Roll oder Bossa Nova geprägt ist. Das alles gibt es hier.

Hörenswert ist auch seine launige Unterhaltung mit Tom Ray vom Music Manumit Podcast in einer kürzlich erschienenen Episode.

Eng verbunden mit dem verblichenen Aaahh Netlabel ist auch Julia Kotowski, besser bekannt als Entertainment For The Braindead. Das erste atmosphärisch dichte, ausschließlich mit Banjo und Laptop aufgenommene Folk-Album Roadkill der Kölnerin erschien dort im Jahr 2010 und wurde damals ziemlich abgefeiert. Auch wir berichteten hier darüber, und zwar im Netzmusik-Debütartikel (Stadtrevue 09/2012).

Mittlerweile hat Julia von Köln nach Berlin rübergemacht, viele weitere Alben aufgenommen und soeben mit SUN ihr neues Album veröffentlicht. Bereits der Opener “The Sound” ist ein ziemlicher Hit.

Trotz Ihres immer noch markanten, durch mehrstimmigen Gesang, Field Recordings und versponnene Arrangements geprägten Sounds bleibt ihre Liebe zum Minimalismus. Hier wirkt, ähnlich wie bei Bralitz, trotz Emotionalität nichts zu dick aufgetragen oder gar prätentiös.

“Eingespielt und aufgenommen wurde alles – von Gesang & Gitarre über Klarinette und Balalaika bis hin zu Percussion und Synth – von mir mit einfachem Laptop-Setup in meinem Zimmer”, erzählt Julia. Bei ihrem neuesten Release geht es aber noch um mehr. SUN ist ihre erste Veröffentlichung in Zusammenarbeit mit einem Musikverlag, Motor Music. Prophylaktisch musste sie dafür zähneknirschend GEMA-Mitglied werden.

Liebe zum Minimalismus: Entertainment for the Braindead. Bild: Aurora Romano.

Liebe zum Minimalismus: Entertainment for the Braindead. Bild: Aurora Romano.

“Was das Künstlerische angeht bin ich noch immer überzeugt meiner DIY-Einstellung verbunden, musste mir aber irgendwann eingestehen, dass man sich so halb zwangsläufig professionalisieren muss, wenn man nicht möchte, dass die Musik irgendwann als Hobby nebenbei keinen Raum mehr findet”, sagt die überzeugte Nutzerin von Creative Commons-Lizenzen. Ob das weiterhin möglich ist, checkt sie derzeit. “In jedem Fall ist es nicht unklug, dass man Dinge wie zum Beispiel die Logistik an Leute delegiert, die das besser können”, schlussfolgert Julia. Nachvollziehbar, finde ich.

Operation Naked

Ich habe Mario Sixtus’ ersten Spielfilm ‘Operation Naked’ (veröffentlicht im Februar 2016) erst vor ein paar Tagen über seinen Blogpost zum Ende des “klassischen” Elektrischen Reporters entdeckt und finde ihn ziemlich gut. Kurzweilig, unterhaltsam, kritisch und noch dazu unter CC lizenziert. Die Tatsache, dass die versammelten ZDF-Redaktionen – von Auslandsjournal über Heute bis WiSo – mitgemacht haben, ist einerseits ein großer Erfolg, hat andererseits aber den kleinen Nachteil, dass der Film einen ZDF-Promo-Beigeschmack hat. Mit Fake-Footage auch aus anderen Quellen wäre der Film eine noch bessere Mockumentary geworden.

Hier gucken oder runterladen: http://operationnaked.org

OPERATION NAKED from Mario Sixtus on Vimeo.

Bisschen Netzmusik – nachgereicht

SR_Magazin_Logo_rgbNachgereicht, wo ich gerade über LoFi-Künstler Jan Strach und sein neues Release auf clongclongmoo.org lese: Die SR Netzmusik vom November 2015 mit eben diesem Jan Strach, The Black Peguins, The Freak Fandango Orchestra und Jan Gründfeld – bitteschön: http://www.stadtrevue.de/archiv/archivartikel/7460-netzmusik/ (Klick auf die Releasetitel führt zum Download).

Nachtstück Records: Alchemic Harm (Stadtrevue Netzmusik, Juni 2016)

(Erstveröffentlichung im Stadtrevue KölnMagazin, Ausgabe Juni 2016 – bitte kauft oder abonniert die Print-Ausgabe, wenn Ihr eines der ältesten, unabhängigen Stadtmagazine Deutschlands unterstützen wollt).

Oft denken wir in letzter Zeit: Netlabels sind eigentlich tot. Und dann taucht das auf: Nachtstück Records aus Braga, Portugal, gegründet 2014 von Tiago Morais Morgado. Gefunden über einen Facebook-Post von Peter Kirn, der auf Nachtstück gerade unter dem Moniker Alchemic Harm zusammen mit Szilvia Lednitzky aka Lower Order Ethics eine gleichnamige digitale EP veröffentlicht hat. Wir hören übelst finsteren, freigeistig-experimentellen Ambient, von dem sich Ridley Scotts Sounddesigner demnächst bitte inspirieren lassen mögen.

Noch eindringlicher und spukiger macht die Musik, dass Lednitzky und Kirn mit ihrer Musik “Acoustics of Damage” heraufbeschwören — über die Gründe mehr weiter unten. Das Tolle ist: Zum Teil (Track vier, »Paradisaeidae«) ist das sogar tanzbar. Wir stellen uns, ohne es zu kennen, sowas wie das Berghain um 4 Uhr 30 an einem Sonntagmorgen vor.

Peter Kirn kennen wir als umtriebigen Blogger an der Schnittstelle von Musik und Technik (CDM — createdigitalmusic.com), Dinge-Erklärer (Workshops und Vorträge zu Musiktechnik, Sounddesign, Hacking), Space-Afficionado (“Space Science Sound System”) und als Musiker, solo oder mit Benjamin Weiss als Nerk / Kirn. Über Frau Lednitzky ist leider nicht viel rauszukriegen, außer dass sie Bookerin, Managerin und Spezialistin für elektronische Musik ist und als DJ ebenfalls unter dem Namen Lower Order Ethics auflegt und Musik produziert.

SR_Netzmusik_06-2016

Sämtliche auf Nachtstück Records veröffentlichte Musik steht unter Creative Commons-Lizenz und kann gratis oder — bevorzugt — gegen eine Spende für wechselnde wohltätige Zwecke heruntergeladen werden. Im Fall “Alchemic Harm” kommen diese der Tinnitus Research Initiative (tinnitusresearch.org) zugute, um das zu schützen, was uns allen so wichtig ist: das Hören. Bisherige Spenden gingen aber auch an UNICEF oder die Processing Foundation, die die gleichnamige Open Source-Programmiersprache unterstützt, die in den elektronischen Künsten zum Einsatz kommt.

Spukig: Alchemic Harm EP

Spukig: Alchemic Harm EP

Musikalisch gibt es auf Nachtstück noch viel mehr zu entdecken: Stockhausens “Sirius”, interpretiert vom Taller-Ciclo-Kollektiv aus Chile; experimentelle Solo-Bratsche oder Elektronik-Experimente vom Labelmacher Tiago Morais Morgado. Einmal durch den Label-Katalog klicken lohnt sich, nicht nur für Experimental-Liebhaber.

Wir müssen übers Remixen reden
(Interview mit Leonhard Dobusch, Stadtrevue Netzmusik, April 2016)

Der Netzaktivist Leonhard Dobusch will das Urheberrecht der Remixkultur anpassen

(Erstveröffentlichung im Stadtrevue KölnMagazin, Ausgabe April 2016 – bitte kauft oder abonniert die Print-Ausgabe, wenn Ihr eines der ältesten, unabhängigen Stadtmagazine Deutschlands unterstützen wollt).

So ziemlich genau vor einem Jahr (Netzmusik #28, StadtRevue Februar 2015) versprachen wir, uns des Remix-Themas anzunehmen. Heute machen wir das, und zwar im Interview mit Leonhard Dobusch, der gemeinsam mit Markus Beckedahl und anderen im Jahr 2013 die Initiative RechtAufRemix.org gegründet hat.

Eure Initiative wurde mit einigem Aufwand in Form zeitgemäßer digitaler Kommunikation ins Leben gerufen und hat seitdem einiges an Aufmerksamkeit erfahren. Wie kam es zur Gründung, wer war der Treiber, was hat den Ausschlag gegeben?

Die Idee entstand im Rahmen des Digitale Gesellschaft e.V. aus Anlass der damals anstehenden Evaluierung der EU-Urheberrechtsrichtlinie. Für den Digitale Gesellschaft e.V. war und ist Urheberrecht immer eines der zentralen Themenfelder, weil offener Zugang zu Wissen und Kultur im Netz stark von urheberrechtlichen Regelungen abhängt. Bei der Verabschiedung der noch aktuellen Urheberrechtsrichtlinie im Jahr 2001 gab es weder Facebook noch YouTube. Dementsprechend einseitig und unzeitgemäß sieht das europäische Urheberrecht auch aus. Die Initiative »Recht auf Remix« war deshalb von Anfang an längerfristig ausgelegt und soll den derzeit laufenden Reformprozess des Urheberrechts in Deutschland und Europa konstruktiv begleiten.

Wie beurteilst du das bisher Erreichte und den Status Quo eures wichtigsten Ziels, eines europaweit gültigen Rechts auf Remix?

Wir haben bewusst Forderungen für die europäische als auch die deutsche Ebene formuliert. Natürlich wäre uns eine flexible Ausnahme für Remixkultur im EU-Urheberrrecht am liebsten, zum Beispiel nach Vorbild der Fair-Use-Klausel im US-Copyright, allerdings gekoppelt mit einer pauschalen Vergütung für die Künstler. Aber auch in Deutschland gibt es Spielräume, um das Urheberrecht besser mit Remixkultur kompatibel zu machen. Beispielsweise ließe sich das viel zu restriktive Zitatrecht flexibilisieren, sodass auch Bild-, Musik- und Filmzitate – etwa in Memes – leichter möglich wären. Österreich ist im Rahmen seiner letzten Urheberrechtsnovelle bereits einen Schritt in diese Richtung gegangen.

Welche Rolle könnten Creative-Commons-Lizenzen spielen?

Wir haben zu Creative Commons einen eigenen Punkt in unseren FAQs, wenn ich daraus zitieren darf: »Prinzipiell ist Creative Commons eine gute Option, um anderen den Remix der eigenen Werke zu erleichtern. Ein gesetzliches Recht auf Remix kann Creative Commons aber jedoch aus einer Reihe von Gründen nicht ersetzen: Erstens: Der Pool an Werken, die zum Remix zur Verfügung stehen, wäre auf Creative-Commons-lizenzierte Werke beschränkt. Zweitens: Viele Kunstschaffende, die Mitglied von Verwertungsgesellschaften wie z.B. der GEMA sind, dürfen keine einzelnen Werke unter Creative Commons veröffentlichen. Drittens: Zentrales Merkmal der Remixkultur ist die umgestaltende und kreative Nutzung von Artefakten der Mainstream-Kultur, die in der Regel gerade nicht unter Creative Commons veröffentlicht werden.«

Wir brauchen also so etwas ein Fair-Use-Prinzip nach US-amerikanischem Vorbild. Wäre das im europäischen oder im deutschen Rechtsraum überhaupt abzubilden?

Auf Perspektive werden wir um ein Pendant zu Fair Use in Europa nicht herumkommen. Unser bestehendes System aus spezifischen, so genannten Schranken- und Ausnahmebestimmungen ist einfach zu starr und zu wenig innovationsoffen.

Mit Schranken ist der Ausgleich von Interessen des Urhebers und des Nutzers gemeint?

Genau. Mit »Recht auf Remix« treten wir für eine Lösung ein, das vorhandene System um eine Art offene Schranke nach Fair-Use-Vorbild zu erweitern. Damit das aber funktionieren kann und nicht zu einer noch weiteren Zersplitterung des EU-Urheberrechts führt, müssen dafür zunächst die Ausnahmeregelungen harmonisiert und verbindlich gemacht werden. Wir freuen uns deshalb darüber, dass der zuständige EU-Kommissar Oettinger die Idee einer einheitlichen, unmittelbar gültigen EU-Urheberrechtsverordnung aufgeworfen hat. Auch wenn das kurzfristig unrealistisch
ist, mittel- bis langfristig muss eine Verordnung das Ziel sein.

Kannst Du uns ein aktuelles Beispiel einer Abmahnung wegen nicht legaler Nutzung von Samples nennen?

Die größten Probleme haben mit Sicherheit Remix- und Mashup-Künstler wie zum Beispiel Mashup Germany, dessen Soundcloud-Account mit über 100.000 Followern kürzlich gelöscht wurde. Ihm fällt es sogar schwer, seine Kunst überhaupt öffentlich zugänglich zu machen, von kommerzieller Verwertung gar nicht erst zu sprechen. Aber Abmahnungen sind eigentlich das kleinere Problem. Das größere ist, dass viele kreative Werke nie entstehen oder gar nicht veröffentlicht werden, weil den Kreativen das rechtliche Risiko, die Kosten und der Aufwand der Rechteklärung viel zu hoch sind. Genau deshalb wünschen wir uns eine Lösung, die letztlich auf Regelungen wie jene bei Cover-Versionen hinausläuft. Cover-Versionen können auch ohne aufwändige Rechteklärung prob- lemlos veröffentlicht und sogar verwertet werden.

Interview: Marco Trovatello Foto: Dominik Landwehr

Leonhard Dobusch forscht als Universitätsprofessor für Organisation an der Universität Innsbruck unter anderem zum Management digitaler Gemeinschaften und transnationaler Urheberrechtsregulierung. Er twittert als @leonidobusch und bloggt privat sowie gemeinsam mit anderen auf dem englischsprachigen Forschungsblog governance across borders sowie auf netzpolitik.org.

“Bluehlicht” – überarbeitete version

OvalDNA

OvalDNA. Photo: CC BY-SA M. Trovatello

Eine überarbeitete Version des Tracks ‘Bluehlicht’, den ich im vergangenen Jahr schon einmal auf Soundcloud veröffentlicht hatte. Er ist Teil eines Mini-Albums, das irgendwann in 2015 erscheinen wird. Ich hoffe über Weihnachten die letzten Tracks fertigstellen zu können. Der dem Track zugrundliegende Loop stammt von OvalDNA, mit freundlicher Genehmigung von Barry Threw (“samples in OvalDNA are completely free to use”).

Stadtrevue Netzmusik-Adventskalender

Für die Kölner Stadtrevue (danke Ulrike Westhoff für die Idee!) mache ich neben der monatlichen Kolumne aktuell einen kleinen Netzmusik-Twitter-Adventskalender. Alle, nun ja, “Türchen” gibt’s über das neue Twitter-Feature “Custom Timeline” bzw. im Twitter-Stream der Stadtrevue. Viel Spaß beim Entdecken schöner, freier Musik.

Eins noch – es heißt ja so schön: Frei wie in Freiheit – nicht wie in Freibier (obwohl es auch das gibt). Sollte Euch die Musik, die wir in der SR-Netzmusik und in diesem Kalender vorstellen, gefallen, unterstützt bitte die Bands, Musikerinnen und Musiker, etc. indem Ihr ihre Musik weiterverbreitet, Konzerte besucht, ihr Vinyl, ihre CDs oder “Merch”-Artikel kauft, beim Download spendet oder was auch immer …

Übrigens: Weitere Netzmusik-Adventskalender gibt’s im Progolog, beim Kraftfuttermischwerk und bei den Musikpiraten.