Category Archives: Film

Operation Naked

Ich habe Mario Sixtus’ ersten Spielfilm ‘Operation Naked’ (veröffentlicht im Februar 2016) erst vor ein paar Tagen über seinen Blogpost zum Ende des “klassischen” Elektrischen Reporters entdeckt und finde ihn ziemlich gut. Kurzweilig, unterhaltsam, kritisch und noch dazu unter CC lizenziert. Die Tatsache, dass die versammelten ZDF-Redaktionen – von Auslandsjournal über Heute bis WiSo – mitgemacht haben, ist einerseits ein großer Erfolg, hat andererseits aber den kleinen Nachteil, dass der Film einen ZDF-Promo-Beigeschmack hat. Mit Fake-Footage auch aus anderen Quellen wäre der Film eine noch bessere Mockumentary geworden.

Hier gucken oder runterladen: http://operationnaked.org

OPERATION NAKED from Mario Sixtus on Vimeo.

Manos: “The Soundtrack of Fate” & “The Remix of Fate”

(Crosspost des Artikels für den Stadtrevue-Blog bzw. -Magazin vom 28.11.2013 – Rechte beim Stadtrevue Verlag)

"Manos"-Filmplakat, Public Domain

“Manos”-Filmplakat, Public Domain

Gerne wird der 1966 gedrehte “Manos: The Hands of Fate” in einem Atemzug mit Ed Woods “Plan 9 from Outer Space” genannt, wenn es um die schlechtesten Filme aller Zeiten geht. Während “Manos” bereits Anfang der neunziger Jahre in den USA Kultstatus erlangte, ist er bis heute in Deutschland und Europa deutlich weniger populär. Klar, viele kennen seit Tim Burtons Verfilmung die Filme Ed Woods, aber nur wenige den einzigen Film des Regisseurs und Hauptdarstellers Harold P. Warren.

Über die Komponisten des exzellenten Soundtracks, Russ Huddleston & Robert Smith, Jr, ist kaum etwas bekannt (schon gar nicht ob sie je unter diesen Namen existierten). Passend zum Film, den Regisseur Warren von Beginn an via Public Domain in öffentlichen Besitz gab, ist Anfang des Jahres auch der Soundtrack zum freien Download unter Creative Commons-Lizenz auf Bandcamp veröffentlicht worden. Denn 2011 entdeckte der US-amerikanische Filmhochschulabsolvent Ben Solovey über eine eBay-Auktion eine 16-Millimeter-Arbeitskopie und finanzierte deren Restauration und Wiederveröffentlichung in HD über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Im Zuge der Filmwiederherstellung wurden auch die Tonspuren wiederhergestellt. Das ergab natürlich keinen typischen “Original Score”-Soundtrack, sondern eher ein Tondokument mit Hörspielcharakter, das die Atmosphäre des Films – von bizarren Dialogen über Geräusche bis zu ambientem Dark Jazz – perfekt einfängt.

Das kanadische Netlabel Happy Puppy hat die remix-freundliche Lizenz des von Solovey/Singer veröffentlichten Soundtracks zum Anlass genommen, im Juni dieses Jahres zum Remix aufzurufen. Das Ergebnis wurde vor kurzem veröffentlicht und bietet 16 zum großen Teil wirklich hörenswerte Tracks – experimentelle Electronica, Downtempo, Breakbeats, Ambient – die die Manos-Motive aufgreifen, neu interpretieren und ebenfalls wieder remixbar sind.

Hier geht’s zum Download: Volume 1Volume 2

 

Stadtrevue Netzmusik #12: Der Weltraum und die freie Musik

BR Space Night Logo

Logo der neuen Space Night (Verwendung mit freundlicher Genemigung des Bayerischen Rundfunks)

Die diesmonatige Netzmusik-Kolumne ist oniine im Stadtrevue-Blog. Es geht um … na? Klar, die Space Night, die vor wenigen Wochen mit einer neuen Website samt Upload-Tool für freie (und insbesondere GEMA-freie) Musik an den Start ging – und jedes verwendete Stück pauschal mit 150 Euro vergütet. Hier geht’s zum Artikel …

Horror-Foley-Film-Klang-Spektakel: Berberian Sound Studio

Berberian Sound Studio

Image Copyright: Peter Strickland

Gestern habe ich endlich Berberian Sound Studio sehen können – leider nur auf DVD. Ab 4.7. kann man den außergewöhnlichen Film aber endlich auch hier in Köln im Kino sehen – im Filmhaus.

Meine Aufmerksamkeit hatte der Film bereits mit Erscheinen des Soundtracks vor etwa einem halben Jahr erregt. Der wurde nämlich von Broadcast eingespielt – jener von mir so geschätzten, auf dem Warp-Label veröffentlichenden Band, deren Sängerin und Mastermind Trish Keenan sehr viel zu früh verstarb und die sich so wirklich in gar keine Schublade einsortieren läßt. Zum experimentell-psyschedelisch-retrofuturistischem Stil Broadcasts schrieb Pitchfork folgerichtig:

“Even the “hauntology” sub-genre felt too parochial for a band that had such potentially limitless scope within its grasp.”

Doch hier soll es – und das auch nur ganz kurz – um den Film gehen. Um einen großartigen Film, ein Meisterwerk vielleicht. Ich bin kein Cineast und auch kein Filmkritiker, doch Peter Stricklands Film, in dem es vornehmlich um Ton, oder besser um Vertonung und Foley, die Kunst des Geräuschemachens, im Kontext von 70er Jahre Italo-Billig-Horrorfilmproduktion (dem so genannten “Giallo“-Genre) geht, ist ein verdammter Meilenstein. Noch nie zuvor habe ich einen Film gesehen, in dem das Horrorgenre so perfekt auf den Sound fokussiert ist bzw. allein durch ihn funktioniert. Sicher, seit Peter Thomas und seinen großartigen Soundtracks für Raumpatrouille Orion und die Edgar Wallace-Filme wissen wir, wie wertvoll guter Sound für preiswert produzierten Film ist. Hier jedenfalls brillieren und harmonieren ein irre gut spielendes Ensemble, allen voran der von Toby Jones gespielte Toningenieur Gilderoy und der von Cosimo Fusco gespielte, mobbende Filmproduzent Francesco, mit den Klangkünstlern Broadcast und Joakim Sundstrom (dem “echten” Toningenieur des Films) sowie dem irre perfektionistischen Regisseur Strickland und seinem Team.

Ferner kommen Soundenthusiasten und Vintage-Geeks auf ihre Kosten: Neben buchstäblichen Tonnen (sprich: schrankgroßen) 70er Studioequipment in Form analoger Hochpass- und was-weiß-ich-für-Filter gibt es rare Nagra-Taperecorder, obskure Mikrophone und sogar ein Watkins Copicat-Tapeecho zu sehen, mit dem Gilderoy in einer kurzen, romantischen Szene verstörend schöne Gesangseffekte erzeugt.

Koproudziert wurde der Film übrigens vom Kölner Regisseur, Filmemacher und “Lindenstraße”-Erfinder Hans W. Geißendörfer. Das Intro-Magazin hat mit dem bekennenden Horrofilm-Liebhaber ein interessantes Interview über seine Beteiligung an “Berberian Sound Studio” geführt.

re:publica 2013: Ein Resümee

Vorweg: Es war die bisher beste re:publica überhaupt und mein größter Respekt gebührt allen, die das möglich gemacht haben. Für mich gibt es nur ein Fazit: Alles, aber auch wirklich alles haben die Veranstalter und Organisatoren richtig gemacht.

Nach dem eher leichten und unterhaltsamen Panel des letzten Jahres “Tweeting from Space for the Digital public” konnte ich gemeinsam mit Geraldine und Sandra in diesem Jahr die Space-Sessions des Open Science Tracks kuratieren. Es wurde zwar nicht der große Wurf, den wir uns vorgenommen hatten – von geplanten neun blieben nur vier (oder, genauer gesagt, drei) Sessions übrig – doch die hätten besser nicht sein können. Beginnen wir mit einem meiner Highlights des Science Tracks:

Carolinas Blog und ihre Arbeit verfolge ich schon eine Weile mit großem Interesse – und habe mich sehr darüber gefreut, dass wir sie einladen konnten und sie, trotz der Tatsache, dass sie vor nicht allzu langer Zeit Mutter wurde, die lange Reise aus Südafrika gemeinsam mit ihrer Familie auf sich genommen hat. Großer Dank gebührt re:publica und Geraldine de Bastion, die die Einladung ermöglicht hat.

https://twitter.com/marco_t/status/331700934138793985

In Ergänzung zu ihrem Vortrag hier noch drei Medienbeiträge, die Ihr Euch auf jeden Fall ansehen bzw. anhören solltet:

3sat nano

https://twitter.com/marco_t/status/332612871504666624

https://twitter.com/dctp_tv/status/332023677837250560

Und als Netzmusiker gefiel mir der Astro-Sound-Hack Chromotone natürlich sehr gut:

https://twitter.com/marco_t/status/331705896298246144

Weiter ging es mit den Part Time Scientists: Diese beiden jungen Herren – Karsten Becker und Robert Böhme – und ihr fast 100-köpfiges, über den Erdball verteiltes Team, sind mit dem Mondrover Asimov einer der Favoriten im Wettbewerb um den Google Lunar XPrize. Ziel: Bis 2015 einen Rover auf dem Mond landen, dort mindestens 500 Meter fahren, High-Definition-Video und Bilder zur Erde senden. Das von Google ausgelobte Preisgeld beträgt im Maximalfall 30 Millionen US-Dollar. Wenn man nun bedenkt, dass der geplante Start mit einer russischen Trägerrakete vom Typ Dnepr eine ähnlich hohe Summe kosten wird, hat man in etwa einen Eindruck davon, dass die Part Time Scientists hier nicht nur enorme technische, sondern auch administrative Herausforderungen meistern müssen. Wenn Robert, Karsten und Team allerdings mit demselben Enthusiasmus zur Sache gehen wie bei Ihrem Talk auf der re:publica, bin ich mir sicher, dass sie es schaffen werden.

Unterstützt werden die Part Time Scientists vom DLR, genauer gesagt vom DLR-Institut für Robotik, das neben der Antriebstechnologie auch die intelligente, autonome Navigation auf Basis von Umgebungswahrnehmung beisteuert.

Letztlich dann noch mein eigener kleiner Beitrag namens “Space Science as a Creative Commons?“, der im Workshop-Bereich stattfand und daher nicht aufgezeichnet wurde. Die Folien gibt es hier:

Space science as a creative commons? from Marco Trovatello

Entgegen der Ankündigung habe ich für den Vortrag noch einiges zum Thema Open Access zusammenrecherchiert: Nach einem Blick auf den “großen Bruder” NASA und dessen Status quo in puncto Copyright law bzw. Non-Copyright und Public Domain habe ich mir den aktuellen Stand der Dinge in Europa angesehen – und bin zu Ergebnis gekommen, dass die European Space Agency bereits erfreulich frei und offen mit Daten ihrer Erdbeobachtungs-, Planetenforschungs- und Astronomiemissionen umgeht, in Bezug auf ihre eigenen (PR-)Medien allerdings in puncto freier Lizensierung noch nicht zum unter Creative Commons lizensierenden DLR aufgeschlossen hat.

Discussion following

Discussion following “Space as a creative commons?” talk. Image credit: republica, CC-BY.

In der anschließenden, kleinen Diskussionsrunde mit John Weitzmann (Creative Commons Deutschland, iRights.info), Paul Klimpel (iRights.info), Mathias Schindler (Wikimedia Deutschland), Kirsten Rulf (Autorin und Redakteurin, WDR/ARD Aktuell) und einigen anderen wurde zwar durchaus kontrovers, aber – zumindest meiner Meinung nach – auch sehr erkenntnisbringend debattiert. Ich habe hierzu einen separaten Artikel geschrieben.

Hojun Song’s Talk zur Open Source Satellite Initiative fiel leider aus, er schaffte es offenbar nicht rechtzeitig, dafür aber gab es ein Video-Interview mit Ai WeiWei.

https://twitter.com/marco_t/status/332161238903713792

Und sonst?

John Weitzmann lud zur Diskussion “Space Night Mission Control … GEMA, we have a problem. Fluch und Segen freier Inhalte in kommerziellen Märkten”: Das Team “Contra” in diesem von John moderierten Streit stellten Ellen Vorac , Label-, Musik- und Digitalvertriebsexpertin, und Volker Tripp, Jurist, Netlabel-Betreiber (ideology) und freier Journalist (Breitband), das Team “Pro”  stellten Luci van Org, Musikerin und Autorin, und ich in meiner Rolle als unter CC veröffentlichender Musiker und Netlabel-Mitbetreiber. Das Besondere an der Diskussion war das streng festgelegte Format, das einen etwaigen verbalen Schlagabtausch gar nicht erst zuließ, sondern durch per Stoppuhr gesteuerte Länge der Redebeiträge pointierte Thesen und Argumente hervorbrachte.

Space Night-Diskussion auf der rp13

Space Night-Diskussion auf der rp13: Links Team Pro (Luci van Org, Marco Trovatello), rechts Team Contra (Ellen Vorac, Volker Tripp). Bild: Andrea Schaub.

Das sah in etwa so aus:

Zunächst die These des Teams Pro (Luci,  Marco):

“Angesichts des Verschwimmens der Rollen im Musikgeschäft (keine klare Trennung mehr zw. Musiker, Texter, Produzent, Vermarkter etc.) sollten freie Inhalte ein Mittel sein, das allen Künstlern selbstverständlich zur Verfügung steht und nicht von überkommenen Verwertungsstrukturen ausgebremst wird.”

Es folgten jeweils vier Minuten Argumente von Team Pro und Team Contra, dann die These des Teams Contra:

“Freie Inhalte drücken Preise im Lizenz-Bundle-Geschäft und dienen für sehr bekannte Künstler dazu, sich auf Kosten anderer Aufmerksamkeit zu verschaffen”

Space Night-Diskussion, re:publica 2013

Space Night-Diskussion, re:publica 2013. Bild: Tobias Schwarz.

Dann wieder jeweils vier Minuten Argumente von Team Pro und Team Contra, spontane These des Moderators John Weitzmann, acht Minuten Schlussdiskussion, Ende. Das ganze ging zack-zack, kam ohne Polemik aus und war – so hoffe ich – für alle Beteiligten und Zuhörerinnen genauso erfrischend wie für mich. Leider auch hier keine Aufzeichnung, da es sich nur um eine kleine Session im Workshop-Bereich handelte.

Rezeptions-Overflow: Noch mehr Kultur, Science, Technologie, Politik …. meine weiteren persönlichen Glanzlichter (in keiner bestimmten Reihenfolge) waren …

… der Talk zum “Making of” des animierten Kurzfilms R’ha:

https://twitter.com/marco_t/status/331529520295317506

… Cory Doctorows Talk zu Digital Rights Management (DRM) und Computer in unseren Körpern:

… Mathias Schindler und der “Urheberrecht-Yeti”:

… Peter Kirn zu Mensch-Musik-Maschine Interfaces aus historischer wie heutiger Sicht:

https://twitter.com/marco_t/status/332976694363316225

… sowie etwa 50 verpasste Sessions, die ich ebenso interessant fand.

Und sonst noch?

https://twitter.com/SimSullen/status/331866308419399680

Abends Netlabel-Opa-Stammtisch, yeah!

TPB AFK: Dringend anschauen.

Film Poster. Source: <a href=

Film Poster. Source: http://www.tpbafk.tv/press-kit/

Der Film ‘The Pirate Bay – Away from Keyboard’ (TPB AFK) des schwedischen Regisseurs Simon Klose wurde bereits am vergangenen Wochenende (7.2.2013) auf der Berlinale vorgestellt und kann, Stand heute, bereits knapp 1,4 Millionen Views auf Youtube vorweisen. Dort ist er – ganz dem Thema entsprechend – frei und legal verfügbar, ebenso auf The Pirate Bay selbst. Wer den Film weitergehend unterstützen möchte, kann ihn auch bezahlen. Eine Remix-Version des Films ist unter einer Creative Commons BY-NC-SA-Lizenz erhältlich.

An dieser Stelle eine Empfehlung an diejenigen, die den Film noch nicht gesehen haben: Es lohnt sich. Wie in guten Dokumentarfilmen üblich, läßt Klose die Protagonisten für sich sprechen, und wahrt – trotz der Tatsache, dass er sie über lange Zeit begleitete (und im Interview mit der Süddeutschen sogar als Freunde bezeichnet) – die nötige Distanz. Ein anderhalbstündiger Werbeclip für The Pirate Bay also? Fehlanzeige. Vielmehr eine aufmerksame Studie der drei wesentlichen Köpfe hinter The Pirate Bay, Gottfrid Svartholm Warg, Fredrik Neij und Peter Sunde, aber auch der Ankläger und Strafverfolger. Diese bestechen nicht gerade durch Objektivität – dem Richter wird gar Befangenheit nachgewiesen. Doch auch Sunde, Warg und Neij offenbaren im Laufe des Films ihre Schattenseiten. Sieht man sie zunächst ganz klar als Betroffene und Verfolgte einer gnadenlosen, aus der Zeit gefallenen Copyright-Industrie, zeigen sie sich im Laufe des Films zunehmend überheblich und selbstgefällig und räumen später gar die Zusammenarbeit mit dubiosen Geldgebern ein.

Fazit: Sympathie, Antipathie, Hacktivismus, Technikhuldigung, Größenwahn, Konservatismus, Urheberrechtswahnsinn … all das und noch viel mehr zeigt der Film, ganz nah beieinander. Prädikat: wertvoll.

P.S.:Lesenswert auch der Artikel zum Film im Zeit Online Netzfilmblog.

Musikvideo

Der Herr Stoffel hat ein wunderhübsches Video zu einem meiner Tracks produziert, aufgenommen vor vielen Jahren von ihm selbst auf Super 8, vor kurzem dann digitalisiert, ein bisschen nachbearbeitet und geschnitten. Mein Album kann man hier herunterladen.