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Space Night und CC-Musik: So könnte es aussehen

Mit meinen bescheidenen Fähigkeiten habe ich mal – schnell und schmutzig – dieses kleine Video zusammengeschnitten.

Es zeigt Zeitraffer-Aufnahmen des NASA Crew Earth Observations Experiment auf der Internationalen Raumstation ISS. Diese sind gemeinfrei (siehe auch die Nutzungsbedingungen), d.h. sie unterliegen nicht dem Urheberrecht. Sie können frei heruntergeladen und frei verwendet werden. Die Musik stammt vom Netlabel ‘Der kleine grüne Würfel‘, das Stoffel und ich gemeinsam betreiben. Der verwendete Track von Finn Tark ist unter der Creative Commons CC-BY-NC-ND lizensiert und kann daher – zumindest meiner Ansicht nach – von einer nicht kommerziell arbeitenden, öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt wie dem Bayerischen Rundfunk unter Beachtung der Lizenzbestimmungen verwendet werden. Zusätzlich haben wir vom grünen Würfel, wie alle anderen Netlabels, die ihre Musik ins Spacenight-Wiki eingetragen haben, die Nutzung dort nochmal explizit erlaubt.

Wozu das ganze? Das Video soll demonstrieren, wie Weltraumbilder mit CC-Musik funktionieren – nämliich genauso gut wie mit GEMA-lizensierter Musik auch. In der Hauptsache geht es mir darum, das nicht nur von GEMA gerne verwendete Argument, man finde insbesondere unter der Musik ihrer Mitglieder bzw. den von ihr vertretenen (d.h. auch den ausländischen) Künstlern hochqualitative Werke: Natürlich gibt es diese dort. Genau so gibt es diese hochqualitativen Werke aber unter Creative Commons-Lizenz. Und auch das Auffinden dieser Musik ist mithilfe einschlägiger Podcasts, Blogs oder (Online-)Magazine keine große Schwierigkeit mehr.

Screenshot: NASA Crew Earth Observations ISS Footage. Bild: NASA.

Screenshot: NASA Crew Earth Observations ISS Footage. Bild: NASA.

Aber wem sage ich das: Der BR ist ja bereits (fast) überzeugt. Tobias Schwarz hat die aktuellen Ereignisse hier schön zusammengefasst. Und via Twitter kann man sich auch ein Bild machen.

Übrigens (und wen wundert es?): Auf Youtube bspw. findet man natürlich viele dieser Videos – nicht nur von der NASA Crew Earth Observation Group selbst, sondern auch von vielen anderen Usern. Einige nutzen sogar CC-Musik.

Willkommen zurück, Space Night – mit CC-Musik!

Erde und Mond, aufgenommen währender der D2-Mission. Bild: DLR, CC-BY.

Erde und Mond, aufgenommen währender der D2-Mission. Bild: DLR, CC-BY.

Als der Bayerische Rundfunk (BR) Mitte Januar 2013 das drohende Ende der Space Night, dem schon vor geraumer Zeit Kultstatus erlangenden Chill-Out-Nachtprogramm, verkündete, beteiligte ich mich spontan an einer kleinen Protestaktion. Unter den Beteiligten – und es waren nicht eben wenige – entwickelte sich rasch die Idee, die Space Night mithilfe von Creative Commons-lizensierter Musik zu ‘retten’, da steigende Produktionskosten aufgrund einer drohenden Erhöhung der GEMA-Gebühren zumindest eines der wesentlichen Probleme in puncto Fortführung des Formats darstellten.

Man organisierte sich schnell – allen voran Tobias Schwarz aka Isarmatrose, der eine Facebook-Gruppe aufsetzte, mehrere Blogartikel zum Thema veröffentlichte (u.a. im Autorenblog Carta), Radiointerviews gab und stets in engem Kontakt mit dem BR stand, sowie Christian Grasse, der einen offenen Brief an den BR verfasste. Ich bloggte zeitgleich ebenfalls etwas, setzte spontan ein Wiki auf und rief Netlabelbetreiber und Künstler dazu auf, dort freie Musik einzutragen, die durch die Space Night-Redaktion fortan genutzt werden könnte.

Schnell kam Bewegung in die Sache, dann ein Hin und her – nach der Einstellung zunächst eine BR-Pressemitteilung, die eine Neukonzeptionierung verkündete, dann ruderte BR Alpha-Programmdirektor Werner Reuss im Rahmen eines Zundfünk-Interviews, das später aus dem Netz genommen wurde, in puncto CC-Musik wieder zurück, gefolgt  von einer Ankündigung der Fortführung, die vieles unklar ließ. Und dann vermeldet Tobias Schwarz in seinem Blog heute folgendes:

“Der Bayerische Rundfunk (BR) hat sich dazu entschlossen, die bei den Fans sehr beliebte Kultsendung Space Night komplett mit unter Creative Commons (CC)-lizenzierter Musik (CC-Musik) zu produzieren. Damit ist über vier Wochen nach dem verkündeten Ende der Sendereihe nicht nur das Format gerettet, sondern auch ein von der Fangemeinde gewünschter Weg mit freien Inhalten gewählt worden.”

Eine tolle Nachricht, zumal es bisweilen wirklich nicht gut aussah. Die erste mit CC-Musik vertonte Folge wird bereits am Dienstag, 25. Februar 2012, von 03:00 bis 6:00 Uhr ausgestrahlt. An dieser Stelle mein herzlicher Dank an ‘Isarmatrose‘ Tobias Schwarz, dessen Einsatz diesen schönen Erfolg für die Netaudio-Szene möglich gemacht hat, aber ebenso an Christian Grasse, der das Thema sowohl mithilfe seines Blogs als auch seiner Netzmusik-Expertise von Beginn an begleitet hat und natürlich der Space Night-Redaktion. Und, nicht zuletzt: Herzlichen Dank an alle Netzmusiker, Netlabels und Musikenthusiasten, die Ihre Musik zur Verfügung gestellt haben oder die gute Sache einfach nur durch ihre Stimme unterstützt haben.

Update, 19.02.2013, 21.32 und 23:00 Uhr

Das Wiki bricht offensichtlich gerade mal wieder unter den durch die Medien- und Blogberichte verursachten erhöhten Zugriffen wohl eher aufgrund massiver Spambot-Zugriffe zusammen und läßt kein Speichern zu. - hier kann momentan leider nur Geduld empfehlen, leider handelt es sich nicht um einen High-End-Server

Ich habe das Wiki nun erstmal gesperrt, nur Sysops können derzeit (bzw. morgen, wenn der Provider die Sperrung aufgehoben hat) schreiben. Solltet Ihr Einträge vornehmen wollen, so meldet Euch bitte via mail at superpolar dot org.

Update, 19.02.2013, 22.10 Uhr

John Weitzmann, Jurist, Creative Commons (CC) Deutschland Legal Lead und irights.info-Mitarbeiter, hat sich in einem ausführlichen Blogartikel auf iRights.info äußerst kritisch zur Nutzung von CC-Lizenzen durch die Space Night geäußert. Nach erstem Durchlesen – ich bin kein Jurist und muss das sicher noch ein-, zweimal Lesen, um es zu verstehen – stellt Weitzmann das Szenario sehr negativ – aus meiner Sicht zu negativ – dar. Die unterschiedlichen Positionen zum Thema zeigen sich recht gut in den Kommentaren des aktuellen Netzpolitik.org-Artikels zum Thema. Ich habe dort auch gerade eben etwas gepostet, weil mich die ewige Diskussion ums Geld – hier mit den Stichworten ‘Preisverfall’, ‘Downsizing’, ‘Kosten drücken’ etc. – richtiggehend nervt. Wie ich hier, hier und hier (und wahrscheinlich an einem Dutzend anderer Stellen) schon mal schrieb: Vielen Musiker/innen, die unter CC veröffentlichen, geht es schlicht nicht um neue oder alternative Monetarisierungsmodelle, sondern eher um eine Aufmerksamkeitsökonomie und – im besten Fall – um die Kreativallmende, mit der sich auch der neugegründete Verein Purer Luxus beschäftigt.

Wiki ‘GEMA-freie Musik für die SpaceNight’ aufgesetzt

Ich habe hier schnell und dreckig ein Wiki zur Sammlung GEMA-freier Musik für die SpaceNight aufgesetzt. Für den Moment lasse ich es absolut offen, sodass alle ihre Sachen fix eintragen können, werde es in absehbarer Zeit aber mit einem Passwort schützen bzw. Benutzerkonten einführen.

Weitere Infos zum Thema Netaudio und SpaceNight hier.

Good bye Space Night – oder doch nicht?

(Unten gibt es mehrere Updates …)

Ich habe sie zwar lange nicht mehr geguckt, irgendwie liegt sie mir aber trotzdem am Herzen: Die Space Night auf BR Alpha bzw. früher im Nachtprogramm des ‘dritten’ Bayerischen Fernsehens. Das am 1. Juni 1994 gestartete Format ging mit seinem unvergleichlichen Mix aus geschmackssicher ausgewählter elektronischer Musik und Weltraumaufnahmen am 7. Januar 2013 letztmals auf Sendung – offenbar unter anderem aufgrund einer Gebührenreform der GEMA, die zu einer Erhöhung der Produktionskosten des Nischenformats führten, wie der Blog Research Institute und Thomas Stadlers Blog Internet Law berichten.

Erde bei Nacht (Mosaik). Bild: NASA/DLR.

Erde bei Nacht (Mosaik). Bild: NASA/DLR.

Obwohl ich als Online-Redakteur nur am Rande daran beteiligt war, so hat doch mein Arbeitgeber DLR bzw. meine Abteilung einiges an Footage für die Space Night beigesteuert – des öfteren waren beispielsweise auch Aufnahmen von DLR-Missionen bzw. Missionen mit deutscher Beteiligung zu sehen, für die es nun keine solche Plattform im klassischen TV mehr gibt.

Den wahrscheinlich bescheidenen Versuch, die Space Night mithilfe GEMA-freier Musik wiederzubeleben, möchte ich gerne unterstützen und verweise hier exemplarisch auf die guten Artikel und Aufrufe von von Christian Grasse, dem Kraftfuttermischwerk und RA Stadler.

Ferner erteile ich der Redaktion Space Night hiermit die ausdrückliche Nutzungserlaubns aller Tracks meines (CC-lizensierten) Albums (und in Kürze vielleicht auch des gesamtem Backkatalogs des kleinen grünen Würfels. da muss ich noch mit Partner und Gründer Stoffel sprechen).

Und nicht zuletzt würde ich mich im Rahmen meines Jobs dafür einsetzen, dass wir der Space Night noch viel, viel mehr Bildmaterial (sowohl Bewegtbild als auch Stills) zur Verfügung stellen. Dieses Footage lizensieren wir im DLR übrigens, solange es sich um ein alleiniges DLR-Copyright handelt, unter CC-BY – was ebenfalls gut zum von Christian Grasse aufgeschriebenen, netzaffinen Konzept passen würde.

Update (18.01.2013)

Christian Nitsche, Pressesprecher des BR, hat sich zum Thema geäußert. Man arbeite an einem neuen Konzept. Weiter heißt es:

“Hintergrund sind die laufenden Verhandlungen zur Neugestaltung der GEMA-Beiträge mit der ARD. Fest steht, dass sich bei einer Fortführung der musikuntermalten “Space Night” die Kosten für die Ausstrahlung nach jetzigem Stand deutlich erhöhen würden. Jährlich ist von einem niedrigen siebenstelligen Betrag nur für die Musikrechte auszugehen. Diese Mehrkosten wären zu Lasten anderer Programmformate gegangen.”

Quelle: BR-Pressemitteilung (mittleriweile depubliziert)

Auf Nachfrage von Christian Grasse via Twitter bestätigte die BR-Pressestelle, dass es sich somit um mindestens eine Million Euro handele.

Update (21. Januar)

Nach interner Rücksprache will auch mein Arbeitgeber DLR die – in den letzten Jahren ein wenig eingeschlafene – Kooperation wiederaufnehmen.

Update (22. Januar)

Ich habe ein Wiki zur Sammlung GEMA-freier Musik für die SpaceNight aufgesetzt.

Update (23. Januar)

Wie verschiedene Blogs (Tobias Schwarz/Isarmatrose, Christian Grasse/Metawelle) und Medien (Heise, ARD Pressestelle) berichten, soll die SpaceNight fortgesetzt werden. Möglich wird das durch die Verwendung von Musik, an denen der BR die Rechte besitzt, allerdings prüfe man auch die Verwendung von unter Creative Commons lizensierter Musik, so BR-Pressesprecher Christian Nitsche in einer E-Mail an Tobias Schwarz.

Und nebenbei füllt sich das Wiki mit großartiger CC-Musik von allen Seiten.

Update (23. Januar)

Der Freitag hat soeben einen kritischen Artikel zum Thema SpaceNight und deren im Netz bereits an veschiedenen Stellen mehr oder weniger euphorisch verkündeter Rettung veröffentlicht. Der Beitrag legt das nahe, was viele – auch mich – in den letzten Tagen schon gedanklich beschäftigte: Welchen Aufwand wird würde der BR bzw. die entsprechende Redaktion betreiben müssen, um die eine neukonzipierte SpaceNight mit CC-Musik vertonen zu können? Neben Recherche-, Redaktions- und Produktionsaufwand ginge es in der Hauptsache – und das kenne ich von der CC-Komponente meines Jobs ganz gut – um fortwährendes Lizenzmanagement und rechtliche Prüfung. Christian Grasse hat sich ebenfalls bereits zum Thema geäußert. Eine ‘Rettung’ der Space Night durch CC-Musik wird unwahrscheinlicher.

Update (23. Januar)

Zuendfunk-Beitrag online: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/sendeschluss-die-space-night-verabschiedet-sich-100.html

Update (24.01.2013)

Der BR hat am 23. Januar nachmittags den Zündfunk-Radiobeitrag aus dem Netz genommen:

Einige Stunden später veröffentlichtete der BR eine Presseinformation mit dem Titel ‘Return of Space Night‘, die u.a. folgendes beinhaltete:

“BR-alpha tritt am Montag, 25. Februar, wieder in den Orbit ein und sendet die bekannten Folgen der “Space Night”. Das Bayerische Fernsehen wird ab dem Osterwochenende ebenfalls wieder die beliebten Folgen zeigen. Der Bayerische Rundfunk und die GEMA haben im Rahmen der laufenden Verhandlungen den Status der “Space Night” geklärt.”

Weiter heißt es:

“Derzeit laufen zwischen den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und der GEMA Verhandlungen über die Nutzung der Musikrechte. Der BR wird weiterhin in Hörfunk und Fernsehen auch auf das hochqualitative Musikrepertoire der GEMA-Mitglieder zurückgreifen.”

In etwa zeitgleich veröffentlichte die GEMA eine Presseinformation, aus der dieser Absatz stammt:

“Derzeit laufen zwischen den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und der GEMA Verhandlungen über die Nutzung der Musikrechte. Der BR wird weiterhin in Hörfunk und Fernsehen auf das hochqualitative Musikrepertoire der GEMA-Mitglieder zurückgreifen.”

Nein, ich habe nicht aus Versehen zweimal denselben Text eingefügt. Und ja, beide Pressemitteilungen verwenden – bis auf das Wort ‘auch’, das eine klitzekleine Türe offen läßt – exakt dieselbe Formulierung. Ein Schelm, wer denkt, dass BR und GEMA sich hier abgestimmt hätten. Weiterhin bemüht sich GEMA, in der Presseinformation klarzustellen, dass die Neukonzeption der Space Night eine “rein redaktionelle Entscheidung des BR” sei.

Was bleibt also? Ein netter Sturm im Wasserglas, den die Netaudio-Szene hier produziert hat? Vielleicht ja, vielleicht aber trozdem ein bisschen mehr. Obwohl CC-Musik derzeit keine wirkliche Alternative für die Space Night zu sein scheint (wie man dem offline gestellten Interview mit BR-Alpha-Chef Werner Reuß entnehmen konnte), hat mich die Schlagfertigkeit und Kraft, die die CC- und Netaudiogemeinschaft gezeigt hat, einmal mehr beeindruckt. Und auch wenn mein Dank der Gesamtheit gilt, so will ich doch noch einmal explizit Christian Grasse, Tobias Schwarz, aber auch den vielen Musiker/innen und Labels danken, die der Space Night ihre – Achtung, kfeine Ironie – “hochqualitativen Werke” zur Verfügung gestellt haben.

Und, damit das hier nicht unerwähnt bleibt: Die Verwendung klassischer Musik der, wie es in der BR-Pressemitteilung so schön heißt, ‘Klangkörper‘ des BR will man ja nun offenbar in die Tat umsetzen – und fügt als Beispiel ’2001 – Odyssee im Weltraum’ an. Toller Film, ja. Klassiker: auch, in jedem Fall. Aber: Wie ich hier schon mal schrieb, wird doch der Gegenstand der Raumfahrt schon oft genug uninspiriert mit abgenudelten Werken aus Klassik und Pop vertont – und hier bildete die BR Space Night eine schöne Ausnahme. Und wenn ich mir zeitgemäße Ambienttracks von Netlabels wie rec72 oder Clinical Archives zu Bildern aus dem Orbit und dem Deep Space vorstelle … aber lassen wir das.

Stadtrevue-Netzmusik: Das komplette Interview mit Christian Grasse

Nach dem Auftakt im vergangenen Monat erschien vorgestern Stoffels und meine neue Kolumne Netzmusik #01 im Kölner Magazin Stadtrevue. Für die vergangene wie auch für diese Ausgabe habe ich Interviews geführt, von denen ich aufgrund der begrenzten Zeichenzahl nur Auszüge verwenden konnte.

Christian Grasse

Christian Grasse

Nachfolgend das komplette Interview mit Christian Grasse für den Artikel “Maximale Verbreitung! Netlabels krempeln das Musikbusiness um” aus Stadtrevue 09/2012, geführt am 27. Juli 2012. Christian Grasse (Twitter, Homepage, Blog) ist Mitbetreiber des Netlabels aaahh records, freier Journalist für Hörfunk und Netz, Podcaster und Blogger.

Wie kommt es, dass man nicht nur bei aaahh records, sondern auch bei einigen anderen Netlabels seit einiger Zeit wieder einen – wenn auch kleinen – Trend zum physischen Tonträger beobachten kann?

Vorweg: Digitale Musik ist der Status Quo in der Musikwelt und “freie” Musik ist längst ein gängiges Modell für PR, auch im Mainstream-Musikmarkt. Die einst “revolutionäre” Vorreiterrolle haben Netlabels also verloren. Der physische Tonträger wird dagegen immer mehr zur Nische (in Zeiten von Musikstreaming übrigens auch zunehmend das MP3), die uns reizt.

Der Hauptgrund für Vinyl ist wohl das komplett entgegengesetzte Hörverhalten. Vinyl ist Haptik pur, ein langsames Medium, das Geduld und Zuwendung braucht. Das Hören von Vinylplatten ist eine bewusste Entscheidung, eine gesteigerte Aufmerksamkeit, eine Zuwendung zur Musik. Digitale, bzw. virtuelle Musik (Stream und Downloads) hingegen stellt eher ein Nebenbei- oder Entdeckungsmedium dar. Ich glaube, dass genau dieser Gegenpol in der von kurzen Aufmerksamkeitsspannen getriebenen Netaudiowelt den Reiz darstellt, vermehrt auf Vinyl zu setzen. Vorausgesetzt die Fans verlangen danach.

Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Interviews lief das aaahh Records-Crowdfunding-Projekt “Entertainment for the Braindead’s ‘roadkill’ as a vinyl-release“, zu dem ich Christian folgende Frage stellte:

Aktuell steht Ihr ja bei etwa 1400 Euro und es bleibt noch knapp ein Monat – wie schätzt Ihr Eure Erfolgschancen in Bezug auf das Ziel 5000 Euro ein?

Die ersten 1000 Euro sind am einfachsten, denn die Fans die nur darauf warteten, schlugen sofort zu. Jetzt wird es sicherlich schwierig, denn die Kampagne muss nun auch Leute erreichen, die uns bisher nicht kannten. Statistisch gesehen sind 80% aller Crowdfunding-Kampagnen, die die 30% Marke überschreiten auch erfolgreich. Insofern sind wir ganz zuversichtlich.

Werdet Ihr ‘Roadkill auf Vinyl’ auch realisieren, wenn das Funding über startnext nicht funktioniert?

Darüber haben wir noch gar nicht ernsthaft nachgedacht. Ich denke nicht. Für uns ist das alles ein Experiment. Wir sind einfach sehr neugierig wie und ob dieses Werkzeug, das nun jedem Kreativen zur Verfügung steht, funktioniert. Niemand hat etwas zu verlieren. Wir sind ja grundsätzlich komplett unkommerziell aufgestellt und es existieren keinerlei Abhängigkeiten. Wenn es funktioniert, freut es uns sehr! Wenn nicht, dann war es trotzdem eine gute Erfahrung und ein Lernprozess im Umgang mit dem für uns neuen Werkzeug des Crowdfundings.

Zum Zeitpunkt des Redaktionsschluss war der Ausgang des Projekts noch ungewiss, daher der im Artikel etwas vage formulierte Satz ”Mal klappt es, mal nicht”. Leider hat es dann nicht geklappt, das gesetzte Ziel von 5000 Euro zur Realisierung des Albums ‘Roadkill’ von Julia Kotowski aka Entertainment for the Braindead auf Vinyl zu erreichen. Warum hat aaahh records hier aufgeschrieben.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Christian Grasse.

Netzmusik in der Stadtrevue

Seit vergangenen Donnerstag (in der Print-Version) und seit heute (in der Online-Version) gibt es Stoffels und meine neue monatliche Kolumne ‘Netzmusik‘ in der Kölner Stadtrevue, über die wir uns sehr freuen.

Wir stellen darin monatlich das Bemerkenswerteste vor, was es an freier Musik im Netz gibt. Zum Start gibt es zudem einen aktuellen Überblick über die Netaudio-Szene, Kölner Musiker und Labels kommen zu Wort und wir zeigen, warum Creative-Commons-Lizenzen besser sind, als Gema-Mitglied zu sein.

Update, 29.8.: Das Wichtigste habe ich beim schnellen runterbloggen gestern vergessen: Vielen Dank an die Stadtrevue und insbesondere Felix Klopotek und Bernd Wilberg, bei denen die Idee nicht nur auf offene Ohren sondern auch auf direkte und schnelle Unterstützung stieß – toll, dass wir das machen können!

Stadtrevue 09/2012: Netzmusik-Artikel in der Print-Version

Stadtrevue 09/2012: Netzmusik-Artikel in der Print-Version. Quelle: Stadtrevue Köln.

Zur Stadtrevue: Die Stadtrevue ist wie die TAZ als Kollektiv organisiert und eine der wichtigsten unabhängigen Publikationen in der ansonsten monopolistisch geprägten Kölner Medienlandschaft.

Stadtrevue 09/2012

Stadtrevue 09/2012 Quelle: Stadtrevue Köln.

Aus dem Leitbild:

StadtRevue – Das Kölnmagazin gehört zu den qualitativ führenden und auflagenstärksten Stadtmagazinen in Deutschland. Wir bieten seit 35 Jahren journalistische Kompetenz für Köln und die Region. Auf mehr als 160 Seiten gibt es jeden Monat das Neueste aus der Kölner Politik und Kultur. Die Berichte, Kommentare und Reportagen werden ergänzt mit Rezensionen und Tipps sowie redaktionellen Beilagen zu den Themen Weiterbildung und Ökologie. In NRW besitzen wir den umfangreichsten Veranstaltungskalender, Monat für Monat können unsere Leserinnen und Leser aus mehr als 4000 Terminen und redaktionell ausgewählten Tagestipps wählen. 2006 wurde die StadtRevue mit dem Kölner Medienpreis in der Kategorie Print ausgezeichnet.

(Quelle: Stadtrevue.de)

Stoffel und ich freuen uns jederzeit über Feedback oder Vorschläge.

Musikvideo

Der Herr Stoffel hat ein wunderhübsches Video zu einem meiner Tracks produziert, aufgenommen vor vielen Jahren von ihm selbst auf Super 8, vor kurzem dann digitalisiert, ein bisschen nachbearbeitet und geschnitten. Mein Album kann man hier herunterladen.

Mein Album ist draußen

Würfel 13 limited CD-R: ‘I had to let God be in Control of ALL Things‘ by Marco TrovatelloSo, gerade eben haben wir, d.h. Stoffel und ich, auf dem kleinen grünen Würfel mein erstes Soloalbum veröffentlicht. Eigentlich gibt es hier nicht viel mehr zu sagen, da so ziemlich alles hier drüben steht. Ich freue mich.

Update, 18 Mai 2012

Vielen Dank für all das positive Feedback, das mich bisher via Facebook, Twitter und als Kommentar auf der Würfel-Release-Seite erreicht hat. Hier gibt’s ein nettes Interview, dass Mo. vom phlow magazin mit mir geführt hat, und da einen Artikel von gulli.com.

Update, 7 Juni 2012

Zweimal Radio Airplay: Quiet Space / ABC Radio National und Freequency / ByteFM (in Christian Grasses Blog mit superschickem Hyperaudio-Player!).

Update 25. Juni 2012

Radio Airplay: Radio Fritz Trackback. FBI Radio

Update 13. August 2012

Radio Airplay: Was ist Musik – BASSMusik mit Klaus Walter auf byteFM.

Liebesengel im australischen Radio

ABC RN Quiet SpaceEin Stück, das ich mit meiner 7 Jahre alten Tochter aufgenommen habe (siehe auch hier), wurde heute im australischen Radio gespielt, genauer gesagt in der Sendung Quiet Space: WebartikelAudiostream.

Beyond ‘ambient’, the music of the Quiet Space incorporates 20th century composition, blissful pop and ethereal drones. It is music to reflect and relax to – a soundscape to in which to lose yourself.

(Text & Bild: ABC Radio National)

Quiet Space wird von Paul Gough moderiert und kuratiert.

Liebesengel

So, ich habe ein Stück mit meiner Tochter aufgenommen. Sie hat sich Pianomelodien und Schlagzeug ausgedacht und gespielt, ich habe die Cello-Melodie gespielt und das ganze ein wenig arrangiert.

Wir finden das Ergebnis natürlich toll – vielleicht mögt Ihr es auch. Jedenfalls ist das hier der öffentliche Versuch, es ein wenig bekannter zu machen bzw. es mit ein paar Freunden, Bekannten, Interessierten zu teilen (das Stück steht unter einer CC-BY-NC-SA-Lizenz).

Es berührt auch ein Thema, das ich sehr wichtig finde: Kinder und Musik. Es gibt eine Welt  mit Kindermusik jenseits von Anne Kaffeekanne und Co. Darüber berichte ich in meinem nächsten Blogpost.

P.S.: Einige kennen das Stück vielleicht schon – ich hatte es mal (für einen geschlossen Benutzerkreis) auf Facebook gepostet.