Tag Archives: Stadtrevue

Old Splendifolia/F.S. Blumm: Das komplette Interview (Stadtrevue Netzmusik #9)

F.S. Blumm

F.S. Blumm. Bild: fsblumm.free.fr

Gestern habe ich im Stadtrevue-Blog die aktuelle Netzmusik-Kolumne über das Album “Utterly Heartbreaking” von Old Splendifolia veröffentlicht – heute folgt nun das komplette Interview mit Frank Schültge alias F.S. Blumm, einer Häflte des Duos.

Frank, gemeinsam mit Jana Plewa hast Du im Januar 2013 auf dem italienischen La bèl Netlabel das Album ‘Utterly Heartbreaking‘ veröffentlicht. Ist das Deine erste Veröffentlichung auf einem Netlabel?

Meine erste Veröffentlichung auf einem Netlabel war auf demselben Label eine Kollaboration mit Lucrecia Dalt.

Old Splendifolia: Utterly Heartbreaking

Old Splendifolia: Utterly Heartbreaking. Bild: labelnetlabel.com

La bèl bietet ‘Utterly Heartbreaking’ einerseits als kostenlose EP, andererseits als komplettes Album für drei Euro und auch als handgemachte CD in limitierter Auflage an – das ganze ist zudem meiner Recherche nach Deine erste Veröffentlichung unter einer Creative Commons-Lizenz. Was versprechen sich Label und Band von dieser neuen Form der Distribution und Veröffentlichung? Auch Dein neues Soloalbum ‘Food’ hast Du vor kurzem via Bandcamp veröffentlicht …

Dass die Musik draußen ist und diejenigen findet die sie mögen. Dass neue Menschen auf uns aufmerksam werden; Fans was zum Knabbern haben und dass wir Konzerte spielen. Und finanziell: Vielleicht eine Lizenz abgreifen, wäre natürlich schön …

Was genau meinst Du mit ‘Lizenz abgreifen’? Dass jemand die Musik bspw. für ein Filmprojekt, Remix oder ähnliches lizensiert?

Ja, genau. Fernsehfilm, Kinofilm, Doku, Werbung … scheint – zumindest in meinem Falle – ohnehin die einzige Art zu sein durch eine Veröffentlichung heutzutage ernsthaft etwas verdienen zu können …

Sagen wir mal es funktioniert: Creative Commons hilft Euch dabei, bekannter zu werden, es ergeben sich Konzerte und neue Kollaborationen, Remixe etc. … wäre das eine Basis, auf der Du bzw. Ihr weiter arbeiten würdet? Wäre die C3S (s. auch Netzmusik #03) eine Alternative für Euch, so sie denn gegründet wird? Sie schickt sich ja schon an, alles fairer und besser zu machen, als das derzeit bei GEMA der Fall ist. Dein Verleger setzt sich ja ebenfalls bereits sehr kritisch mit der ganzen Thematik auseinander …

Tja, die GEMA hat durch ihr langes Alleinherrscher-Dasein einfach die Bodenhaftung verloren; das wird insbesondere sichtbar bei ihrer extrem ungerechten Verteilungs-Politik und der gezielten Fehlinformation von Laden- und Clubbesitzern. Durch eben diese Monopol-Stellung kann es aber wohl noch lange dauern, bis insbesondere Airplay von anderen Verwertungsgesellschaften adäquat vergütet werden kann.

Kannst Du kurz etwas zur Produktion von ‘Utterly Heartbreaking’ sagen? Die Songs haben durch ihre Aufnahmeästhetik, ihren teils improvisierten Charakter und die Field Recordings etwas sehr intimes, persönliches … war das von Anfang an so geplant?

Wir wollten, dass es nahe an dem dran ist an dem, was man auf einem Konzert von uns bekommt. Generell mag ich es sehr, mit dem Mikrofon in den Mikrokosmos einzutauchen, die kleinsten Bewegungen der Finger auf den Saiten hörbar machen, das leiseste Knistern und Hauchen einzufangen. Bei den Field Recordings wollten wir, dass die Stimme so klingt als wäre sie im Wald eingesungen, also haben wir sie im Wald eingesungen :)  … zufälligerweise kam dann ein Mopedfahrer vorbei.

Old Splendifolia

Old Splendifolia: Jana Plewa (rechts) und F.S. Blumm. Bild: labelnetlabel.com

Einige Songs wie bspw. “Woman in the Reek” wirken stärker ausarrangiert … eine Richtung, in die es für ‘Old Splendifolie’ weitergehen könnte?

Momentan eher das Gegenteil: je freier die Stücke sind, desto stärker können wir mit ihnen spielen – und desto mehr machen wir Musik während wir Musik machen.

Vielen Dank für das Interview!

Stadtrevue-Netzmusik: Das komplette Interview mit Sven Swift

Nach dem Auftakt im vergangenen Monat erschien vor ein paar Tagen Stoffels und meine neue Kolumne Netzmusik #01 im Kölner Magazin Stadtrevue. Für die vergangene wie auch für diese Ausgabe habe ich Interviews geführt, von denen ich aufgrund der begrenzten Zeichenzahl nur Auszüge verwenden konnte.

Nachfolgend das komplette Interview mit Sven Swift für das Error Broadcast-Feature in der Stadtrevue-Netzmusik #01, Ausgabe 10/2012, geführt am 27. Juli 2012. Sven Swift (Twitter, Posterous-Blog) lebt in Berlin und gründete 2009 zusammen mit Filippo „Flip“ Aldovini aus Modena das Instrumental HipHop-Label Error Broadcast. Beide schöpften zurvor reichlich aus der mit ihren Netlabels 12rec und Zymogen gesammelten Erfahrung.

Flip & Swift, Error Broadcast

Sven Swift (rechts) und Filippo 'Flip' Aldovini (links) betreiben gemeinsam das Label Error Broadcast. Bild: Sim Sullen, CC-BY.

Error Broadcast hat ja mit seinem Mix auf freien Downloads und hochwertigen FLAC- und Vinyl-Releases sowie einer cleveren Promo-Strategie 2009/2010 so etwas wie eine Vorreiterrolle in puncto zeitgemäßem Musiklabel eingenommen. Ich möchte gerne wissen, wie die Dinge heute aussehen: Was ist aus dem Trend bzw. der Idee (‘MP3′s umsonst, FLAC & Vinyl kaufen’) geworden, die Du in Deinem Interview mit DRadio Wissen / Christian Grasse im Juni 2010 ansprachst? Kannst Du nach gut drei Jahren Error Broadcast ein (erstes) Resümee ziehen?

Wir versuchen an der Idee festzuhalten, wenn es um rein digitale Veröffentlichungen geht. Ein Grossteil unserer Online-Verkäufe läuft allerdings über den Vertrieb, und die Musik wird von Leuten gekauft, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nie auf unserer Website waren. An den Verkäufen über Bandcamp allerdings ist zu sehen, dass ein free download in räsonabler Qualität wenig Einfluss auf den Absatz hochwertiger Datenformate hat. Für unsere Vinylreleases verzichten wir aus mehreren Gründen allerdings auf diese Option.

Als Hörer beobachte ich, dass nicht mehr wie noch zu Beginn von Error Broadcast, jedes Release als freier 192kbps Download zur Verfügung steht und Ihr teilweise neben Creative Commons auch wieder ‘All rights reserved’ anwendet. Kann man daraus schließen, dass Ihr Euch wieder mehr in Richtung ‘traditionelles Label’ bewegt?

Unser letztes, komplett freies Release war Montgomery Clunk’s ‚Superbus’ EP von November 2010. Ab 2011 haben wir uns vor allem auf physikalische Veröffentlichungen konzentriert, die wir nicht mehr zum freien Download angeboten haben. Das hat natürlich zum einen wirtschaftliche Gründe – die Investition von ca. 2000 Euro pro gepresster 12-inch will ja irgendwie wieder kompensiert werden. Zum anderen ist man in der Musikbranche noch immer dem Vorwurf ausgesetzt, das etwas, das umsonst ist, entweder nicht gut oder der Künstler noch unbekannt ist. Diese Haltung befindet sich auf dem Rückzug seit die Mixtape-Kultur im Hip Hop und R&B Erfolgsgeschichten wie Odd Future, The Weeknd, ASAP Rocky oder Danny Brown hervorgebracht hat. Trotzdem wollten wir erstmal einen Punkt machen – vollkommerzielles Plattenlabel mit Vertrieb und Promotion uns allem was dazugehört. Like a boss.

Interessanter Punkt: Im Juli diesen Jahres haben wir mal wieder ein komplett digitales Release herausgehauen, die ‚Cocody’ EP von H-SIK, die sehr gut gelaufen ist, obwohl wir eine ‚Redux’ Version zum freien Download anbieten. Es läge Nahe, zu vermuten, dass die Option auf den Gratisdownload das Medieninteresse angefeuert hätte. Aber nein, niemand hat auch nur erwähnt das es dort in freies .zip-File gibt!

Für die Zukunft wird unser Schwerpunkt definitiv weiter auf Vinyl liegen, und insofern sehe ich Error Broadcast auch als traditionelles Plattenlabel, aber wenn wir neue Künstler mit digitalen Releases etablieren wollen oder die Musik einfach zu odd ist, werden wir weiterhin auch auf freie Downloads setzen. Ich gebe zu, dass das weniger von politischer Überzeugung als von marktwirtschaftlicher Taktik motiviert ist.

Gibt es Error Broadcast-Künstler, die GEMA-Mitglieder sind?

Nein.

Wie hat sich das Profil des Labels entwickelt? Trifft die Genrebezeichung ‘Instrumental Hip Hop’ noch uneingeschränkt zu?

Na ja, im Herzen schon. Als Hörer, der nicht so tief in der Szene drinsteckt, könnte die Definition allerdings problematisch sein. Als wir uns gegründet haben, 2008/ 2009, war das ‚Instrumetal Hip Hop’ Ding richtig groß. Da liegen unsere Wurzeln. Spätestens seit 2011 allerdings haben wir begonnen, weitere Spielarten der so genannten Bass Music zu übernehmen. Die ‚Simon and G-Funk’ 12“ von Monolithium aus Kanada ist eine Art Wendepunkt für uns gewesen, mit ihrem hochsynthetischen Synthsounds und der Mischung aus Hip Hop und Footwork. Die Remixe von Om unit und Salva für Pixelord und DZA, respectively, zeigten diese Richtung schon früher an. Unsere Liebe für das Club-inkompatible, musikalisch Abseitige kann leicht an den Veröffentlichungen mit iL oder Shlohmo abgelesen werden (wobei Letzterer natürlich von Anfang an dabei war). Seit 2012 haben wir eigentlich nur Musik veröffentlicht, deren Inspiration sicher auch Hip Hop ist, der Definition als solches aber nicht mehr standhält. Der nutriot Blog nannte es unlängst „the uncharted territories between garage and footwork“, was ich sehr treffend finde. Flip und ich verfolgen alle Trends und versuchen einen eigenen Stil zu extrahieren – ich denke, EB ist heute genauso wenig Trap-, Dubstep-, Juke- oder Cloud Rap-Label wie wir ein reines Label für Hip Hop sind. Call it electronic music okay? :)

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Sven Swift.

Netzmusik in der Stadtrevue

Seit vergangenen Donnerstag (in der Print-Version) und seit heute (in der Online-Version) gibt es Stoffels und meine neue monatliche Kolumne ‘Netzmusik‘ in der Kölner Stadtrevue, über die wir uns sehr freuen.

Wir stellen darin monatlich das Bemerkenswerteste vor, was es an freier Musik im Netz gibt. Zum Start gibt es zudem einen aktuellen Überblick über die Netaudio-Szene, Kölner Musiker und Labels kommen zu Wort und wir zeigen, warum Creative-Commons-Lizenzen besser sind, als Gema-Mitglied zu sein.

Update, 29.8.: Das Wichtigste habe ich beim schnellen runterbloggen gestern vergessen: Vielen Dank an die Stadtrevue und insbesondere Felix Klopotek und Bernd Wilberg, bei denen die Idee nicht nur auf offene Ohren sondern auch auf direkte und schnelle Unterstützung stieß – toll, dass wir das machen können!

Stadtrevue 09/2012: Netzmusik-Artikel in der Print-Version

Stadtrevue 09/2012: Netzmusik-Artikel in der Print-Version. Quelle: Stadtrevue Köln.

Zur Stadtrevue: Die Stadtrevue ist wie die TAZ als Kollektiv organisiert und eine der wichtigsten unabhängigen Publikationen in der ansonsten monopolistisch geprägten Kölner Medienlandschaft.

Stadtrevue 09/2012

Stadtrevue 09/2012 Quelle: Stadtrevue Köln.

Aus dem Leitbild:

StadtRevue – Das Kölnmagazin gehört zu den qualitativ führenden und auflagenstärksten Stadtmagazinen in Deutschland. Wir bieten seit 35 Jahren journalistische Kompetenz für Köln und die Region. Auf mehr als 160 Seiten gibt es jeden Monat das Neueste aus der Kölner Politik und Kultur. Die Berichte, Kommentare und Reportagen werden ergänzt mit Rezensionen und Tipps sowie redaktionellen Beilagen zu den Themen Weiterbildung und Ökologie. In NRW besitzen wir den umfangreichsten Veranstaltungskalender, Monat für Monat können unsere Leserinnen und Leser aus mehr als 4000 Terminen und redaktionell ausgewählten Tagestipps wählen. 2006 wurde die StadtRevue mit dem Kölner Medienpreis in der Kategorie Print ausgezeichnet.

(Quelle: Stadtrevue.de)

Stoffel und ich freuen uns jederzeit über Feedback oder Vorschläge.