Category Archives: Digital Media

Seliger legt nach: ‘”Die Künstler wären besser beraten, für ihre eigenen Interessen zu kämpfen”

Heute erst via Tim Renner entdeckt: Ein neuerlicher – und wie ich finde ziemlich guter weil gewohnt konstruktiver – Beitrag in Telepolis von Bertold Seliger zur Urheberrechtsdebatte. Auch wenn man Seligers Fünf-Punkte-Programm durchaus in einigen Punkten kritisieren kann, steht der Mann deutlich und in gänzlich richtiger Art und Weise auf der Seite der Non-Mainstream-Urheber bzw- Musiker. Das man ihm dabei Lobbyismus in eigner Sache als Konzertveranstalter unterstellt (siehe die bisher 145 Kommentare) ist nichts Neues und davon abgesehen auch nicht richtig, da Seliger bereits seit längerm konstruktiv wie ‘instruktiv’ (vgl. SpOn) zur Diskussion beiträgt.

Auch der, ich nenne es mal: Schlagabtausch zwischen Seliger und Mark Chung (den ich vor ein paar Monaten mal hier verbloggt habe) hatte ja bereits Bewegung in die Debatte gebracht. Besonders interessant und ebenso richtig finde ich auch seine Einordnung der “Darlings des linksliberalen Feuilletons” (Reinhard Jellen, Telepolis) und prominenten Unterzeichner des ‘Wir sind die Urheber“-Aufrufs Charlotte Roche und Roger Willemsen, die “durchaus gut von diesem System leben” (Seliger), entsprechend wohl wenig Interesse an einer Anpassung haben – und denen Seliger indirekt die Frage nach politischer Intelligenz stellt. Eigentlich mag ich beide und zum Teil auch ihre kulturellen Beiträge – umso unverständlicher ist mir ihre Teilnahme an diesem “ziemlich armselig argumentierenden Aufruf” (Seliger).

Weiterhin beinhaltet das Interview noch einen schönen Abriss bzgl, der absurden GEMA-Monopolstellung, beleuchtet einige Kuriositäten in Bezug auf ihre Vergangenheit und vieles mehr. Sehr lesenswert.

-> http://www.heise.de/tp/artikel/37/37020/1.html

Session auf der re:publica 12

Update, 20. Mai 2012

Das Video der Session ist online:

Update, 1. Mai 2012, 15:21

Los geht’s! Storyboard fertig, Slideshow fertig, Moderation steht, und für den Flug habe ich mich auch eingecheckt. Ich freue mich sehr – auf meine Session-Gäste und Kollegen (siehe unten), Andreas Schepers & viele andere Freunde, Kumpel und Kollegen wie FC StoffelMo. SauerSim SullenKatti … und auf die, mit denen ich schon länger und öfter über Soziale Netzwerke kommuniziere und sie zum ersten Mal perönlich kennenlernen werde. Hoffentlich reichen zwei Tage dafür. Wir sehen uns morgen!

re:publica 2012Am 2. Mai 2012 werde ich im Rahmen meines Jobs beim DLR an einer Session der re:publica Berlin teilnehmen. Die re:publica ist eine der größten Konferenzen Deutschlands zum Thema Blogs, soziale Medien und digitale Gesellschaft.

Für das DLR habe ich über den re:publica Call for Papers ein Panel mit dem Titel “Twittern aus dem All für die digitale Öffentlichkeitsarbeit” initiiert. Dabei sein werden die ESA-Astronauten Samantha Cristoforetti und Paolo Nespoli sowie meine sehr geschätzten Kollegen Jocelyne Landeau-Constantin, die das ESA-ESOC Communication Office in Darmstadt leitet, sowie Bob Jacobs, der bei NASA als Deputy Associate Administrator of Communications (in etwa: Stellvertretender Leiter der NASA-Kommunikationsabteilung) tätig ist, und meine Wenigkeit sitzen.

Im Rahmen der 60-minütigen Session werden wir darüber sprechen, warum im Space-Kontext überhaupt getwittert und gebloggt wird und wie das Ganze – insbesondere aus dem All – funktioniert. Ebenfalls werden wir diskutieren, warum die intensive Nutzung von Social Media mittlerweile zu einem integralen Bestandteil der Kommunikationsstrategie der drei Raumfahrtagenturen geworden ist.

Was 2007 als “Klassentreffen” von Bloggern mit 700 Teilnehmern begann, zieht heutzutage über 3000 Teilnehmer an. Nach einem überfüllten Friedrichstadtpalast in den vergangenen Jahren findet die re:publica nun in der Station Berlin, dem ehemaligen Kreuzberger Postbahnhof statt. Trotz der räumlich nun sehr viel großzügigeren Location bleibt sie, in den Worten der Veranstalter, “eine hochwertige Konferenz mit Festivalcharakter, auf der sich Communities, Vordenker, Netzaktivisten und etablierte Organisationen zum Ideen- und Erfahrungsaustausch alljährlich begegnen.“

In diesem wie in den vorigen Jahren wartet die re:publica mit einer großen Bandbreite sehr interessanter Speaker auf, darunter Mario Sixtus, Mercedes Bunz, Sascha Lobo, Tim Pritlove, Neelie Kroes, EU-Kommissarin für Wettbewerb und die Digitale Agenda, Regierungssprecher Steffen Seibert, und viele, viele mehr.

Weitere Informationen auf http://re-publica.de/12/

Hinweis: Dies ist ein (halber) Crosspost mit dem DLR-Kommunikationsblog, wo ich fast dasselbe aufgeschrieben habe.

P.S.: Ich vergaß zu erwähnen, dass unsere Session am Abend des 2. Mai 2012 von 19.00 bis 20.00 Uhr stattfindet. Wie mir die re:publica-Programmverantwortlichen mitgeteilt haben, werden diese Abendveranstaltungen auch gegen Zahlung eines geringen Eintrittspreises für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich sein. (Update, 10. April 2012) Zur Zeit prüfen die re:publica-Organisatoren, ob die Abendveranstaltung für die allgemeine Öffentlichkeit gegen Zahlung eines geringen Eintrittspreises zugänglich sein wird. Konferenztickets (3 Tage, über 200 Stunden Programm) gibt es hier für 130 Euro.

Nachtrag

Der Vollständigkeit halber hier ein Nachtrag hauptsächlich im Job-Kontext von mir geposteter Beiträge:

Creative Commons: Die “Jedermann-Lizenz” und die Inhalte des DLR
(DLR Blogs, 1. März 2012)

SpaceTweetup in Zahlen
(DLR Blogs, 3. April 2012)

ATVTweetup 28/29 March 2012, Toulouse, France
(ein auf die Schnelle mit iPad und iMovie produziertes und noch in derselben Nacht hochgeladenes Video des ATVTweetup, unterlegt mit einem meiner Tracks)

Zwei sehr viel schönere und professioneller produzierte Videos gibt es aber hier …

… und hier:


Amarrage ATV3 : ça tweete ! von CNES

Review: ZOE.LEELA – Digital Guilt

Der Indie-Gegenentwurf zu Kylie Minogue – ich weiß auch nicht, wieso das einer der ersten Gedanken war, die mir kamen, als ich das neue Album “Digital Guilt” von Zoe.Leela hörte. Wahrscheinlich, weil sich hier eine gewisse Sexyness (siehe Foto) und Laszivität mit Produktionsskills paart. Und ja, ich mag Kylie Minogue (und lege das manchmal sogar auf, für andere Leute und mich, zum Tanzen). Meine Kylie-Lieblingssongs sind übrigens “Slow” und “Can’t get you out of my head”. Zurück zu Zoe.Leela. Stilistisch ist das wesentlich breiter und nicht im Mainstream verortet, doch fangen wir vorne an.

ZOE.LEELA. Credit: tompigs.com

ZOE.LEELA. Credit: tompigs.com/zoeleela.com

Ich hatte ZOE.LEELA bzw. ihr Netaudio-Release Queendome Come (erschienen auf dem Kölner Netlabel rec72 von Marco Medkour) bereits im Rahmen der Cologne Commons 2010 wahrgenommen, ihre Musik dann aber nicht weiter verfolgt. Bis ich vor kurzem wieder im Zuge dieser Urheberrechtsdebatte auf Spreeblick auf sie aufmerksam wurde. Dort war sie eine der wenigen Musikerinnen, die sich in die Debatte einbrachte – was mich dazu veranlasste, diesen Blogpost zu verfassen. Dort fand auch Zoe.Leela Erwähnung, wir kamen via Twitter in Kontakt und sie fragte mich, ob ich Lust hätte, etwas über ihr neues Album zu bloggen – und da sind wir gerade.

Zoe.leela: Digital Guilt (album cover)Bevor ich gleich wieder zu ihrer Musik komme, noch ein paar Worte zum Hintergrund ihrer aktuellen Veröffentlichung: Digital Guilt setzt sich, wie der Name erahnen läßt, nicht nur thematisch mit dem Digitalen Zeitalter auseinander, das Album ist gleichsam Blueprint für ein zeitgemäßes Digitalrelease: Veröffentlicht in Kooperation mit dem “großen” Indie-Label Motor Music kann es sowohl über den klassischen Vertriebsweg (CD über Rough Trade, z.B. bei Amazon) als auch via Bandcamp (Buy/Donate) und via iTunes erworben werden. Zu dieser besonderen Form des Vertriebs gesellt sich dann noch ein fester Tritt in den Hintern der GEMA, denn anstatt dort Mitglied zu sein, bevorzugt ZOE.LEELA die Nutzung der Creative Commons CC-BY-NC-SA-Lizenz, heißt: Man kann sich das Album als CD kaufen oder ab 5,49 Euro z.B. bei Bandcamp herunterladen und es dann – nicht-kommerzielle Nutzung vorausgesetzt – mit beliebig vielen Freunden teilen, es in Mixen verwenden oder sogar Remixen, einfach so.

Begleitet wird das Ganze von einer geschickten Marketing- und Promotionkampagne, die, so scheint es mir, zum einen von Motor Music (klassische Labelpromotion) und zum anderen von Tompigs.com (für die zweinulligen Kanäle) verantwortet wird. Vier Thesen zur GEMA, emotionale Interviews und sogar ein ganzes GEMA-Dossier bringen die alteingesessene Musikverwertungsgesellschaft dabei ziemlich in Bedrängnis. Man kann Zoe.Leela, ihrem Label und ihrem Management hier natürlich den gezielten Einsatz der positiv besetzten Creative Commons-Bewegung zu eigenen Zwecken unterstellen. Fragen kann man aber auch: Warum eigentlich nicht? Wenn ich das richtig sehe, hat das so wie oben beschrieben noch niemand probiert – was ich von allen Beteiligten (Tim Renner/Motor Music, Zoe.Leela, Produzent Noah Felk, ihrem Management) ziemlich ok finde.

Für die Hörer, und das dürfte wahrscheinlich einer der wichtigsten Aspekte sein, stimmt alles: Sie bekommen zeitgemäße Musik auf zeitgemäßen Vertriebsweg zu einem fairen Preis (mit Ausnahme der CD, die mit 15,99 irgendwie nicht so in das Preismodell passt) und können die Tracks auch noch mit gutem Gewissen – heißt legal – an Freunde weitergeben. Wenn sich das nun noch für Musikerin, Produzent und Label lohnt und alle ihren Lebensunterhalt davon bezahlen können, würde eigentlich ein Traum in Erfüllung gehen. Auf das Erreichen dieses Ziels bin ich allerdings sehr gespannt.

Kommen wir wieder zur Musik: Das Album ist ausnehmend fett produziert (und braucht insofern also auch diesbezüglich den Vergleich zu Kylie nicht zu scheuen) – es dominieren  Sägezahn-Synthies, treibende Beats und Produzent Noah Felk gibt sich Mühe, eine größtmögliche Stilbreite hinzubekommen, doch genau das ist das kleine Problem an dem ansonsten gelungenen Album. Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn es ein wenig stilltreuer bei seinem eigenen, bisweilen ins frickelig-elektronische bis trashige abdriftenden Elektropop-Entwurf bliebe, mit dem es so vielversprechend losgeht. Stattdessen wird, wie schon gesagt, eine stilistische Bandbreite aufgefahren, die das Album am Ende etwas zerfasert wirken läßt – und in den etwas generischen Elektrorock eines Songs wie ‘She rides’ enden läßt.

Was bleibt ist ein Album, dass nicht nur aufgrund seines zeitgemäßen Urheberrechts- und Vertriebskonzeptes, sondern auch aufgrund seines musikalisch-künstlerischen Inhalts etwas zu sagen hat. Solider, intelligenter, genrehüpfender Indie-Elektrosägezahnpop (mit gelegentlichem Mainstream-Appeal) fürs digitale Zeitalter eben. Und ein superfettes Mastering von Cem Oral (Air Liquide/Jammin’ unit) gibt’s obendrauf. Heißt: Es klingt einfach sehr geil.

Offenlegung: Zoe.leela bzw. ihr Management tompigs.com haben mir einen kostenfreien Download zur Verfügung gestellt. Nicht mehr und nicht weniger.