Ein paar Gedanken zum neuen Fraunhofer-Forschungsblog

Durch diverse Tweets (eigentlich durch diesen von Matthias Fromm) wurde ich gestern auf den frisch gestarteten Fraunhofer-Forschungsblog aufmerksam.  An dieser Stelle heute ein paar Gedanken zu dieser neu gestarteten Plattform, die ich mit einer Mischung aus Skepsis und Begeisterung aufgenommen habe.

Das Konzept …

gefällt mir grundsätzlich. Marke Fraunhofer und damit Corporate Blogging-Verdacht zurückgenommen, ein paar glaubwürdige (Lars FischerFlorian Freistetter) und zum Teil auch sehr prominente (Science-)Blogger engagiert und der Versuch, mit Dual-Blogging einen neuen oder zumindest nicht ausgetretenen Weg der Wissenschaftskommunikation zu gehen. Tatsächlich aber gibt es diese Dual Content-Strategie schon länger. Egal ob bei FraunhoferMax Planck oder DLR – hier wird schon lange zwischen reiner Science-to-Science-Kommunikation (beispielsweise auf Institutsseiten) und Science-to-Public-Kommunikation (auf den entsprechenden Webportalen) unterschieden.

Neu ist der Ansatz, dies innerhalb eines Blogartikels in zwei Spalten zu realisieren. Ich finde aber, dass das mit dem, wenn ich das richtig sehe, bisher einzigen Beispiel nicht wirklich gut gelungen ist: Der Fachtext (linke Spalte) liest sich wie eine typisch wissenschaftlich verfasste Presseinformation, während sich die rechte Spalte angenehm allgemeinverständlich, kurzweilig und kurzum “bloggig” liest. Alles wie hier (und hier) erläutert, soweit klar. Ich frage mich allerdings trotzdem, wozu man den Fachtext in einem Science-to-Public-Blog überhaupt braucht. Science-to-Science-Kommunikation kann insofern doch in Hinblick auf die Zielgruppe, die man mit dem Forschungsblog anspricht, getrost an anderer Stelle im Web gemacht werden.

Darüber hinaus finde ich die Tatsache, dass hier Fachleute und Laien gleichzeitig mithilfe eines einzigen Blogartikels angesprochen werden, irgendwie ein wenig despektierlich. Ein Artikel für den, der es schnallt, der andere für den, der es nicht schnallt?

Webdesign und Usability …

… irken zwar irgendwie angenehm bloggig, aber irgendwie nur halbfertig. Man merkt, das Farben und Design eine Affinität zur Fraunhofer-CI herstellen sollen/wollen, aber eben doch nicht so ganz. Ich hoffe, dass es gelingt, hier genügend Abstand zur offenbar nicht gewollten Corporate-Blog-Ästhetik (die, zugegeben, bei den DLR Blogs, die ich konzipiert habe und inhaltlich verantworte, zu dominant ist) zu bekommen. Irgendwie könnte man das ganze noch benutzerfreundlicher und weniger zerpflückt gestalten, bspw. die FAQ, die neben Link bzw. Seite noch keine Inhalte haben, besser auffindbar machen (und hier auch noch ein wenig am Wording arbeiten) und vieles mehr. Auch die URL und Namen finde ich nicht besonders glücklich. Fugen-S und Bindestrich zusammen (“Forschungs-Blog.de”) kommen irgendwie nicht gut. Vielleicht den Betreiber von forschungsblog.de fragen, ob er seine Domain nicht abtreten will?

Qualität der Inhalte

Finde ich eigentlich sehr gut. Der Einführungsartikel informiert prima über das Gesamtvorhaben, die “Eisdemokratie” ist (im Gegensatz zum Fachtext gleichen Themas) informativ und lustig geschrieben, auch der von Florian Freistetter geschriebene Blogpost zum Thema Weltraummüll bzw. Space Situational Awareness bringt zwar im Vergleich zu den bekannten Informationen nichts wirklich Neues, ist aber ordentlich geschrieben und gut recherchiert. Trotzdem die Frage: Wieso eigentlich hast Du diesen Artikel nicht geschrieben, Andreas Schepers? Schade, dass man offensichtlich nicht bei ESA/ESOC angefragt hat? Hätte doch nahegelegen, Dich oder Michael Kahn zu fragen.

Fazit

Gemischt, wie man so sagt. Prima Ansatz, in Teilen ein bisschen lieblos ausgeführt, aber in jedem Fall sehr, sehr ausbaufähig. Forschungsblogger, ich drücke Euch die Daumen und wünsche einen guten Start und viele erfolgreiche Postings und Kommentare.

5 thoughts on “Ein paar Gedanken zum neuen Fraunhofer-Forschungsblog

  1. Michael Sonnabend

    Ich hatte urlaubsbedingt noch nicht die Möglichkeit, mich intensiv mit der neuen Seite zu beschäftigen. Aber diese unsägliche Idee mit dem Dual-Blogging habe ich mir schon angesehen. Was bitte soll das denn? Ein Text für die Elite und einer für die Minderbemittelten? Es gibt unterschiedliche Genres, und manche davon eignen sich sicher nicht für das Web oder die Wissenschaftskommunikation. Deshalb sollte man wohl ganz auf sie verzichten, statt jetzt wieder diese Übersetzungs-Kiste aus der Mottenkiste zu holen. Das hatten wir doch eigentlich schon längst überwunden! Die Unterscheidung zwischen Science-to-science bzw. Science-to-public finde ich ebenfalls einen Anachronismus: Entweder man schafft es es, einen Text in gutem Deutsch zu verfassen oder man schafft es nicht. Egal, in welchem Genre. Aber dass bei forschungs-blog.de Wissenschaftler wieder ihrem alten Experten-Dünkel mit all seiner Hochnäsigkeit und Abgehobenheit frönen dürfen, halte ich für ein echtes Armutszeugnis.

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  2. Sascha Stoltenow

    Guter Kommentar, und die Frage ist doch, warum es zwei Spalten braucht, anstelle einer, die das Thema wissenschaftlich, aber nicht dröge formuliert. Das wäre eine Haltung, die mich überzeugte: Die Bereitschaft, sich verständlich auszudrücken, eben weil es Wissenschaft ist. So reproduziert es einen vermeintlichen Gegensatz.

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  3. Marco

    Lieber Michael,

    ich stimme uneingeschränkt zu, auch bezüglich des Science-to-science bzw. Science-to-public Anachronismus. Festhalten muss ich allerdings, dass meiner Auffassung nach für die Institute einer großen Forschungsorganisation (vgl. die oben genannten) die Science-to-science-Kommunikation (also die Kommunikation mit ihresgleichen, ihrer Community, ihren Partnern) sehr wichtig ist, diese aber meiner Auffassung nach im Gegensatz zu früher von den entsprechenden für die Wissenschaftskommunikation zuständigen zentralen Abteilungen so gut wie nicht mehr oder lediglich marginal wahrgenommen wird (was ich ausdrücklich gut finde). Vielleicht habe ich mich hier aber auch etwas missverständlich ausgedrückt bzw. diesen Absatz etwas schnell runtergebloggt.

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  4. Marco

    @Sascha @Michael

    Danke für Eure Kommentare. Eigentlich wollte ich gar nicht so sehr auf dem Dual-Blogging-Konzept rumbashen … obwohl ich es, ja, klar, nicht wirklich angemessen finde. Und es dann, wie Ihr sagt, doch bitte gleich allgemeinverständlich und gut formuliert sein sollte. Dass das problemlos möglich ist, zeigen uns täglich viele Beispiele (von denen einige in meiner Blogroll zu finden sind). Heute ist im Forschungsblog ja der zweite Dual-Blogging-Artikel erschienen. Leider hatte ich noch keine Zeit ihn zu lesen.

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  5. Michael Sonnabend

    Lieber Marco,

    dass Wissenschaftler untereinander eigene Sprachen pflegen und vielleicht auch pflegen müssen, ist schon klar. Meine Erfahrung ist jedoch, dass viele dann irgendwann gar nicht mehr in der Lage sind, Gedanken nach den Grundregeln der deutschen Sprache zu formulieren. Hier muss dringend etwas geschehen, denn es kann auf die Dauer nicht gut gehen, wenn wissenschaftliche Expertise immer der “Übersetzung” bedarf. Wissenschaftler müssen nach wie vor energisch an ihre gesellschaftliche Verantwortung erinnert werden. Und die setzt ein gewisses Sprachvermögen voraus. So viel muss man von Eliten erwarten dürfen.

    Aber wem sage ich das? Ich vermute, dass Du hier ganz ähnlich denkst.

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