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SR Netzmusik 08/16: Hi-Five! (EardrumsPop), Imaski (Establishment Rec.), C-Doc: “Quit” (blocsonic)

(Erstveröffentlichung dieses Artikels im Stadtrevue KölnMagazin, Ausgabe August 2016 – bitte kauft oder abonniert die Print-Ausgabe, wenn Ihr eines der ältesten, unabhängigen Stadtmagazine Deutschlands unterstützen wollt).

Diverse: Hi-Five! (eardrumspop.com) Download

Erinnert sich noch jemand an Twee? Jene leicht süßliche Variante des Indiepops, die ihren Anfang in der 80ern mit der Veröffentlichung des mittlerweile legendären C86-Samplers der britischen Musikzeitschrift NME nahm, in den 90ern Ihren Höhepunkt fand, später immer weiter zerfaserte, und der schließlich Größen wie Brillant Corners, Magnetic Fields oder Pastels zugerechnet wurden?

Wie dem auch sei: Nachdem das alles nun schon ein Weilchen abgeebbt ist, haben sich diverse Netlabels des Genres angenommen. Eines davon ist EardrumsPop, gemacht von vier Leuten, die nur beim Vornamen genannt werden wollen und sich wie so oft über den europäischen Kontinent verteilen. Gestartet wurde das Label von Knut, der zunächst drei “Seasonal Compilations” veröffentlichte und mit der vierten, “Between Two Waves”, einen kleinen Erfolg einfuhr. Großen Wert legt das Labelteam, das zum Teil aus professionellen Illustratoren besteht, aufs Design und, ja, die liebevoll gestalten Cover heben sich wohltuend vom Netlabel-Einheitsbrei ab. Mit dem vor kurzem erschienenen, neuerlichen Sampler „Hi-Five!“ wird das fünfjährige Jubiläum des Labels gefeiert. Obwohl man die 38 (!) Songs im Grunde gut durchhören könnte, empfehlen wir die Rezeption in geringer Dosierung (Überzuckerungsgefahr).

Imaski: s/t (establishmentrecords.bandcamp.com)

Noch in der vorletzten Kolumne berichteten wir über Peter Kirns Projekt “Alchemic Harm” – und kommen nicht umhin nun schon wieder auf eine neue Veröffentlichung des umtriebigen Bloggers, Musiktechnologen und Musikers hinzuweisen, die auf seinem frisch gestarteten Label Establishment Records erscheint. Von ihm als ‚flirtatious, techno-tinged hyperreal pop’ bezeichnet, hören wir nervösen, samplebasierten wie von Androiden programmierten Techno, der, gekoppelt mit den parallel veröffentlichten Videos der Filmemacherin Anna Maria Olech, in der Tat heftigst “flirtet“ – und zwar mit Euch. Unbedingt ansehen. Und anhören.

P.S.: Establishment Records ‘is a new outlet from CDM (createdigitalmusic.com) supporting cross-genre and trans-media releases’ – sieht man, oder?!

C-Doc: “Quit” (blocsonic.com)

Obwohl nach recht konventionellen Downtempo-Mustern gestrickt hat es uns diese frisch veröffentlichte Maxi angetan – vermutlich ob eines schlichten Tricks des Produzenten, der angibt, das Werk sei eine Hommage an seinen Lieblingsfilm “Blade Runner“. Mal abgesehen davon, dass sowas bei uns als Science-Fiction-Fans meistens funktioniert, schafft es C-Doc durch clevere Arrangements und die Verquickung geschickt eingestreuter Dissonanzen mit gefälligeren Flächen spielend, die gewünschte Atmosphäre zu erzeugen. Am “Netlabel Day“, 14. Juli 2016 erschien nicht nur das volle Album von C-Doc. Blocsonic, das freundliche Netlabel aus Maine, USA, hat an diesem Tag noch einiges mehr veröffentlicht und und die “samplePack series“ mit CC-BY-lizenzierten, also frei verwendbaren Samples seiner Künstlerinnen und Künstler, gestartet.

“Bluehlicht” – überarbeitete version

OvalDNA

OvalDNA. Photo: CC BY-SA M. Trovatello

Eine überarbeitete Version des Tracks ‘Bluehlicht’, den ich im vergangenen Jahr schon einmal auf Soundcloud veröffentlicht hatte. Er ist Teil eines Mini-Albums, das irgendwann in 2015 erscheinen wird. Ich hoffe über Weihnachten die letzten Tracks fertigstellen zu können. Der dem Track zugrundliegende Loop stammt von OvalDNA, mit freundlicher Genehmigung von Barry Threw (“samples in OvalDNA are completely free to use”).

C3S: Der Countdown für die neue Musikverwertungsgesellschaft läuft (Interview mit Wolfgang Senges)

Crosspost des Artikels für Netzpiloten.de vom 28.11.2013 (Text lizenziert unter Creative Commons CC-BY-NC-SA DE)

Im September 2013 wurde aus der Initiative C3S – kurz für Cultural Commons Collecting Society – die Europäische Genossenschaft C3S mbH. Über 1700 Crowdfunder brachten knapp 118.000 Euro zusammen, die Gründerinnen und Gründer nochmal 31.000 Euro – jetzt aber läuft der Countdown: Bis 31.Dezember 2013 muss die Verwertungsgesellschaft nochmal 70.000 Euro aufbringen, um die vom Land Nordrhein-Westfalen in Aussicht gestellte Förderung von 200.000 Euro zu bekommen. Ein Interview mit Wolfgang Senges, einem der beiden CEOs und Leiter Business Development der C3S, von und mit Marco Trovatello.

Erstmal Glückwunsch zu Eurem großen Erfolg – und eine kurze Bilanz: 1786 Crowdfunder haben 117.758 Euro aufgebracht und 50 Gründerinnen und Gründer haben nochmal 31.000 Euro Startkapital draufgepackt. Am 25. September 2013 habt Ihr die Europäische Genossenschaft Cultural Commons Collecting Society SCE mbH offiziell ins Leben gerufen. Jetzt aber tickt die Uhr: Bis 31.12. dieses Jahres müsst Ihr, nach Abzug der Kosten Eures Crowdfunding-Dienstleisters Startnext, nochmal 70.000 Euro aufbringen. Nur dann erhaltet Ihr die in Aussicht gestellte Förderung des Landes NRW, die sehr wichtig für Euch ist. Nur mit dieser Finanzierung werdet Ihr ein Kernelement Eurer neuen Verwertungsgesellschaft umsetzen können: Ein genaues Abrechnungsmodell, das gewissermaßen der Gegenentwurf zum häufig auf Schätzungen basierenden Modell der bisher einzigen deutschen Musikverwertungsgesellschaft , der GEMA, ist. Wie wollt Ihr das fehlende Geld innerhalb des kurzen Zeitraums aufbringen?

Wolfgang Senges

Wolfgang Senges, CEO der Cultural Commons Collecting Society C3S. Credit: Barbara Senges, CC-BY-NC-SA.

Danke für den Glückwunsch! Und richtig, wir haben bis Ende des Jahres – wegen der Feiertage besser früher – eine relativ große Lücke von gut 70.000 Euro zu füllen. Deshalb geht’s jetzt in den Endspurt.. Wir brauchen die Restfinanzierung, denn nun verdoppelt das Land NRW wirklich jeden Euro, den unsere Unterstützer und wir bisher aufgebracht haben. Auch müssen wir unsere Kosten weiter runterschrauben – in einem Blog-Eintrag haben wir das mal im Detail dargestellt.

Was also gibt es zu tun? Wir haben uns für ein von uns so genanntes “Flashfunding” entschieden, das schon äußerst gut angelaufen ist. Es gibt nur drei Optionen zur Auswahl: Spende, T-Shirt kaufen, Mitglied werden – und es dauert nur zwei Wochen. Vor allem aber nutzen wir keine externe Plattform wie bspw. Startnext, da wir gegenüber unseren Mitgliedern keine weiteren Kosten für einen Crowdfunding-Dienstleister verantworten können. Und wir brauchen das auch nicht, da wir in der Zwischenzeit genügend Menschen allein über unsere Community erreichen. Das war früher anders.

Was passiert, wenn Ihr es nicht schafft, das fehlende Geld aufzubringen?

Wir haben zwar mittlerweile die Zusage des Lands Nordrhein-Westfalen, dass wir auch bei Nicht-Erreichen unserer 200.000 Euro eine Förderung erhalten. Aber eben auch nur in der Höhe der Eigenmittel, die wir nachweisen können. Und, wie man sich vorstellen kannst, ist es schon ein Unterschied, ob wir im kommenden Jahr eine Finanzierung von 130.000 Euro + 130.000 Euro erhalten, oder eben von 200.000 Euro + 200.000 Euro. Der Unterschied macht bei weitem mehr als eine volle Stelle aus. Weniger Entwickler heißt weniger Technik. Weniger Technik heißt: Wir können möglicherweise die Anforderungen zur Zulassung als Verwertungsgesellschaft nicht erfüllen.

Genau. Man darf nicht außer Acht lassen, dass Ihr bisher nur die Europäische Genossenschaft C3S gegründet habt und das große Ziel, die Zulassung als Verwertungsgesellschaft durch das Deutsche Patent- und Markenamt, für die Ihr Beachtliches an Vorarbeit leisten müsst, noch aussteht. Außerdem muss die Satzung der frisch gegründeten Cultural Commons Collecting Society SCE mbH geprüft werden, erst danach erfolgt die Eintragung ins Amtsregister. Was bedeutet das genau und wann kann man mit einer Anerkennung der C3S als Societas Cooperativa Europaea (SCE) rechnen?

Wir hoffen, dass es zügig geht. Es ist ja nicht nur die Satzung, die geprüft werden muss. Wichtiger ist im Grunde der Geschäftsplan. Es sind die Geschäftszahlen und die Personalentwicklung, die wir zur Prüfung eingereicht haben – von 2014 bis einschließlich 2016. Diese Prüfung durch den Genossenschaftsverband ist ein wenig als Testlauf für die Zulassung als Verwertungsgesellschaft zu betrachten. Die Prüfer bescheinigen uns mit dem Bestehen, dass unsere wirtschaftliche Planung realistisch und tragfähig ist. Diese Prüfung wird bei Genossenschaften übrigens jedes Jahr wiederholt, so dass den Mitgliedern kein böses Erwachen droht.

Wenn das Deutsche Patent- und Markenamt dagegen unseren Antrag auf Zulassung als Verwertungsgesellschaft prüft, geht es neben dem Wirtschaftlichen auch und im Speziellen um die Aspekte, die für eine Verwertungsgesellschaft zählen: Wie sieht das Repertoire aus: Sind Urheber bzw. Werke vertreten, die ausreichend Umsatz generieren? Kann die C3S feststellen, wenn ein nicht-lizenzierter Einsatz eines Werks stattgefunden hat? Werden die Interessen der Urheber angemessen vertreten? Kann die C3S Mitglieder und Repertoire verwalten?

Es ist enorm wichtig für uns, dass die Prüfung durch den Genossenschaftsverband rasch geschieht. Denn: Wir haben aus dem Crowdfunding erst Teile der Einnahmen – die aus Spenden und durch Rewards – erhalten. Heißt: Etwa 30.000 Euro haben wir bisher über die Crowdfunding-Plattform Startnext erhalten, auf weitere 16.000 Euro eines Startnext-Partners warten wir – Stand 25.11.2013 – noch. Das Geld aus den Anteilen aber (knapp 70.000 Euro) liegt so lange bei Startnext als unserem Treuhänder, bis wir beim Amtsgericht registriert sind, das heißt also bis die Prüfung durch ist. Die komplette Summe brauchen wir aber für die Bewilligung der Förderung. Und das muss bis Ende des Jahres geschehen.

Kannst Du uns etwas über das Leitungsgremium der C3S erzählen? Wer übernimmt welche Aufgaben und welches sind die Führungspersönlichkeiten?

Das Leitungsgremium der C3S ist der Verwaltungsrat. Der Verwaltungsrat wurde bei der Gründungsversammlung gewählt und ging zum größten Teil aus dem Kern-Team hervor. Wir sind elf Team-Mitglieder und teilen uns die fachlichen Zuständigkeiten. Danny Bruder übernimmt das Künstlernetzwerk, das heißt er hält als Musiker und Produzent die Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen und baut das Netzwerk beständig aus. Außerdem ist er als Sprecher der C3S aktiv. Sven Scholz, Schlagzeuger der Band Singvøgel, leitet die Kommunikation nach außen wie beispielsweise Blog und Social Media. Tanja Mark steuert das Marketing. m.eik michalke ist einer unserer Sprecher und zuständig für (Kultur-)Politik, aber auch für Aktivitäten im Bildungsumfeld. Christoph Scheid trägt die Verantwortung für die IT-Leitung und die technische Entwicklung. Florian Posdziech ist zuständig für die Web-Entwicklung und Web-Administrierung. Zudem ist er gemeinsam mit Sven zuständig für den Twitter-Kanal. Jurist Meinhard Starostik ist Sprecher und zuständig für Fragen des Wirtschaftsrechts und Rechnungswesens. Veit Winkler, der in Graz lebt, hat die Aufgaben der internen Organisation, aber auch die Koordination internationaler Teams übernommen. Veit ist zudem auf unserer Facebook-Page aktiv. Holger Schwetter kümmert sich um Förderungs- und Finanzierungsmöglichkeiten, ist aber als Musikwissenschaftler und Musiker (u.a. Von Korf) auch für die Forschung und auch als Sprecher der C3S zuständig. Michael Weller, Geschäftsführer der Europäischen EDV-Akademie des Rechts EEAR gGmbH, leitet das Fachgebiet Urheberrecht. Ich selbst schließlich bin für Geschäftsentwicklung und Partnerschaften verantwortlich.

Als Geschäftsführende Direktoren wurden m.eik michalke und ich gewählt. Meinhard Starostik ist als Verwaltungsratsvorsitzender und Danny Bruder als sein Stellvertreter gewählt worden.

Im Pressebereich werden wir übrigens zusätzlich unterstützt von Lars Sobiraj (früher bei Gulli), der auch für die Netzpiloten schreibt. In Österreich vertritt uns Joachim Losehand als Ansprechpartner. Beide sind nicht Mitglied des Verwaltungsrats.

Kommen wir zu einem weiteren Kernelement Eurer Strategie, den Lizenzen. Abgesehen von der Tatsache, dass Ihr die ganze Spannbreite der Lizenzierungen – von der Creative Commons Maxime „Some Rights reserved“ bis „All Rights reserved“ – unterstützen werdet: Was unterscheidet Euch im Wesentlichen von GEMA?

Die C3S sieht für jedes nutzende Mitglied, also für jeden Kreativen das gleiche, volle Stimmrecht vor. Es ist gleichgültig, wie hoch die Einnahmen eines Mitglieds sind oder wie viele Anteile man zeichnet: Jeder hat genau eine Stimme – wenn seine Rechte durch die C3S wahrgenommen werden und er Mitglied ist. Erben oder Verlage haben daher kein Stimmrecht, anders als in der GEMA.

Wichtig ist uns, dass sich jeder, der irgendwo mit Musik zu tun hat, an der Gestaltung des Konzepts beteiligen kann. Wenn Arbeitsabläufe zur Lizenzierung oder zum Einsatz von Musik entwickelt werden sollen, müssen Urheber, Künstler, Musikindustrie und Musikhörer daran beteiligt sein. Sonst erhält man keine realitätsnahen Lösungen. Genau diese beratende Aufgabe kommt fördernden Mitgliedern zu. Die Entscheidung über die Umsetzung der Entwürfe liegt dann aber wieder beim Urheber alleine. Nach der Umsetzung müssen wiederum Tarife verhandelt werden.

Wechsel- und Austrittsfristen werden bei uns kürzer sein. Wenn es darum geht, die Rechte eines Werks nicht weiter von der C3S wahrnehmen zu lassen oder auszutreten, dann orientieren wir uns an der Praxis und am technisch Machbaren. Momentan gehen wir davon aus, dass ein Stück mindestens ein Jahr bei uns bleibt. Gleiches gilt für die Mitgliedschaft. Länger sollte es nicht sein. Das wäre unpraktikabel und behindert den Künstler unnötig. Kürzere Fristen sind ungünstig, weil Lizenznehmer möglicherweise den Überblick verlieren, welche Lizenz denn nun gültig ist – aber auch hier schaffen wir Überblick, indem die Registrierung des Stücks bei uns bestehen bleibt. Die Versionsgeschichte der Lizenz muss ständig einsehbar sein. Die Austrittsfristen könnten – je nach Beschluss der Generalversammlung – nach der Anfangsphase der C3S auch verkürzt werden.

Wie geht Ihr mit der Tatsache um, dass Creative Commons-Lizenzen irreversibel sind? Heißt: Was macht Ihr, wenn sich ein Künstler nach einer gewissen Zeit bei Euch dazu entscheidet, seine über Euch lizenzierten Stücke nicht mehr unter CC-Lizenz zu veröffentlichen bzw. wie wirkt ihr dem entgegen? Von vorneherein, durch Aufklärung bzgl. der irreversiblen Natur der Lizenz?

Es ist nicht an uns, die Definition der Lizenz zu verändern. Egal welcher. Wir schreiben nicht das Urheberrecht und wir definieren auch keine CC-Lizenzen. Wir können allenfalls darauf hinweisen, dass eine CC-Lizenz auf ein Werk nicht aufgehoben werden kann. Es ist, so sehe ich es zumindest, ein Nachteil der CC-Lizenzen. Soweit mir bekannt, ist selbst Lawrence Lessig (Gründer von Creative Commons, Anm. des Autors) damit nicht glücklich. Und es ist nicht zuletzt ein Grund dafür, daneben auch „All Rights Reserved“-Lizenzen zu ermöglichen – für andere Stücke des Urhebers.

Kurz: Wer sein Stück unter Creative Commons veröffentlicht, der muss dabei bleiben. Was dagegen möglich ist, das ist die Änderung der CC-Lizenz zu einer weniger restriktiven CC-Lizenz.

Wie geht es mittel- bzw. langfristig weiter?

Langfristig möchten wir – deswegen haben wir uns als Europäische Genossenschaft gegründet – auch in anderen Ländern tätig werden. Der Unterschied zur GEMA: Wir werden im besten Fall keine Gegenseitigkeitsverträge mit anderen Verwertungsgesellschaften anderer Länder benötigen, sofern sie innerhalb Europas liegen. Das bedeutet: keine Reibungsverluste, keine verzögerten Zahlungen, gleiche Abrechnungssysteme. Bereits nach Zulassung in Deutschland können Urheber aus dem Ausland der C3S ihre Werke zur Rechtewahrnehmung in Deutschland übertragen. Deshalb freuen wir uns über die jetzt schon vorhandenen Mitglieder in Österreich, Frankreich, Großbritannien, Irland und der Schweiz.

Was genau hat es mit den verzögerten Zahlungen auf sich?

Bei einer weitgehend exakten und automatisierten Abrechnung ist ein Fast-Echtzeit-Konto für Mitglieder möglich. Die Meldungen über Lizenzierungen und Aufführungen gehen ein und sind in meinem Künstler-Konto abrufbar. Mehr noch: Als Musiker sehe ich, wo ich mit welcher Strategie ansetzen kann, wo ich mit Erfolg Konzerte veranstalten kann, wo Marketing notwendig ist. Das ist ein Punkt der Transparenz, der vielen Musikern in ihrer GEMA-Abrechnung fehlt. Abgesehen davon, dass wir ständig hören, dass die Zahlungen der GEMA lange auf sich warten lassen – teilweise länger als ein Jahr.

Die C3S wird dem Urheber die Freiheit geben, die er braucht, um seine Strategien umzusetzen – gleichgültig, ob er einzelne Tracks zu Benefizzwecken von Lizenzgebühren befreien will oder sie zwecks Marketing anders veröffentlichen möchte als das Gros seiner Werke. Und den Musikmarkt wird die C3S erweitern, indem sie neue Geschäftsansätze und Lizenzierungsmodelle fördert.

Letzte Frage: Plant Ihr für die Zukunft Allianzen? Wenn ja mit wem?

Es gibt bereits Allianzen. So arbeiten wir schon jetzt gemeinsam mit younison.eu, die Lobby-Arbeit für Musiker auf europäischer Ebene betreiben. Ebenso werden wir unterstützt von SafeCreative, Registered Commons, CommonsMachinery und dem Free Music Archive. In Deutschland arbeiten wir im Austausch mit der all2gethernow, die die ursprünglichen Initiatoren der C3S zusammengeführt hat. Organisatorisch und in der Unternehmensplanung werden wir unterstützt vom Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien hmtm Hannover. Mit weiteren Unternehmen und Verbänden sind wir im Gespräch.

Wolfgang, vielen Dank für das ausführliche Gespräch.

Gerne – ich danke Dir.

CC im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Ein kurzer Überblick

Creative Commons logoIn Zusammenhang mit dem in dieser Woche erfolgten Neustart der Space Night habe ich sowohl für meinen diesbezüglichen Blogartikel als auch für die Stadtrevue-Netzmusik nochmal zusammenrecherchiert, welche Sender bzw. Redaktionen im deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit Creative Commons-Lizenzen arbeiten.

Dradio Breitband
Nutzt überwiegend freie, unter Creative Commons lizenzierte Musik. Die Sendung selbst wird im Footer mit “© Deutschlandradio” gekennzeichnet.

RBB Radio Fritz Trackback
Nutzt ebenfalls überwiegend freie, unter Creative Commons lizenzierte Musik. Die Sendung bzw. der Podcast steht unter Creative Commons CC-BY-NC-ND-Lizenz (siehe Beispiel – danke Marcus Richter)

ZDFinfo Elektrischer Reporter
Komplette Sendung steht unter Creative Commons (CC-BY-NC-SA)-Lizenz, siehe Impressum.

BR Quer
Bestimmte Beiträge werden seit April 2011 unter Creative Commons (CC-BY-NC 3.0 DE) lizensiert.

NDR Zapp und Extra 3
Bestimmte Beiträge werden unter Creative Commons CC-BY-NC-ND lizenziert. Hier hat Meike Richter aufgeschrieben, warum der NDR das macht. (Danke Henning)

BR Space Night
Nutzt seit Februar 2013 überwiegend Creative Commons-lizenzierte und weitere gemafreie Musik – mehr hier.

#ZDFcheck- Der Faktencheck von heute.de in Zusammenarbeit mit Wikimedia
Nutzt für alle neu erstellten Texte der Microsite der Sendung die Creative Commons CC-BY-Lizenz:

Alle für die Microsite des ZDF neu erstellten Inhalte werden von den Rechteinhabern unter der Lizenz Creative Commons Attribution (CC-by) 3.0 Unported lizenziert, die eine Nachnutzung für jedermann erlaubt. Das gilt für alle neu erstellten Texte, Grafiken und Videos. Ausgenommen sind Inhalte aus dem Archiv des ZDF und von anderen Medien, die zur Verdeutlichung eines Themas beigestellt werden. (…) Quelle: zdfcheck.zdf.de/faq/

(Danke Fiete Stegers)

Update, 27. Oktober 2013

DRadio Wissen
Die Rubrik Wissensnachrichten steht komplett unter Creative Commons CC-BY-NC-ND:

DRadio Wissen stellt die Wissensnachrichten unter die Creative-Commons-Lizenz. Es ist gestattet, diese Nachrichten zu nichtkommerziellen Zwecken ohne Änderungen und unter Nennung des Urhebers weiterzuverbreiten. Dazu gehört auch die Einbindung in eigene Web-Seiten. (Quelle: DRadioWissen.de)

Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Dann teilt es mir bitte über die Kommentarfunktion mit – danke!

Space Night: Es geht weiter …

Der Bayerische Rundfunk hat mir freundlicherweise gestattet, die Sendedaten der neu vertonten Space Night-Folgen zu kommunizieren. Momentan laufen ja in buntem Mix alte Earthviews-Folgen, teils neuvertont mit klassischer Musik des BR-Symphonieorchesters, teils die bereits bekannte Folge mit CC-Musik.

Wenn ich jetzt also richtig liege bin, sollte die erste von drei neuen, mit Creative Commons und weiterer, GEMA-freier Musik vertonte Folge am – Tusch! – 2. Juni 2013 laufen, Wiederholung dann am 7. Juni 2013, jeweils eine weitere neue “GEMA-freie” Folge dann am 15. und 16. Juni 2013. Natürlich kann es immer die ein oder andere Programmänderung geben.

Space Night. Quelle/Copyright: Bayerischer Rundfunk / ARD.

Space Night. Quelle/Copyright: Bayerischer Rundfunk / ARD.

P.S.: Space Night Website sowie Playlists wurden noch nicht entsprechend aktualisiert.

Roland Graffé: Das komplette Interview (Stadtrevue Netzmusik #7 Spezial)

Machtdose-Macher Roland Graffé. Bild: Privat.

Machtdose-Macher Roland Graffé. Bild: Privat.

Für die aktuelle Episode der monatlichen Kolumne ‘Netzmusik‘ der Stadtrevue habe ich ein längeres Interview mit Roland geführt. Wie üblich poste ich hier das komplette Interview.

Roland, Deinen Podcast Machtdose gibt es bereits seit über sieben Jahren – er dürfte damit einer der am längsten existierenden Netaudio-Podcasts aus Deutschland sein. Irgendwelche Ermüdungserscheinungen? Oder können wir darauf hoffen, dass es Machtdose noch lange gibt?

Ermüdungserscheinungen gibts durchaus manchmal, aber eher selten. Dann mach ich halt mal nen Monat Pause wie gerade diesen Januar, ich hab einmal auch schon oder vier Monate pausiert, aber das sind wirklich totale Ausnahmen. In der Regel hab ich Spaß dran und ich denke mal, es wird noch eine Weile so weitergehen.

Hat sich Dein Konzept, den Podcast von Beginn an nur auf Englisch anzubieten, bestätigt? Konntest Du Dir damit die – wahrscheinlich gewünschte – breite, internationale Hörerschaft erschließen?

Ich habe ja gar nicht auf Englisch angefangen, sondern im ersten Jahr auf Deutsch moderiert. Das schien mir aber nicht mehr adäquat, da eben die Netaudiowelt international ist wie das ganze Internet und das gerade eine der Dinge ist, die mich auch daran besonders interessieren. Also habe ich auf Englisch – trotz sagen wir mal eher limitierender Ausdrucksweisen – umgestellt. Ich “tracke” meine Zuhörer:innenzahlen nicht sonderlich, so dass ich dazu kaum qualifizierte Aussagen machen kann, die kümmerlichen Soundcloud-Statistiken (die nur die Streams, nicht aber Downloads zählen) geben aber an, dass das Gros immer noch aus Deutschland ist und knapp die Hälfte der Zuhörenden ausmacht.

Vor gut zweieinhalb Jahren hat Christian Grasse Dich für DRadio Wissen interviewt – mich interessiert, inwiefern sich die Dinge für Dich verändert haben oder auch nicht. Die durch die Lofi-Produktion Deines Podcasts geprägte Authentizität ist in jedem Fall geblieben. WIe aber sieht es aus in Bezug …

….auf das Verbesserungspotenzial von Netlabels in puncto Benutzerfreundlichkeit – hat sich da etwas getan?

Seitdem hat sich meiner Meinung nach schon einiges geändert. Mir scheint, das Konzept “Netlabel” ist weniger attraktiv für Künstler geworden, auch wenn Sie durchaus frei verfügbare Musik übers Netz bereitstellen wollen. Das machen sie dann aber häufig einfach selbst, z. B. über Plattformen wie Bandcamp, Soundcloud oder Jamendo.

Der Trend geht also für mich deutlich zum Selbstkämpfertum, das finde ich persönlich ein bisschen schade, da ich mit “Label” nicht nur bestimmte Distributionsmöglichkeiten, sondern eben auch gemeinsame Haltung, ästhetisches Programm usw verbinde. Ist aber vielleicht schlicht der Gang der Dinge, wenn Selbstpromotion für Künstler generell immer wichtiger wird.

Die bestehenden und neu entstehenden Labels (gibts ja natürlich immer noch zuhauf) schwenken übrigens auch auf die genannten Plattformen über, weil sie wahrscheinlich eine günstige Infrastruktur für Hosting / Abrechnungsmöglichkeiten usw. zu bieten scheinen. Hier hat man dann teilweise hübsche Diskrepanzen z. B. bei Lizenzierungsangaben, einfach weil nicht genau hingesehen wird (Auf Labelseite wird CC-Lizenz angebeben, auf Bandcamp dann aber copyright by owner o. ä. – was sich ja nicht mal widersprechen muss, aber eben doch Verwirrung stiftet. Wenn ich schon Angaben zu den Benutzungsmöglichkeiten mache, sollten diese möglichst konsistent angeboten werden.)

Flash ist ja hoffentlich bald mal verschwunden.

Eher nicht so schöne Tendenz: es wird immer beliebter, keine Einzeltitel anzubieten zum Download, sondern nur ganze Alben. Für mich persönlich nicht so gut – und ich kann auch nicht so ganz nachvollziehen, was das für einen Vorteil für die Labels haben soll, wenn ich mir nur Komplettreleases runterladen kann.

Es gibt also noch genug zu meckern :)

… Deine skeptische Haltung zu Netlabels, die die DIY-Kultur aufgeben, sich in Richtung traditionelles Label ‘weiterentwickeln’ und Geld verdienen wollen?

Ich stehe der Tendenz gar nicht so skeptisch gegenüber, glaube nur, dass der Komplettswitch sehr schwierig ist. Die Tendenz hat meiner Wahrnehmung nach auch wieder nachgelassen. Allenfalls wird nach ergänzenden Verdienstmöglichkeiten gesucht.

Interessanterweise gibt es eine vielleicht gegenläufige Tendenz. Auch die CC-Lizenzierung scheint mir nachzulassen. Mittlerweile werden häufiger “einfach so” Freie Downloads von den Musiker:innen als auch Netlabels selbst angeboten, ohne dass man sich der CC-Lizenzen bediente. Die Gründe sind hier wahrscheinllich vielfältig. Ein möglicher Grund könnnte sein, dass das Verbreiten im Vordergrund steht, mögliche rechtliche Implikationen aber erst einmal nachrangig sind. Ist aber nur ne Vermutung.

Ist die Professionalisierung, von der im o.g. DRadio Wissen-Beitrag die Rede ist, auch bei den Netlabels, die weiterhin existieren und nicht kommerziell arbeiten bzw. Freie Musik anbieten, eingetreten? Wenn ja: Könntest Du ein paar Beispiele nennen?

Es gibt und gab einfach sehr gut arbeitende Labels und die “funktionieren” auch prima.  Aus den letzten Jahren sicher als wichtiges zu nennen ist Bad Panda Records, die einfach sehr spannende, abwechslungsreiche Musik unter dem Motto “One Song every Monday” präsentieren, ihre Künstler in interessanter Weise vorstellen und unterstützen und auch eine große Hörer:innenschaft haben mittlerweile – da kann man sich wirklich auf jeden Wochenanfang freuen: http://badpandarecords.wordpress.com/

Ich freue mich (obwohl die Musik da nicht mal so übermäßig was für mich persönlich ist), wenn sich  bei einem Label wie subbass http://subbass.blogsport.de/ wie mir scheint wirklich eine Genre-Szene zusammenfindet und eben ihr Dubstep-Dings macht, da kann man dann schon einen ganz guten Einblick in die musikalischen Entwicklungen bekommen.

Auf Künstlerseite ist durch Crowdfunding auch vereinzelt schon recht Bemerkenswertes entstanden (zuletzt etwa bin ich auf Toussaint Morrison gestoßen, der seine letzten 3 Alben über Vorfinanzierung per Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat verwirklichen können, http://toussaintmorrison.bandcamp.com/ + http://www.kickstarter.com/projects/toussaintmorrison/toussaint-morrison-mixtape-30

Gibt es aus Deiner Sicht immer noch zu wenig Blogs, Podcasts, Online-Magazine, die die Netlabelszene analysieren, sortieren und Gutes von Schlechtem trennen? Tatsächlich sind viele der – zufällig von mir beim Recherchieren gefundenen – Websites auf http://machtdose.de/netlabels tot …

Ja, diese Seite, die will ich schon seit zwei Jahren überarbeiten, weil sie schon seitdem hoffnungslos veraltet ist.

Es gibt mittlerweile schon einiges mehr, nicht unbedingt Netlabels, aber schon beim Drumherum. Seiten wie netlabelism http://netlabelism.com/ , die im Magazinformat Veröffentlichungen vorstellen. Podcasts / Blogs wie http://www.tonmagnet.de/ , die über Interviews und Hintergrundberichte sozusagen aus der Szene berichten. International etwa der wie ich finde sehr interessante Podcast Music Manumit http://www.musicmanumit.com/ , der ähnliches macht und entsprechend Projekte und Leute vorstellt, die mit Netaudio auch im weiteren Sinne zu tun haben.

Manchmal habe ich den Eindruck, das Machtdose Blog und Podcast heutzutage ein wenig nebeneinander her existieren – stimmt das?

Das war eigentlich ehrlich gesagt nie wirklch anders. Denn das Blog wird hauptsächlich mit Artikeln befüllt durch Gregor, während ich außerdem Podcast so gut wie nichts inhaltlich mache. Gregor hat dann vor ca. ein bis zwei Jahren auch damit angefangen, das meiste in Englisch zu präsentieren, aber natürlich ist es schon so, dass es bei ihm eher um Kunst und Musik im Allgemeinen geht, also kein Schwerpunkt auf frei verfügbare Musik  o. ä. hat – nicht, dass er daran kein Interesse hat, aber es ist eben nicht sein wirkliches Thema.

Bei mir ist es so, dass ich es zeitmäßig gerade so einigermaßen hinbekomme, den Podcast zu machen, der inklusive Recherche und Produktion dann so ca. 20 Stunden im Monat in Anspruch nimmt. Mehr ist für die Machtdose dann realistischerweise nicht drin.

Wie würdest Du – in wenigen Sätzen – den Status Quo von Netaudio beschreiben?

Es gibt immer noch sehr viel Netaudio und auch vieles zu entdecken. In gewisser Weise ist durch Tendenzen wie zuvor beschrieben der Weg zur Fragmentisierung noch weiter gegangen, was mir aber auch ein entsprchende Begleiterscheinung der “Demokratisierung” von Musik zu sein scheint. Auch scheinen sich die Frage der freien Distribution etwas “egaler” zu werden, so nach der Art: kriegt man ja doch alles irgendwie umsonst (zumindest zum Anhörn, siehe entsprechende Streamingdienste usw.) das merkt man daran, dass es z. B. auch Youtube-Channels und vereinzelte Blogs gibt, die sowohl klassisch-kommerzielle wie auch Netaudio-Musik vorzustellen.

Die schiere Anzahl von (auch guter) Musik ist immer noch gewaltig, aber es gibt wahrscheinlich tendenziell weniger “Konzentrationen”, dafür vielleicht immer mehr ausdifferenzierte Subszenen.

Wie es eine schöne Abwandlung des durchgenudelsten Warholzitats ever beschreibt, die ich irgendwo mal las: “In the future everyone will be famous for 15 people”.

Vielen Dank für das Interview!

Netzmusik: Small Colin – Tape Productions (rec72)

(Die Originalversion dieses Artikels ist im Stadtrevue-Blog in der Rubrik ‘Netzmusik’ erschienen)

Small Colin aka Colin Sweeney

Small Colin aka Colin Sweeney

Über das Kölner Netlabel rec72 berichteten wir ja bereits zum Auftakt der Netzmusik-Kolumne im vergangenen September und anläßlich des fünften Label-Geburtrstags. Vergangene Woche kommt Marco Medkours Label erneut mit einem wunderschönen Release um die Ecke, das ich Euch hier – schnell und außer der Reihe – nicht vorenthalten will: ‘Tape Productions’ von Colin Sweeney aka Small Colin ist eines der schönsten Alben dieses noch jungen Netaudio-Frühlings. Bereits der Opener ‘Red Wine’ hat nicht nur großes Ohrwurm-Potenzial – es ist sogar ein richtiger Hit:

Das Free Music Archive, das wir neben vielen anderen empfehlenswerten Podcasts, Blogs und Netzines in der nächsten (Print-)Episode der Stadtrevue-Netzmusik vorstellen werden, kategorisiert Colins Musik unter Electronica, Ambient, Downtempo – doch das wäre hier viel zu kurz gegriffen. Immer wieder mischt sich die E-Gitarre ins Geschehen ein und verleiht seiner Musik, zusammen mit eingängigen Akkordfolgen und seinem gelegentlich zum Einsatz kommenden, schüchtern-zurückhaltenden Gesang echte Popelemente, die dann sogleich wieder konterkariert werden.

Analoges Taperauschen als künstlerisches Stilmittel

HInzu kommt die wunderbare Produktion. Tape Productions – der Name ist Programm. “Boah rauscht das” hätte man im prä-digitalen Zeitalter gesagt. Heute empfinde ich das analoge, deutlich wahrnehmbare Rauschen unter den Tracks einfach nur schön. Colin dazu: “Ich arbeite normalerweise ausschließlich mit Ableton Live, doch dieses Mal habe ich mich dazu entschieden, zusätzlich auch noch mit Bandaufnahmen zu arbeiten, so wie früher, als ich noch mit einem Tascam-4-Spur-Rekorder gearbeitet habe. Ich habe die Sachen also immer noch mit dem Computer aufgenommen, dann aber die einzelnen Instrumentenspuren auf Band aufgenommen, um sie dann wieder zurück in den Computer aufzunehmen. Dann habe ich das Ganze wieder auf ein Stereo-C90-Tape gemastert – und es wieder zurück in den Computer gespielt, um die mp3s zu erzeugen” und fügt hinzu: “Ich liebe Bandrauschen.” Tatsächlich hört man den Tracks diese Liebe zum Produktionsdetail an, denn das Rauschen wirkt nicht ‘beigemischt’, sondern genau so authentisch, wie es aufgenommen wurde.

Small Colin - Tape Productions

Small Colin - Tape Productions

Und ja, so ähnlich wie ‘Tape Productions’ funktioniert vielleicht auch die Musik von Dntel. Doch Colin hat über nun – zählt man seine Zusammenarbeit mit Scott Buchanan aka Radio Scotvoid als Small Radio dazu – insgesamt sechs Veröffentlichungen hinweg seinen eigenen Stil entwickelt. Der ist insbesondere auf diesem Album geprägt von den heute so typischen Umständen, eben nicht mehr nur Musiker zu sein – sondern auch Arbeitnehmer, Vater, jemand, der irgendwie Familienleben, Alltag und Musikmachen auf die Reihe bekommt. Gewissermaßen ist sogar Schweden, das Land in dem Colin mit seiner Familie lebt, an der Entstehung von ‘Tape Productions’ beteiligt: Das Album nahm er während seiner Elternzeit, die im familienfreundlichen Schweden besonders großzügig ausfällt, auf. All das hört man seiner Musik an, im positivsten Sinn.

Download: Small Colin – Tape Productions (rec72, CC-BY-SA)

P.S.: Ich habe total vergessen zu erwähnen, dass das Album bzw. der Download von einer Serie digitaler Postkarten begleitet wird, die neben schönen Fotografien auch die kurzen Songtexte zeigen (siehe rechts).

Walter Benjamin: Komplettes Interview und Links (Stadtrevue Netzmusik #06)

Mit dem portugiesischen Singer-Songwriter Walter Benjamin habe ich für die aktuelle Ausgabe der monatlichen Kolumne ‘Netzmusik‘ der Stadtrevue ein längeres Interview geführt. Wie üblich poste ich hier das komplette Interview (dieses Mal in englischer Sprache), dazu die Downloadlinks seiner frei erhältlichen Releases.

Downloads

Walter Benjamin: The National Crisis (LP. Merzbau/merzcd0005 – CC-BY-NC-ND, 2008)

Walter Benjamin & Baga: Ice Cream And Swinging Lettuce (EP, Bandcamp, CC-BY-NC, 2009)

Walter Benjamin & João Correia: The Last Summer Before Our Youth (EP, Bandcamp, CC-BY-NC 2010)

Walter Benjamin: Paper Boats (Single, Bandcamp, 2011, CC-BY-NC)

Walter Benjamin, Jakob Bazora, Zachary Woolfson: Johnny & Lucy (Single, Bandcamp 2012, CC-BY-NC)

Walter Benjamin: The Dog Follows The Bull (EP, Merzbau, 2007, CC-BY-NC-ND)

Walter Benjamins aktuelles Album ‘The Imaginary Life of Rosemary and Me’ kann auf Bandcamp zwar gehört, aber nicht heruntergeladen werden, das geht nur via Amazon oder iTunes (für jeweils 7,92 Euro). Die CD kann direkt beim Label Pataca Discos bestellt werden – für faire 11 Euro. Das Album läuft unter einer CC-BY-NC-Lizenz, die die private, nicht-kommerzielle Weitergabe erlaubt.

Bevor es nun mit dem vollständigen Interview losgeht, hier noch einer der veritablen Hits, von denen ich im Artikel schreibe: ‘Airports and Broken Hearts’, einmal in der Studioversion …

… , einmal in einer Akustik-Solo-Version …

… und noch ‘High Speed Love’, beide vom Album ‘The Imaginary Life of Rosemary and Me’.

Das komplette Interview (in englischer Sprache)

I realise you license most of your albums under Creative Commons. What does legal sharing of your music mean to you? Is CC just an easy way of licensing and promoting your music or does it mean more to you?

It is a bit of both. I used to be part of a netlabel called Merzbau and we distributed music for free under CC because we were dreamers and wanted to intoxicate Lisbon’s music scene with different stuff. I personally think people should be able to sample my music and do interesting stuff with it, creation leads to more creation. CC is great because it makes distribution easier, it is what actually allowed netlabels to start releasing stuff legally.

I now started a digital label with some friends in London (www.romanroadrecords.com) and we are selling our records online, which is a different philosophy. We’re struggling to get our music out there while we have to pay a rent, food and our studio. Fun times.

The musician, not the philosopher: Walter Benjamin (Credit: Pataca Discos)

The musician, not the philosopher: Walter Benjamin (Credit: Pataca Discos)

My new album was released by an independent portuguese label, though. It’s called Pataca and they have been releasing awesome stuff, one of the bands (You Can’t Win Charlie Brown) even played SXSW recently and I use members of Julie & the Carjackers as the core of my band. Check them out!

Tell me a bit about the production of your album … to what extent has life between the diverse cities of Lisbon and London influenced you?

It has influenced me a lot, a big part of the record is about that distance. The basic tracks of the album were recorded in a beautiful analog studio in Lisbon with my drummer (João Correia), bass player (Nuno Lucas) and some other friends. We did the basic tracks there and then I brought the sessions to London where I finished overdubbing and mixing in my own small studio. It was a funny process because in Lisbon I had access to all these amazing instruments, a grand piano, a Hammond Organ, amazing guitar amplifiers, vintage drum kits, etc. and London forced me into a lot of restrictions, which is also great.

Tell me about the role your friends played with regard to the production your album and how they affected the music and arrangements.

I am very lucky and have very talented friends. My drummer and bass player are amazing musicians and the three of us laid the foundations to the songs together. They are so tight and they make it very easy to record with them. I played most of the guitars and keyboards and then invited some friends to do other stuff. I love having people around and get their creative input. Singer-songwriters Márcia and Francisca Cortesão (Minta & The Brook Trout) did some amazing vocals, Duncan Brown (Basement Jaxx’s sound engineer) and Nick Mills played horns here in London. My beautiful friend Jakob Bazora helped me a lot at the final stages of this album, we’re both trained sound engineers and I borrowed his ears countless times. I thought I was going crazy.

Besides (indie)pop references mentioned in the press release, which traditional musical influences would you name?

I am influenced by all the music, from The Beatles to The Beach Boys, from Bach to Serge Gainsbourg, The Doors, Bob Dylan, Leonard Cohen to LCD Soundsystem, Animal Collective, David Bowie and many others. And a lot of new portuguese music.

Will you continue to release music under Creative Commons with Roman Road Records – or do you, as with the Gelfin Brothers EP, return to traditional ‘(C) all rights reserved?’

That’s a good question but we’re not sure yet. I suppose it will make sense for some releases in the future and it is something we have to decide depending on every single project we release.

What do you think about the new kind of hybrid labels such as Error Broadcast (featured in an earlier episode of Stadtrevue Netzmusik) – they offer both free or so-called ‘redux’ digital downloads, but also sell physical releases on Vinyl and digipak-CD’s … something you could image with Roman Road Records as well?

Yes, for sure. I have to say that I am very interested in vinyl and do value the physical releases a lot. The problem is that we’re still operating on a very small scale and digital releases is our only viable option for now. It will also be interesting to explore the way we do our digital releases a bit more with the inclusion of videos and other extras with the download. Why not? Digital packaging could also be turned into something interesting and exciting. iTunes is quite dull on things like that. We’re operating using Bandcamp to distribute our music and it is quite cool because you can download high quality mp3 or even lossless files. It is important for us that the records sound good, we want to be a label that really cares about the sonics of our records. It doesn’t mean we don’t like lo-fi stuff though, we do.

Your professional background is sound engineer? Is this job to be understood as a ‘day job’ helping you to earn money?

I moved to London in 2008 to study sound engineering. I still do some production work in Lisbon and play there regularly but my main job is, indeed, as a sound man in London. My label friend, Jakob Bazora, is also a sound engineer and that background really helps us with the production of our records and the way we work with other artists. I also studied music so both worlds really complement each other very well.

Is ‘Walter Benjamin’ is your real name? Or am I right your moniker has something to do with the german philosopher …

I did steal the name from the german philosopher. My first gig in Lisbon was in a book shop and many people thought they were going to see this talk about the great (and real) Walter Benjamin and not just some guy with a guitar. There was me sitting with my yellow hat and singing some songs. Most people don’t seem to mind, I chose the name while I was studying anthropology in Lisbon and his story really captured me. He tried to escape from nazi prosecution. Lisbon was his destiny and from there he would be able to flee to America. He committed suicide because he wasn’t able to complete his journey. The day I chose the name I stumbled upon a book called Passenger Walter Benjamin and thought it was faith. I bought the book and here I am.

But anyway, I have to say that I used the name but not anything else. I just build a completely different character with the same name and changed the german prononciation into english. Don’t mean to explore philosophy in my songs or anything like that. I think of the name as a quote as if it was a band’s name.

Many thanks for the detailed interview, Walter!

BR bestätigt Einsatz von CC-Musik in neuer Space Night

Nun ist es offiziell. In einer Pressemitteilung bestätigt der Bayerische Rundfunk nun, dass die SpaceNight mit Creative Commons-lizensierter Musik fortgesetzt wird. Darüber  berichtet auch Isarmatrose Tobias Schwarz in seinem aktuellen Blogartikel, der zudem einen guten Überblick über die aktuellsten Ereignisse gibt. Darüber, was genau Tobias, Christian Grasse, eine mutige SpaceNight-Redaktion, ich selbst und viele andere mit dieser schönen Entwicklung zu tun haben, wurde in den letzten Wochen ja viel gebloggt, getwittert und sonstwo gepostet.

Bild: Bayerischer Rundfunk.

Bild: Bayerischer Rundfunk.

Es ist somit an der Zeit, sich einfach nur zu freuen. Zwar ist in der BR-Presseinformation momentan nur von einem “Test” die Rede. Wenn jedoch einmal Fakten geschaffen sind – und zwar mit der ersten Folge in der Nacht von Montag auf Dienstag kommender Woche (heißt, Dienstag, 26.02.2013, 03:00 bis 06:00 Uhr) – wird es, so hoffe ich, ähnlich wie bei einem anderen öffentlich-rechtlichen Vorreiterformat laufen, nämlich dem unter CC-lizensierten Elektrischen Reporter, der momentan (wenn ich richtig liege) bereits in der dritten Staffel läuft.

20 Tracks verschiedenster Stilrichtungen, darunter meinen Infos nach einige mehr oder bekannte, aus Deutschland stammende Netlabels, werden für die erste, neuvertonte Folge der Space Night zum Einsatz kommen.

Also: Entweder Montag auf Dienstag Nacht durchmachen oder fix den Videorekorder programmieren!