Kommentar zur ‘CC-BY-NC’-Broschüre von Creative Commons Deutschland, irights.info und Wikimedia DE

Hallo CC DE, irights.info & Wikimedia DE,

die Lektüre Eurer Broschüre zu ungewollten Nebenwirkungen des Creative Commons NC-Moduls, über die ich mich auf der re:publica sehr gefreut habe, läßt mich offen gesagt etwas enttäuscht zurück. Natürlich verstehe ich Euren Ansatz, der Einschränkung der Verbreitung freien Wissens und freier Bildung durch falsch verstandene Nutzung des NC-Moduls vorbeugen zu wollen. Doch genau hier – der Fokussierung des Broschüreninhalts auf den Bildungssektor – liegt das Problem. Um dieses zu beschreiben muss ich ein klein wenig ausholen:

Ich beschäftige mich mit CC-Lizenzen in einer Doppelrolle. Einerseits als verantwortlicher Redakteur für Webportal und Social Media Kanäle des DLR. Hier haben wir die CC-BY vor einigen Monaten offiziell eingeführt. Dazu bedurfte es neben dem ursprünglichen Anruf von ersten Gespräch mit Mathias Schindler wenig Überzeugungsarbeit – ich hatte schnell verstanden, wieso für Wikipedia und viele andere mit Wissen und Bildung befasste Organisationen die NC-Variante keine Option ist – dies ist in der Broschüre ja ebenfalls ausführlich und sehr gut beschrieben.

Andererseits bin ich Musiker und Netlabel-Mitbetreiber. Hier fehlt es der Broschüre m.E. an Substanz. Neben zwei kurzen Kapiteln über Mashups und GEMA gibt es hier leider keinen weiteren Erkenntnisgewinn. Ich hatte mir erhofft, mithilfe der Broschüre mehr über Praxis und Möglichkeiten von (unabhängigen) Musikern, Label- und Verlagsbetreibern sowie anderen ‘Kreativen’ zu erfahren, doch diese Hoffnung wird leider nicht erfüllt.

Als Musiker und Netlabel-Betreiber wähle ich das NC-Modul ja nicht, weil ich permanent befürchte, dass irgendwelche bösen Big Businesses oder Majors meine Musik ‘klauen’, in die nächste Kampagne verfrachten und damit viel Geld verdienen wollen (obwohl ich via NC-Nutzung auch diesem unwahrscheinlichen Fall vorbeuge). Sie besitzt, neben dem rechtlichen Schutz vor unerlaubter kommerzieller Verwertung, vielmehr auch eine Signalwirkung, die, salopp ausgedrückt. lautet:

“Frag’ mich, bevor Du diesen Inhalt kommerziell nutzt (und ich kann ihn Dir, wenn Du eine Bildungs- oder Kultureinrichtung repräsentierst. ein Blogger, Filmemacher etc. bist und kommerziell arbeitest, immer noch unentgeltlich freigeben.)”

All das (oben beschriebene) kommt in der Broschüre leider (sehr) viel zu kurz – und die wertvollen rechtlichen Hinweise, die Paul Klimpel für Bildungseinrichtungen gibt, würde ich mir für den CC-Kreativsektor ebenfalls wünschen.

Fazit: Eure Broschüre ist für Bildungs- und Kultureinrichtungen bzw. deren Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Nutzung des NC-Moduls sicher wertvoll. Für den Kreativsektor würde ich mir nochmal dasselbe wünschen und biete Euch gerne meine Hilfe an.

P.S.: Download der Broschüre hier.

16 thoughts on “Kommentar zur ‘CC-BY-NC’-Broschüre von Creative Commons Deutschland, irights.info und Wikimedia DE

  1. John Weitzmann

    Hallo Herr Trovatello,

    auch wenn ich nicht der Autor der Broschüre bin, habe ich in gewisser Weise den Inhalt mit beeinflusst, daher hier eine kurze Replik.

    Streng genommen stammt der Schutz vor kommerzieller Nutzung bei Verwendung einer NC-Lizenz nicht aus dieser, sondern direkt aus dem Urheberrechtsgesetz. Er wird eben nur bei der Reduzierung des Schutzniveaus ausgespart.

    Die Signalwirkung ist m.E. nicht so, wie Sie sie darstellen. Den von Ihnen ja bereits in Klammern gesetzten Teil erkenne ich an der NC-Lizenz selber nicht (es sei denn, Sie implementieren das per CC+, was aber nicht Thema der Broschüre ist). Ein Teil der Problems besteht vielmehr darin, dass eine NC-Lizenzierung nicht selten heißen soll “Nach kommerzieller Nutzung brauchen Sie mich gar nicht erst zu fragen” und zutreffend oder irrtümlich so verstanden wird.

    Zudem zerstört bereits das “Frag mich …” den größten Vorteil einer Freigabe per Standardlizenz, jedenfalls für sehr viele potenzielle Nachnutzer, und eben leider oft für mehr Nachnutzer, als der Lizenzgeber eigentlich wollte. Dass daneben auch immer Einzelanfragen möglich sind, ergibt sich von selbst und gilt ja sogar dann, wenn überhaupt keine Jedermannlizenz zum Einsatz kommt. Das hätte man in der Broschüre natürlich noch einmal erklären können, dürfte den meisten Verwendern von NC-Lizenzen aber ohnehin klar sein bzw. lassen sich solche Anfragen praktisch nicht verhindern.

    Den Fokus hat Paul Klimpel im Übrigen nach meinem Verständnis nicht nur auf den Bildungssektor gelegt, sondern allgemein auf alle Bereiche, in denen Nachnutzbarkeit zu geringen Grenzkosten besonders wichtig ist. Wer sich und sein Geschäftsmodell nicht in einem dieser Bereiche sieht, wird ohnehin weniger oft ungewollte Nebenwirkungen mit einer NC-Lizenz erzeugen und braucht die Broschüre daher auch weniger.

    Viele Grüße
    John H. Weitzmann, CC DE Legal Project Lead

    Reply
    1. Marco Post author

      Lieber John,

      vielen Dank für Ihren Kommentar bzw. die Replik – und auch für die Broschüre insgesamt.

      Ich bin nun, trotz Ihrer Erläuterungen, noch ein wenig ratlos.

      Zum “Frag’ mich”-Teil meiner These:

      Für jede CC-Lizenz, in diesem Fall für die CC-BY-NC, gilt doch eine Verzichtserklärung, die deutlich in der ‘Commons Deed’ (hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/de/) gekennzeichnet ist und die mir als Rechteinhaber ermöglicht, jede der Lizenzbedingungen aufzuheben.

      Zum eingeklammerten Teil meiner These:

      Ja, richtig, das NC-Modul impliziert zwar nicht offensichtlich, dass ich als Lizenznutzer auch geneigt bin, meine Werke unentgeltlich freizugeben, jedoch ergibt sich dies häufig aus dem Gesamtkontext meines Schaffens bzw. der Plattform, auf denen bzw. über die ich selbst veröffentliche (CC-nutzendes, nicht-kommerzielles Netaudio-Label, nicht-kommerzieller Blog etc.).

      Heißt: Ich teile Ihre Sicht der Dinge, dass “(…) eine NC-Lizenzierung nicht selten heißen soll ‘Nach kommerzieller Nutzung brauchen Sie mich gar nicht erst zu fragen’ und zutreffend oder irrtümlich so verstanden wird.” nur bedingt.

      Tatsächlich aber hat mich Ihr Kommentar – und auch die gesamte Broschüre – erneut reflektieren bzw. recherchieren lassen:

      Zoeleela und Motor Music bspw. nutzen – im Rahmen einer m.E. clever geplanten Kampagne – die CC-BY-NC, um die legale Weitergabe heruntergeladener Tracks an Freunde etc. zu ermöglichen. Eine Frage, die sich hier für mich nach Lektüre der NC-Broschüre ergibt: Wie sieht es bzgl. der Nutzung der Tracks durch kommerzielle Blogs oder Airplay durch kommerziell arbeitende (Net-)Radio-Stationen wie bspw. Flux FM aus? Muss hier jeder einzelne Einsatz genehmigt werden bzw. der Verzicht auf NC erklärt werden? Eine Frage, die mich auch in Hinblick auf mein eigenes, in Kürze zur Veröffentlichung anstehendes und unter CC-BY-NC lizensiertes Release interessiert.

      Das Kölner Netlabel rec72, auf dem auch ZoeLeela zuvor veröffentlichte, hat in 2011 auf die – auch von Ihnen, CC DE – in der Broschüre als Alternative benannte CC-BY-SA umgestellt. Hier würde mich interessieren: mit welchen Konsequenzen? Und man könnte hinzufügen: Falls sich überhaupt Konsequenzen ergeben sollten, wie bspw. im Falle eines im DAX notierten Unternehmens, das einen Track für seinen TV-Werbespot benutzt (und die Rechte an diesem Werbespot dann ebenfalls per CC-BY-SA lizensiert). Ach ja: ;-)

      Wie gesagt, ich bin etwas ratlos.

      Ich dachte bisher, dass der Schutz vor unerwünschter kommerzieller Nutzung, gerade bei einem auf einen breiten Markt bzw. auf eine breite Zielgruppe gerichteten Release wie ZoeLeelas ‘Digital Guilt’, auch in Hinblick auf die Kooperation mit Motor Music, nach wie vor wichtig sei.

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      1. John Weitzmann

        Hallo,

        zur Aussagekraft des Kontexts: Das belastet den potenziellen Nutzer damit, entweder a) zu mutmaßen, was sich aus dem Kontext der Lizenzierung nach dem Willen des Lizenzgebers ergeben soll (riskant, denn im Immaterialgüterrecht gibt es keinen “gutgläubigen Erwerb” von Nutzungsrechten, sodass versehentlilche Lizenzverstöße immer am Endnutzer hängen bleiben) oder b) nachzufragen (was die Funktion als Standardlizenz teilweise zunichte macht).

        Zu Zoe.Leela: Ja, jedes kommerzielle Airplay und sonstige kommerzielle Nutzungen müssen gesondert lizenziert werden, einzeln oder auch als Rahmenvertrag. Diese Erlaubnisse sind einfach nicht von der NC-Lizenz umfasst. Darum ist auch die Formulierung “Verzichtserklärung” in der Deed unglücklich. Das stammt aus dem US-Recht, wo Lizenzen nicht unbedingt Verträge sein müssen. Nach deutschem Recht jedenfalls liegt in der Erlaubnis zur kommerziellen Nutzung eine zusätzliche Rechteeinräumung und kein Verzicht auf irgendetwas.

        Zur BY-SA: Hier gilt das, was Paul Klimpel in der Broschüre auch über NC sagt, nämlich dass eine solche Bedingung nur gewählt werden sollte, wenn man zumindest grundsätzlich bereit ist, sie auch durchzusetzen. Wenn ein Dax-Unternehmen Share-Alike-Content in seinen Werbespot einbaut, dann muss der entsprechend freigegeben werden. Geschieht das nicht, liegt eine unberechtigte Nutzung vor, die ganz normal abgemahnt und anschl. ggf. auch gerichtlich durchgesetzt werden kann.

        Allgemein zu unerwünschter kommerzieller Nutzung: Aus der Broschüre sollte hervorgehen, dass NC dann Sinn ergibt, wenn man ein bestehendes/geplantes Geschäftsmodell hat, bei dem realistischerweise mit geschäftsschädigender Ausnutzung zu rechnen ist. Wenn und soweit Zoe das für sich sieht, liegt sie mit NC völlig richtig. Die tausenden Laien-Urheber dagegen, die keinerlei Geschäftsmodell haben und NC aus unbestimmter Sorge oder dem Wunsch stärkerer Kontrolle wählen, mindern damit zugleich das, was sie statt Geschäft eigentlich wollen, nämlich die Verbreitung. Während die möglichen positiven Effekte von NC überbewertet werden, werden die negativen oft gar nicht bemerkt. Vor allem darüber soll die Broschüre aufklären.

        VG
        John

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        1. Marco Trovatello Post author

          John,

          vielen Dank für die ausführliche Antwort, nun ist mir einiges klarer.

          Ich glaube im Übrigen auch, dass der Aufklärungsaspekt sicher funktioniert und auch Diskussionen wie diese hier helfen, letzte Fragen oder Unsicherheiten auszuräumen.

          Reply
  2. Marco Medkour

    Lieber Marco:

    Zur Anwendung der verschiedenen CC-Lizenzen auf meinem Label, sei auf About (http://rec72.net/?page_id=2) verwiesen. Dort steht detailliert wie Werke von rec72 und seinen Acts genutzt werden dürfen; und dass ich schritt- und auch nur jahreweise “weichere” CC-Lizenzen für neue Veröffentlichungen eingesetzt habe – die bestehenden Veröffentlichungen habe ich unangetastet gelassen und nicht etwa beliebig rückwarts oder vorwärts lizensiert.

    Die Releases aus den Jahren sind und bleiben: von 2007 bis 2009 by-nc-nd, die 2010er by-nc-sa und die Releases ab 2011 by-sa.

    Für mich zumindest ist es evident, dass die ursprünglich gewählte Lizenz dieselbe bleibt; ansonsten stünde der Konsument oder Verwerter im Dunklen und wüsste nicht, wie er das Werk denn nun nutzen darf. Hey ja klar, der Urheber ist natürlich auch im Bilde!

    Die Gründe, warum ich schrittweise weichere Lizenzen gewählt habe, waren die folgenden:
    Ich wollte, dass mit den Werken meiner Acts überhaupt Mash-ups möglich sind. Angefangen beim klassischen Remix einer Veröffentlichungen bis hin zur Visualisierung (Musik-Clips, Fan-Art, YouTube-Clips etc.) – so was hat ja auch eine gewisse Schöpfungshöhe, daher share-alike seit 2010.

    Seit 2011 habe ich mich von NC verabschiedet, denn die Krux und unscharfe Definition von NC kann man niemanden empfehlen. Das liegt zum Teil an der Lizenz, und an hiesigen unscharfen Gesetzmäßigkeiten oder fehlenden Regelwerken. Ernsthaft, mir ist bis heute völlig unklar, was denn nun nicht-kommerzielle Nutzung bedeutet und eben nicht bedeutet. Du weisst, bei der 2010er Cologne Commons habe ich die Frage mit illustren Diskutanten im Panel “Was heisst schon NC? – Wie Musiker trotz der NC-Lizenz Geld verdienen können” klären wollen; es ging nämlich lange um die sehr interpretatorische Frage und Antwort, wo fängt Kommerz an, wann ist etwas gewerblich (Radio, Club, Party, Werbefinanzierte Blogs/Poadcsts), soll ich als Act zur kommerziellen Nutzung re-releasen, soll ich von der NC-Lizenz Abstand nehmen oder direkt CC+ nutzen etc. Also insgesamt mehr Verwirrung als Klarheit. Als Urheber / Konsument / Verwerter stehst im Endeffekt dann wieder ochsenhaft vor dem Scheunentor und kommst nicht weiter.

    Deshalb habe ich seit 2011 alle irreführenden “Barrieren” auf rec72 entfernt und veröffentliche die Musik und Visuals meiner Acts konsequent unter der CC by-sa Lizenz.

    Dachte ich! Denn eine Anmerkung noch, zu den deutschen CC-Lizenzen und ihrer Lesbarkeit (für “natürliche Personen”). Mir ist aufgefallen, dass ich neuerdings die Formulierungen einer weltneutralen Lizenz, wie by-sa (3.0 de) nicht mehr verstehe. In den Jahren zuvor standen dort verständliche Richtlinien bzw. Bestimmungen. Das was dort heute steht, blicke ich teilweise nicht – der rechtliche Zusammenhang und das warum?! OK: bin ja auch kein Jurist – Auszug am Ende (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/)-

    “Die Lizenz hat keinerlei Einfluss auf die folgenden Rechte: Die Rechte, die jedermann wegen der Schranken des Urheberrechts oder aufgrund gesetzlicher Erlaubnisse zustehen (in einigen Ländern als grundsätzliche Doktrin des fair use etabliert); Das Urheberpersönlichkeitsrecht des Rechteinhabers; Rechte anderer Personen, entweder am Lizenzgegenstand selber oder bezüglich seiner Verwendung, zum Beispiel für Werbung oder Privatsphärenschutz. Hinweis — Im Falle einer Verbreitung müssen Sie anderen alle Lizenzbedingungen mitteilen, die für dieses Werk gelten. Am einfachsten ist es, an entsprechender Stelle einen Link auf diese Seite einzubinden”

    Hallo?! Versteh ich selbst mit viel Phantasie nicht.

    Danke + LG
    –Marco

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    1. Marco Trovatello Post author

      Hallo Marco,

      bzgl. des letzten Absatzes kann ich vielleicht ein klein wenig Hilfe anbieten, zumindest was die Punkte ‘Urheberpersönlichkeitsrecht’ und die ‘Rechte anderer Personen’ angeht.

      Bei ersterem handelt es sich bspw. um das “Recht am eigenen Bild”, d.h. bspw. Du wirst fotografiert und must vor Veröffentlichung gefragt werden – im Musikkontext also erstmal nicht relevant. (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Recht_am_eigenen_Bild).

      “Rechte anderer Personen, entweder am Lizenzgegenstand selber oder bezüglich seiner Verwendung, zum Beispiel für Werbung oder Privatsphärenschutz.” – hier könnte es für Musiker/Labelbetreiber interessant bzw. relevant werden. Dieser Teil der CC-Lizenz besagt m.E., dass sie nicht die Rechte, die andere Personen eventuell an Samples, die verwendet (und möglicherweise nicht lizensiert) wurden oder die Rechten an sonstigem Fremdmaterial, das verwendet wurde, beeinflussen kann – was ja eigentlich klar ist.

      Last not least “Fair use” – das hat laupt WP wohl nur Relevanz für den anglo-amerikanischen Rechtsraum, vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Fair_use

      Danke für Deinen Kommentar – aus dem ich übrigens schließe, dass Du ähnlich ratlos bist wie ich.

      Reply
      1. John Weitzmann

        mit den unangetasteten Rechten sind gemeint:

        - Dinge, die man vom Gesetz her bereits darf, etwa Privatkopie, Zitatrecht etc.;
        - Persönlichkeitsrechte, sprich eine CC-Lizenz ersetzt/beinhaltet kein Model Release;
        - andere Immaterialgüterrechte wie z.B. Marken-, Patent- oder Geschmacksmusterrechte.

        Wie wäre das verständlicher zu formulieren? Bitte ein paar Vorschläge.

        Reply
  3. FC Stoffel

    Lustigerweise hatte ich mir nach der Lektüre der Broschüre vorgenommen, demnächst unter BY-SA zu veröffentlichen. Allerdings erscheint mir die Argumentation der Broschüre bzw. von Herrn Weitzmann ein wenig absurd. Ich habe das so aufgefasst: “Weil NC von den Nutzer oft falsch verstanden wird und zu Unsicherheiten führt, sollte man besser unter SA lizenzieren”. Ich finde das Problem liegt da doch eher an der schwammigen und ungenauen Definition von NC. Ich würde mir eine Definition von NC wünschen, bei der eindeutig gesagt wird: Nicht-Kommerziell schliesst NICHT aus, dass Geld mit im Spiel ist, sondern erlaubt die Nutzung innerhalb eines kleinen nicht-gewerblichen Rahmens. Mit anderen Worten: Was ich als Kümstler will ist Schutz vor der großen kommerziellen Ausbeutung und die Erlaubnisse für Schulen, Bildungsträger, DJs, Podcasts etc. meine Sachen zu nutzen. Da muss es doch einen Weg zwischen extrem restriktiv ausgelegtem NC und dem sehr offenen SA geben. Oder?

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    1. John Weitzmann

      Da frage ich dann mal direkt zurück: Wann ist ein Rahmen klein, wann groß? Was ist mit “gewerblich” gemeint? Dadurch wird es m.E. nicht wirklich eindeutiger.

      Allgemein sieht es im Moment nicht danach aus, dass sich in der 4.0 an der Definition viel ändern wird. Die Lizenz muss weltweit funktionieren und CC will es vermeiden, eine ganz bestimmte Vorstellung von “kommerziell” weltweit zu verbreiten. In der Praxis lassen sich die meisten angeblich unklaren Fälle ganz gut mit der Definition lösen.

      Gegen NC spricht (so sagt es auch Paul Klimpel in der Broschüre), dass mehr Nutzungen ausgeschlossen werden als oft gewollt und dadurch die Verbreitung leidet – was problematisch ist, wenn – wie bei den meisten Laienurhebern mit CC-Ambitionen – die Verbreitung der eigentliche Zweck der Freigabe ist. Wenn und soweit der “Schutz” vor Big Business gewollt ist, ist SA dann immer vorzugswürdig.

      Reply
  4. TOMPIGS

    Hallo Zusammen.
    ich schliesse mich der Meinung von Stoffel an und hätte genau den gleichen Punkt zitiert. Mich irritiert die Aussage sehr…

    Als wir mit der öffentlichen Kommunikation von ZOE.LEELA begannen, haben wir von Anfang klar gestellt, dass wir eine kommerzielle Nutzung nicht ausschliessen, dass wir lediglich gefragt werden möchten und man mit uns verhandelt. Mittlerweile haben wir gleich mehrere (zweistellig) Verträge mit potentiellen Lizenznehmer verhandelt und abgeschlossen. Es zeigt deutlich das eine vereinfachte Kommunikation hilft. Was wir nicht wollten & wollen, ist ein Wildwuchs, eine nicht kontrollierbare Mulitiplikation auf kommerzieller Basis. Besonders, dann wenn unser Thema medial so präsent ist.
    Seit 2009 wird die Musik von ZOE.LEELA in Radios gespielt und wir waren zumindest bei der Kommunikation der ersten E.P. nicht in der Situation uns Gedanken über den kommerziellen Raum eines Radios zu machen, dafür war das Interesse an dem Produkt und Werdegang zu groß.
    Weiterführend haben wir mit dem aktuellen Album deutlich im Booklet der CD vermerkt, das es keine gesonderte Genehmigung bedarf die Musik in Radio´s, Podcats´s etc zu spielen um genau dieser Fragestellung aus dem Weg zu gehen.
    Tatsächlich ist es so, dass wir erste letzte Woche zum ersten Mal aus einem osteuropäischem Land eine eMail erhalten haben, mit der Frage ob die Musik im Radio gespielt werden darf.

    Bis dato kann ich nicht von einem Nachteil oder schwammigen Umgang berichten. Viel mehr verhält es sich doch so, das was wir tun nichts anderes ist, was man mit anderen Verwertungsrechten auch tun dürfte. Privat Kopien, Schutz vor kommerzieller Nutzung, Remixe etc. Der Vorteil liegt nur darin, das es vereinfacht dargestellt wird und man unverzüglich agieren bzw reagieren kann. Das sollte bewahrt werden und wenn es kritikwürdig ist, dann sollte man den Geist bzw den Kontext der Lizenzen so optimieren, so dass eine juristische Fachkraft erst Mal nicht gebraucht wird.
    Vielleicht hilft es auch mehr, wenn ZOE.LEELA, nicht aus PR Zwecken zu unseren Gunsten (ausgelastet), mehr zitiert wird als Hilfestellung für Lizenz- geber, wie auch -nehmer. Denn offensichtlich wirft unser Zusammenschluss mit Motor Fragen auf und sollte es nicht in unser Aller Interesse sein über die Potenz der CC Lizenzen zu berichten?
    Schöne Grüße
    Thomas

    Reply
    1. John Weitzmann

      Ja, das ist doch dann super. Für solche allgemeinen weiteren Freigaben, die in der NC nicht enthalten sind (“alle Radios dürfen spielen”) ist eigentlich CC+ gedacht, aber das lässt sich natürlich auch zu Fuß per Aufdruck auf CDs o. ä. erreichen und ist dann genauso wirksam. Und wenn das Geschäftsmodell das vorsieht, wie bei Zoe und anderen Künstlern der Fall, dann ist NC sehr stimmig und erzeugt auch nicht die _ungewollten_ Nebenwirkungen, um die es in der Broschüre geht.

      Fakt bleibt aber, dass zusätzliche Vorstellungen darüber, was dann doch kommerziell erlaubt sein soll, in der NC nicht enthalten und an ihr bzw. dem Kontext nicht ablesbar sind. Da muss dann schon eine solche Nebenregelung her wie bei Zoe und darüber hinaus werden dann noch individuelle Lizenzverträge geschlossen.

      An der Stelle ist man natürlich raus aus dem CC-Ansatz (eigentlich schon bei den selbstgebauten Nebenregelungen, denn die sind ja nicht standardisiert), aber das ist ja kein Beinbruch. Die CCPL erfüllt dann davor/an anderer Stelle ihre Funktion.

      Reply
  5. Marco Trovatello

    @Thomas

    Danke, dass Du Deine/Eure ZoeLeela-Erfahrungen hier teilst. Für mich und andere, die das NC-Modul nutzen, sind das sehr wertvolle Infos.

    @Stoffel

    ebenso danke. Ich hoffe John hat noch ein wenig Lust und Zeit, um auf Eure Posts zu reagieren.

    Reply
  6. Mathias Schindler

    Hallo Marco,

    danke für das Lesen der Broschüre und das Blogposting. Das, was du schreibst, kann ich soweit komplett unterstreichen: Es gibt legitime Anwendungsfälle für -NC-Lizenzen (unsere Ergänzung: Es sind weniger, als man gemeinhin vermuten könnte), eine NC-Lizenz verhindert nicht, nachträglich und im Einzelfall als Urheber weitergehende Nutzungsrechte einzuräumen (unsere Ergänzung: Es führt teilweise die Idee von CC-Lizenzen an ihre Grenzen, wenn nicht gleichzeitig Aufwand betrieben wird, Erreichbarkeit sicherzustellen) und es ist als Broschüre nicht primär auf den Musiksektor ausgerichtet.

    Was Wikimedia angeht, ist das letztlich eine gewisse Enscheidung der Priorisierung, (nicht, dass es nicht ton-gestützte Bildungsinhalte gäbe), aber ich sehe sofort ein, dass es eine Reihe von Fragen zu Musik und CC gibt, die “man” einmal im Rahmen einer FAQ abhandeln sollte. Dazu zählt dann mit Sicherheit auch der ganze Kontext Verwertungsgesellschaften und verwandte Schutzrechte, das hat dann mit -nc nichts mehr zu tun.

    Ansonsten: Was John sagt, insbesondere zu CC+.

    Mathias

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  7. Mango Aioli

    Also ich verzichte auf Creative Commons-Lizenzen. Maine Fans interessiert das übahaupt nicht. Warum braucht maine Musik eine Lizenz. Ich bin durch das Urheberrecht geschützt und geremixt wird in der Netlabelwelt sowieso nicht. Zumindest nicht einfach so?

    Eine Frage hätte ich an die Netlabelbetreiba: Wurde schon einmal Musik von oich geremixt?

    Achso und ich will auch nicht auf irgendwelchn Compilations ungefragt mit mainer Musik auftauchen. Und ich will auch nicht, dass andere maine Musik spiegeln auf ihrem Serva. Dazu sollen Sie maine Soundcloud Widgets nehmn.

    So bekommn alle Mango Aioli auf die Ohren und ich kann schnell auch mal einen Track austauschn und mit einer neuen Version versehn.

    Reply
  8. FC Stoffel

    @Marco,
    Ja, ich werde demnächst die Sachen vom Blauen Monster auf BY-SA umstellen. Allein schon um in der nervigen UrhG Debatte nicht bloß zu labern sondern auch zu handeln. Danke an John und die Broschüre, die ich nochmal in Ruhe durchgelesen habe.

    Reply

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