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Netzmusik #14: Freie Musik aus Indonesien

Artikel für Stadtrevue 11/2014 (Print und Blog) über freie Musik aus Indonesien feat. Frau, Yes No Wave Music sowie weitere bemerkenswerte Releases auf Stone Age Records. Lesen …

Frau

Frau, ‘indonesia’s finest DIY songwriter’, bei der Gartenarbeit …

Frau

… und beim Musikmachen. Fotos: Yes No Wave Music.

 

re:publica 2013: Ein Resümee

Vorweg: Es war die bisher beste re:publica überhaupt und mein größter Respekt gebührt allen, die das möglich gemacht haben. Für mich gibt es nur ein Fazit: Alles, aber auch wirklich alles haben die Veranstalter und Organisatoren richtig gemacht.

Nach dem eher leichten und unterhaltsamen Panel des letzten Jahres “Tweeting from Space for the Digital public” konnte ich gemeinsam mit Geraldine und Sandra in diesem Jahr die Space-Sessions des Open Science Tracks kuratieren. Es wurde zwar nicht der große Wurf, den wir uns vorgenommen hatten – von geplanten neun blieben nur vier (oder, genauer gesagt, drei) Sessions übrig – doch die hätten besser nicht sein können. Beginnen wir mit einem meiner Highlights des Science Tracks:

Carolinas Blog und ihre Arbeit verfolge ich schon eine Weile mit großem Interesse – und habe mich sehr darüber gefreut, dass wir sie einladen konnten und sie, trotz der Tatsache, dass sie vor nicht allzu langer Zeit Mutter wurde, die lange Reise aus Südafrika gemeinsam mit ihrer Familie auf sich genommen hat. Großer Dank gebührt re:publica und Geraldine de Bastion, die die Einladung ermöglicht hat.

https://twitter.com/marco_t/status/331700934138793985

In Ergänzung zu ihrem Vortrag hier noch drei Medienbeiträge, die Ihr Euch auf jeden Fall ansehen bzw. anhören solltet:

3sat nano

https://twitter.com/marco_t/status/332612871504666624

https://twitter.com/dctp_tv/status/332023677837250560

Und als Netzmusiker gefiel mir der Astro-Sound-Hack Chromotone natürlich sehr gut:

https://twitter.com/marco_t/status/331705896298246144

Weiter ging es mit den Part Time Scientists: Diese beiden jungen Herren – Karsten Becker und Robert Böhme – und ihr fast 100-köpfiges, über den Erdball verteiltes Team, sind mit dem Mondrover Asimov einer der Favoriten im Wettbewerb um den Google Lunar XPrize. Ziel: Bis 2015 einen Rover auf dem Mond landen, dort mindestens 500 Meter fahren, High-Definition-Video und Bilder zur Erde senden. Das von Google ausgelobte Preisgeld beträgt im Maximalfall 30 Millionen US-Dollar. Wenn man nun bedenkt, dass der geplante Start mit einer russischen Trägerrakete vom Typ Dnepr eine ähnlich hohe Summe kosten wird, hat man in etwa einen Eindruck davon, dass die Part Time Scientists hier nicht nur enorme technische, sondern auch administrative Herausforderungen meistern müssen. Wenn Robert, Karsten und Team allerdings mit demselben Enthusiasmus zur Sache gehen wie bei Ihrem Talk auf der re:publica, bin ich mir sicher, dass sie es schaffen werden.

Unterstützt werden die Part Time Scientists vom DLR, genauer gesagt vom DLR-Institut für Robotik, das neben der Antriebstechnologie auch die intelligente, autonome Navigation auf Basis von Umgebungswahrnehmung beisteuert.

Letztlich dann noch mein eigener kleiner Beitrag namens “Space Science as a Creative Commons?“, der im Workshop-Bereich stattfand und daher nicht aufgezeichnet wurde. Die Folien gibt es hier:

Space science as a creative commons? from Marco Trovatello

Entgegen der Ankündigung habe ich für den Vortrag noch einiges zum Thema Open Access zusammenrecherchiert: Nach einem Blick auf den “großen Bruder” NASA und dessen Status quo in puncto Copyright law bzw. Non-Copyright und Public Domain habe ich mir den aktuellen Stand der Dinge in Europa angesehen – und bin zu Ergebnis gekommen, dass die European Space Agency bereits erfreulich frei und offen mit Daten ihrer Erdbeobachtungs-, Planetenforschungs- und Astronomiemissionen umgeht, in Bezug auf ihre eigenen (PR-)Medien allerdings in puncto freier Lizensierung noch nicht zum unter Creative Commons lizensierenden DLR aufgeschlossen hat.

Discussion following

Discussion following “Space as a creative commons?” talk. Image credit: republica, CC-BY.

In der anschließenden, kleinen Diskussionsrunde mit John Weitzmann (Creative Commons Deutschland, iRights.info), Paul Klimpel (iRights.info), Mathias Schindler (Wikimedia Deutschland), Kirsten Rulf (Autorin und Redakteurin, WDR/ARD Aktuell) und einigen anderen wurde zwar durchaus kontrovers, aber – zumindest meiner Meinung nach – auch sehr erkenntnisbringend debattiert. Ich habe hierzu einen separaten Artikel geschrieben.

Hojun Song’s Talk zur Open Source Satellite Initiative fiel leider aus, er schaffte es offenbar nicht rechtzeitig, dafür aber gab es ein Video-Interview mit Ai WeiWei.

https://twitter.com/marco_t/status/332161238903713792

Und sonst?

John Weitzmann lud zur Diskussion “Space Night Mission Control … GEMA, we have a problem. Fluch und Segen freier Inhalte in kommerziellen Märkten”: Das Team “Contra” in diesem von John moderierten Streit stellten Ellen Vorac , Label-, Musik- und Digitalvertriebsexpertin, und Volker Tripp, Jurist, Netlabel-Betreiber (ideology) und freier Journalist (Breitband), das Team “Pro”  stellten Luci van Org, Musikerin und Autorin, und ich in meiner Rolle als unter CC veröffentlichender Musiker und Netlabel-Mitbetreiber. Das Besondere an der Diskussion war das streng festgelegte Format, das einen etwaigen verbalen Schlagabtausch gar nicht erst zuließ, sondern durch per Stoppuhr gesteuerte Länge der Redebeiträge pointierte Thesen und Argumente hervorbrachte.

Space Night-Diskussion auf der rp13

Space Night-Diskussion auf der rp13: Links Team Pro (Luci van Org, Marco Trovatello), rechts Team Contra (Ellen Vorac, Volker Tripp). Bild: Andrea Schaub.

Das sah in etwa so aus:

Zunächst die These des Teams Pro (Luci,  Marco):

“Angesichts des Verschwimmens der Rollen im Musikgeschäft (keine klare Trennung mehr zw. Musiker, Texter, Produzent, Vermarkter etc.) sollten freie Inhalte ein Mittel sein, das allen Künstlern selbstverständlich zur Verfügung steht und nicht von überkommenen Verwertungsstrukturen ausgebremst wird.”

Es folgten jeweils vier Minuten Argumente von Team Pro und Team Contra, dann die These des Teams Contra:

“Freie Inhalte drücken Preise im Lizenz-Bundle-Geschäft und dienen für sehr bekannte Künstler dazu, sich auf Kosten anderer Aufmerksamkeit zu verschaffen”

Space Night-Diskussion, re:publica 2013

Space Night-Diskussion, re:publica 2013. Bild: Tobias Schwarz.

Dann wieder jeweils vier Minuten Argumente von Team Pro und Team Contra, spontane These des Moderators John Weitzmann, acht Minuten Schlussdiskussion, Ende. Das ganze ging zack-zack, kam ohne Polemik aus und war – so hoffe ich – für alle Beteiligten und Zuhörerinnen genauso erfrischend wie für mich. Leider auch hier keine Aufzeichnung, da es sich nur um eine kleine Session im Workshop-Bereich handelte.

Rezeptions-Overflow: Noch mehr Kultur, Science, Technologie, Politik …. meine weiteren persönlichen Glanzlichter (in keiner bestimmten Reihenfolge) waren …

… der Talk zum “Making of” des animierten Kurzfilms R’ha:

https://twitter.com/marco_t/status/331529520295317506

… Cory Doctorows Talk zu Digital Rights Management (DRM) und Computer in unseren Körpern:

… Mathias Schindler und der “Urheberrecht-Yeti”:

… Peter Kirn zu Mensch-Musik-Maschine Interfaces aus historischer wie heutiger Sicht:

https://twitter.com/marco_t/status/332976694363316225

… sowie etwa 50 verpasste Sessions, die ich ebenso interessant fand.

Und sonst noch?

https://twitter.com/SimSullen/status/331866308419399680

Abends Netlabel-Opa-Stammtisch, yeah!

Tonmagnet Podcast 15 mit ‘Der kleine grüne Würfel’

Zweieinhalb Stunden lang um Kopf und Kragen reden – zu den Themen Status Quo und Zukunft von Netaudio und Netlabel, C3S, Nutzungsideologie von freien Lizenzen, dem neuen, alten Projekt Purer Luxus uvm., dazu Musik von unserem Label Der kleine grüne Würfel: Stoffel und ich zu Gast im Tonmagnet-Podcast der sympathischen Netaudio-Blogger Daniel und Jens. Unsicher, ob Ihr das zweieinhalb Stunden lang durchhaltet? Man kann das auch prima in Häppchen hören …

Leider ist die Audioqualität bisweilen ziemlich schlecht – zum einen mag das an Skype, über das wir das Interview geführt haben, liegen. Zum anderen mutmaßlich aber auch an einer fiesen, ungewollten Kompression auf unserer Seite. Man versteht aber trotzdem fast alles.

Stadtrevue-Netzmusik: Das komplette Interview mit Sven Swift

Nach dem Auftakt im vergangenen Monat erschien vor ein paar Tagen Stoffels und meine neue Kolumne Netzmusik #01 im Kölner Magazin Stadtrevue. Für die vergangene wie auch für diese Ausgabe habe ich Interviews geführt, von denen ich aufgrund der begrenzten Zeichenzahl nur Auszüge verwenden konnte.

Nachfolgend das komplette Interview mit Sven Swift für das Error Broadcast-Feature in der Stadtrevue-Netzmusik #01, Ausgabe 10/2012, geführt am 27. Juli 2012. Sven Swift (Twitter, Posterous-Blog) lebt in Berlin und gründete 2009 zusammen mit Filippo „Flip“ Aldovini aus Modena das Instrumental HipHop-Label Error Broadcast. Beide schöpften zurvor reichlich aus der mit ihren Netlabels 12rec und Zymogen gesammelten Erfahrung.

Flip & Swift, Error Broadcast

Sven Swift (rechts) und Filippo 'Flip' Aldovini (links) betreiben gemeinsam das Label Error Broadcast. Bild: Sim Sullen, CC-BY.

Error Broadcast hat ja mit seinem Mix auf freien Downloads und hochwertigen FLAC- und Vinyl-Releases sowie einer cleveren Promo-Strategie 2009/2010 so etwas wie eine Vorreiterrolle in puncto zeitgemäßem Musiklabel eingenommen. Ich möchte gerne wissen, wie die Dinge heute aussehen: Was ist aus dem Trend bzw. der Idee (‘MP3′s umsonst, FLAC & Vinyl kaufen’) geworden, die Du in Deinem Interview mit DRadio Wissen / Christian Grasse im Juni 2010 ansprachst? Kannst Du nach gut drei Jahren Error Broadcast ein (erstes) Resümee ziehen?

Wir versuchen an der Idee festzuhalten, wenn es um rein digitale Veröffentlichungen geht. Ein Grossteil unserer Online-Verkäufe läuft allerdings über den Vertrieb, und die Musik wird von Leuten gekauft, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nie auf unserer Website waren. An den Verkäufen über Bandcamp allerdings ist zu sehen, dass ein free download in räsonabler Qualität wenig Einfluss auf den Absatz hochwertiger Datenformate hat. Für unsere Vinylreleases verzichten wir aus mehreren Gründen allerdings auf diese Option.

Als Hörer beobachte ich, dass nicht mehr wie noch zu Beginn von Error Broadcast, jedes Release als freier 192kbps Download zur Verfügung steht und Ihr teilweise neben Creative Commons auch wieder ‘All rights reserved’ anwendet. Kann man daraus schließen, dass Ihr Euch wieder mehr in Richtung ‘traditionelles Label’ bewegt?

Unser letztes, komplett freies Release war Montgomery Clunk’s ‚Superbus’ EP von November 2010. Ab 2011 haben wir uns vor allem auf physikalische Veröffentlichungen konzentriert, die wir nicht mehr zum freien Download angeboten haben. Das hat natürlich zum einen wirtschaftliche Gründe – die Investition von ca. 2000 Euro pro gepresster 12-inch will ja irgendwie wieder kompensiert werden. Zum anderen ist man in der Musikbranche noch immer dem Vorwurf ausgesetzt, das etwas, das umsonst ist, entweder nicht gut oder der Künstler noch unbekannt ist. Diese Haltung befindet sich auf dem Rückzug seit die Mixtape-Kultur im Hip Hop und R&B Erfolgsgeschichten wie Odd Future, The Weeknd, ASAP Rocky oder Danny Brown hervorgebracht hat. Trotzdem wollten wir erstmal einen Punkt machen – vollkommerzielles Plattenlabel mit Vertrieb und Promotion uns allem was dazugehört. Like a boss.

Interessanter Punkt: Im Juli diesen Jahres haben wir mal wieder ein komplett digitales Release herausgehauen, die ‚Cocody’ EP von H-SIK, die sehr gut gelaufen ist, obwohl wir eine ‚Redux’ Version zum freien Download anbieten. Es läge Nahe, zu vermuten, dass die Option auf den Gratisdownload das Medieninteresse angefeuert hätte. Aber nein, niemand hat auch nur erwähnt das es dort in freies .zip-File gibt!

Für die Zukunft wird unser Schwerpunkt definitiv weiter auf Vinyl liegen, und insofern sehe ich Error Broadcast auch als traditionelles Plattenlabel, aber wenn wir neue Künstler mit digitalen Releases etablieren wollen oder die Musik einfach zu odd ist, werden wir weiterhin auch auf freie Downloads setzen. Ich gebe zu, dass das weniger von politischer Überzeugung als von marktwirtschaftlicher Taktik motiviert ist.

Gibt es Error Broadcast-Künstler, die GEMA-Mitglieder sind?

Nein.

Wie hat sich das Profil des Labels entwickelt? Trifft die Genrebezeichung ‘Instrumental Hip Hop’ noch uneingeschränkt zu?

Na ja, im Herzen schon. Als Hörer, der nicht so tief in der Szene drinsteckt, könnte die Definition allerdings problematisch sein. Als wir uns gegründet haben, 2008/ 2009, war das ‚Instrumetal Hip Hop’ Ding richtig groß. Da liegen unsere Wurzeln. Spätestens seit 2011 allerdings haben wir begonnen, weitere Spielarten der so genannten Bass Music zu übernehmen. Die ‚Simon and G-Funk’ 12“ von Monolithium aus Kanada ist eine Art Wendepunkt für uns gewesen, mit ihrem hochsynthetischen Synthsounds und der Mischung aus Hip Hop und Footwork. Die Remixe von Om unit und Salva für Pixelord und DZA, respectively, zeigten diese Richtung schon früher an. Unsere Liebe für das Club-inkompatible, musikalisch Abseitige kann leicht an den Veröffentlichungen mit iL oder Shlohmo abgelesen werden (wobei Letzterer natürlich von Anfang an dabei war). Seit 2012 haben wir eigentlich nur Musik veröffentlicht, deren Inspiration sicher auch Hip Hop ist, der Definition als solches aber nicht mehr standhält. Der nutriot Blog nannte es unlängst „the uncharted territories between garage and footwork“, was ich sehr treffend finde. Flip und ich verfolgen alle Trends und versuchen einen eigenen Stil zu extrahieren – ich denke, EB ist heute genauso wenig Trap-, Dubstep-, Juke- oder Cloud Rap-Label wie wir ein reines Label für Hip Hop sind. Call it electronic music okay? :)

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Sven Swift.

Stadtrevue-Netzmusik: Das komplette Interview mit Christian Grasse

Nach dem Auftakt im vergangenen Monat erschien vorgestern Stoffels und meine neue Kolumne Netzmusik #01 im Kölner Magazin Stadtrevue. Für die vergangene wie auch für diese Ausgabe habe ich Interviews geführt, von denen ich aufgrund der begrenzten Zeichenzahl nur Auszüge verwenden konnte.

Christian Grasse

Christian Grasse

Nachfolgend das komplette Interview mit Christian Grasse für den Artikel “Maximale Verbreitung! Netlabels krempeln das Musikbusiness um” aus Stadtrevue 09/2012, geführt am 27. Juli 2012. Christian Grasse (Twitter, Homepage, Blog) ist Mitbetreiber des Netlabels aaahh records, freier Journalist für Hörfunk und Netz, Podcaster und Blogger.

Wie kommt es, dass man nicht nur bei aaahh records, sondern auch bei einigen anderen Netlabels seit einiger Zeit wieder einen – wenn auch kleinen – Trend zum physischen Tonträger beobachten kann?

Vorweg: Digitale Musik ist der Status Quo in der Musikwelt und “freie” Musik ist längst ein gängiges Modell für PR, auch im Mainstream-Musikmarkt. Die einst “revolutionäre” Vorreiterrolle haben Netlabels also verloren. Der physische Tonträger wird dagegen immer mehr zur Nische (in Zeiten von Musikstreaming übrigens auch zunehmend das MP3), die uns reizt.

Der Hauptgrund für Vinyl ist wohl das komplett entgegengesetzte Hörverhalten. Vinyl ist Haptik pur, ein langsames Medium, das Geduld und Zuwendung braucht. Das Hören von Vinylplatten ist eine bewusste Entscheidung, eine gesteigerte Aufmerksamkeit, eine Zuwendung zur Musik. Digitale, bzw. virtuelle Musik (Stream und Downloads) hingegen stellt eher ein Nebenbei- oder Entdeckungsmedium dar. Ich glaube, dass genau dieser Gegenpol in der von kurzen Aufmerksamkeitsspannen getriebenen Netaudiowelt den Reiz darstellt, vermehrt auf Vinyl zu setzen. Vorausgesetzt die Fans verlangen danach.

Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Interviews lief das aaahh Records-Crowdfunding-Projekt “Entertainment for the Braindead’s ‘roadkill’ as a vinyl-release“, zu dem ich Christian folgende Frage stellte:

Aktuell steht Ihr ja bei etwa 1400 Euro und es bleibt noch knapp ein Monat – wie schätzt Ihr Eure Erfolgschancen in Bezug auf das Ziel 5000 Euro ein?

Die ersten 1000 Euro sind am einfachsten, denn die Fans die nur darauf warteten, schlugen sofort zu. Jetzt wird es sicherlich schwierig, denn die Kampagne muss nun auch Leute erreichen, die uns bisher nicht kannten. Statistisch gesehen sind 80% aller Crowdfunding-Kampagnen, die die 30% Marke überschreiten auch erfolgreich. Insofern sind wir ganz zuversichtlich.

Werdet Ihr ‘Roadkill auf Vinyl’ auch realisieren, wenn das Funding über startnext nicht funktioniert?

Darüber haben wir noch gar nicht ernsthaft nachgedacht. Ich denke nicht. Für uns ist das alles ein Experiment. Wir sind einfach sehr neugierig wie und ob dieses Werkzeug, das nun jedem Kreativen zur Verfügung steht, funktioniert. Niemand hat etwas zu verlieren. Wir sind ja grundsätzlich komplett unkommerziell aufgestellt und es existieren keinerlei Abhängigkeiten. Wenn es funktioniert, freut es uns sehr! Wenn nicht, dann war es trotzdem eine gute Erfahrung und ein Lernprozess im Umgang mit dem für uns neuen Werkzeug des Crowdfundings.

Zum Zeitpunkt des Redaktionsschluss war der Ausgang des Projekts noch ungewiss, daher der im Artikel etwas vage formulierte Satz ”Mal klappt es, mal nicht”. Leider hat es dann nicht geklappt, das gesetzte Ziel von 5000 Euro zur Realisierung des Albums ‘Roadkill’ von Julia Kotowski aka Entertainment for the Braindead auf Vinyl zu erreichen. Warum hat aaahh records hier aufgeschrieben.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Christian Grasse.

Kommentar zur ‘CC-BY-NC’-Broschüre von Creative Commons Deutschland, irights.info und Wikimedia DE

Hallo CC DE, irights.info & Wikimedia DE,

die Lektüre Eurer Broschüre zu ungewollten Nebenwirkungen des Creative Commons NC-Moduls, über die ich mich auf der re:publica sehr gefreut habe, läßt mich offen gesagt etwas enttäuscht zurück. Natürlich verstehe ich Euren Ansatz, der Einschränkung der Verbreitung freien Wissens und freier Bildung durch falsch verstandene Nutzung des NC-Moduls vorbeugen zu wollen. Doch genau hier – der Fokussierung des Broschüreninhalts auf den Bildungssektor – liegt das Problem. Um dieses zu beschreiben muss ich ein klein wenig ausholen:

Ich beschäftige mich mit CC-Lizenzen in einer Doppelrolle. Einerseits als verantwortlicher Redakteur für Webportal und Social Media Kanäle des DLR. Hier haben wir die CC-BY vor einigen Monaten offiziell eingeführt. Dazu bedurfte es neben dem ursprünglichen Anruf von ersten Gespräch mit Mathias Schindler wenig Überzeugungsarbeit – ich hatte schnell verstanden, wieso für Wikipedia und viele andere mit Wissen und Bildung befasste Organisationen die NC-Variante keine Option ist – dies ist in der Broschüre ja ebenfalls ausführlich und sehr gut beschrieben.

Andererseits bin ich Musiker und Netlabel-Mitbetreiber. Hier fehlt es der Broschüre m.E. an Substanz. Neben zwei kurzen Kapiteln über Mashups und GEMA gibt es hier leider keinen weiteren Erkenntnisgewinn. Ich hatte mir erhofft, mithilfe der Broschüre mehr über Praxis und Möglichkeiten von (unabhängigen) Musikern, Label- und Verlagsbetreibern sowie anderen ‘Kreativen’ zu erfahren, doch diese Hoffnung wird leider nicht erfüllt.

Als Musiker und Netlabel-Betreiber wähle ich das NC-Modul ja nicht, weil ich permanent befürchte, dass irgendwelche bösen Big Businesses oder Majors meine Musik ‘klauen’, in die nächste Kampagne verfrachten und damit viel Geld verdienen wollen (obwohl ich via NC-Nutzung auch diesem unwahrscheinlichen Fall vorbeuge). Sie besitzt, neben dem rechtlichen Schutz vor unerlaubter kommerzieller Verwertung, vielmehr auch eine Signalwirkung, die, salopp ausgedrückt. lautet:

“Frag’ mich, bevor Du diesen Inhalt kommerziell nutzt (und ich kann ihn Dir, wenn Du eine Bildungs- oder Kultureinrichtung repräsentierst. ein Blogger, Filmemacher etc. bist und kommerziell arbeitest, immer noch unentgeltlich freigeben.)”

All das (oben beschriebene) kommt in der Broschüre leider (sehr) viel zu kurz – und die wertvollen rechtlichen Hinweise, die Paul Klimpel für Bildungseinrichtungen gibt, würde ich mir für den CC-Kreativsektor ebenfalls wünschen.

Fazit: Eure Broschüre ist für Bildungs- und Kultureinrichtungen bzw. deren Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Nutzung des NC-Moduls sicher wertvoll. Für den Kreativsektor würde ich mir nochmal dasselbe wünschen und biete Euch gerne meine Hilfe an.

P.S.: Download der Broschüre hier.