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Wir müssen übers Remixen reden
(Interview mit Leonhard Dobusch, Stadtrevue Netzmusik, April 2016)

Der Netzaktivist Leonhard Dobusch will das Urheberrecht der Remixkultur anpassen

(Erstveröffentlichung im Stadtrevue KölnMagazin, Ausgabe April 2016 – bitte kauft oder abonniert die Print-Ausgabe, wenn Ihr eines der ältesten, unabhängigen Stadtmagazine Deutschlands unterstützen wollt).

So ziemlich genau vor einem Jahr (Netzmusik #28, StadtRevue Februar 2015) versprachen wir, uns des Remix-Themas anzunehmen. Heute machen wir das, und zwar im Interview mit Leonhard Dobusch, der gemeinsam mit Markus Beckedahl und anderen im Jahr 2013 die Initiative RechtAufRemix.org gegründet hat.

Eure Initiative wurde mit einigem Aufwand in Form zeitgemäßer digitaler Kommunikation ins Leben gerufen und hat seitdem einiges an Aufmerksamkeit erfahren. Wie kam es zur Gründung, wer war der Treiber, was hat den Ausschlag gegeben?

Die Idee entstand im Rahmen des Digitale Gesellschaft e.V. aus Anlass der damals anstehenden Evaluierung der EU-Urheberrechtsrichtlinie. Für den Digitale Gesellschaft e.V. war und ist Urheberrecht immer eines der zentralen Themenfelder, weil offener Zugang zu Wissen und Kultur im Netz stark von urheberrechtlichen Regelungen abhängt. Bei der Verabschiedung der noch aktuellen Urheberrechtsrichtlinie im Jahr 2001 gab es weder Facebook noch YouTube. Dementsprechend einseitig und unzeitgemäß sieht das europäische Urheberrecht auch aus. Die Initiative »Recht auf Remix« war deshalb von Anfang an längerfristig ausgelegt und soll den derzeit laufenden Reformprozess des Urheberrechts in Deutschland und Europa konstruktiv begleiten.

Wie beurteilst du das bisher Erreichte und den Status Quo eures wichtigsten Ziels, eines europaweit gültigen Rechts auf Remix?

Wir haben bewusst Forderungen für die europäische als auch die deutsche Ebene formuliert. Natürlich wäre uns eine flexible Ausnahme für Remixkultur im EU-Urheberrrecht am liebsten, zum Beispiel nach Vorbild der Fair-Use-Klausel im US-Copyright, allerdings gekoppelt mit einer pauschalen Vergütung für die Künstler. Aber auch in Deutschland gibt es Spielräume, um das Urheberrecht besser mit Remixkultur kompatibel zu machen. Beispielsweise ließe sich das viel zu restriktive Zitatrecht flexibilisieren, sodass auch Bild-, Musik- und Filmzitate – etwa in Memes – leichter möglich wären. Österreich ist im Rahmen seiner letzten Urheberrechtsnovelle bereits einen Schritt in diese Richtung gegangen.

Welche Rolle könnten Creative-Commons-Lizenzen spielen?

Wir haben zu Creative Commons einen eigenen Punkt in unseren FAQs, wenn ich daraus zitieren darf: »Prinzipiell ist Creative Commons eine gute Option, um anderen den Remix der eigenen Werke zu erleichtern. Ein gesetzliches Recht auf Remix kann Creative Commons aber jedoch aus einer Reihe von Gründen nicht ersetzen: Erstens: Der Pool an Werken, die zum Remix zur Verfügung stehen, wäre auf Creative-Commons-lizenzierte Werke beschränkt. Zweitens: Viele Kunstschaffende, die Mitglied von Verwertungsgesellschaften wie z.B. der GEMA sind, dürfen keine einzelnen Werke unter Creative Commons veröffentlichen. Drittens: Zentrales Merkmal der Remixkultur ist die umgestaltende und kreative Nutzung von Artefakten der Mainstream-Kultur, die in der Regel gerade nicht unter Creative Commons veröffentlicht werden.«

Wir brauchen also so etwas ein Fair-Use-Prinzip nach US-amerikanischem Vorbild. Wäre das im europäischen oder im deutschen Rechtsraum überhaupt abzubilden?

Auf Perspektive werden wir um ein Pendant zu Fair Use in Europa nicht herumkommen. Unser bestehendes System aus spezifischen, so genannten Schranken- und Ausnahmebestimmungen ist einfach zu starr und zu wenig innovationsoffen.

Mit Schranken ist der Ausgleich von Interessen des Urhebers und des Nutzers gemeint?

Genau. Mit »Recht auf Remix« treten wir für eine Lösung ein, das vorhandene System um eine Art offene Schranke nach Fair-Use-Vorbild zu erweitern. Damit das aber funktionieren kann und nicht zu einer noch weiteren Zersplitterung des EU-Urheberrechts führt, müssen dafür zunächst die Ausnahmeregelungen harmonisiert und verbindlich gemacht werden. Wir freuen uns deshalb darüber, dass der zuständige EU-Kommissar Oettinger die Idee einer einheitlichen, unmittelbar gültigen EU-Urheberrechtsverordnung aufgeworfen hat. Auch wenn das kurzfristig unrealistisch
ist, mittel- bis langfristig muss eine Verordnung das Ziel sein.

Kannst Du uns ein aktuelles Beispiel einer Abmahnung wegen nicht legaler Nutzung von Samples nennen?

Die größten Probleme haben mit Sicherheit Remix- und Mashup-Künstler wie zum Beispiel Mashup Germany, dessen Soundcloud-Account mit über 100.000 Followern kürzlich gelöscht wurde. Ihm fällt es sogar schwer, seine Kunst überhaupt öffentlich zugänglich zu machen, von kommerzieller Verwertung gar nicht erst zu sprechen. Aber Abmahnungen sind eigentlich das kleinere Problem. Das größere ist, dass viele kreative Werke nie entstehen oder gar nicht veröffentlicht werden, weil den Kreativen das rechtliche Risiko, die Kosten und der Aufwand der Rechteklärung viel zu hoch sind. Genau deshalb wünschen wir uns eine Lösung, die letztlich auf Regelungen wie jene bei Cover-Versionen hinausläuft. Cover-Versionen können auch ohne aufwändige Rechteklärung prob- lemlos veröffentlicht und sogar verwertet werden.

Interview: Marco Trovatello Foto: Dominik Landwehr

Leonhard Dobusch forscht als Universitätsprofessor für Organisation an der Universität Innsbruck unter anderem zum Management digitaler Gemeinschaften und transnationaler Urheberrechtsregulierung. Er twittert als @leonidobusch und bloggt privat sowie gemeinsam mit anderen auf dem englischsprachigen Forschungsblog governance across borders sowie auf netzpolitik.org.

CC im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Ein kurzer Überblick

Creative Commons logoIn Zusammenhang mit dem in dieser Woche erfolgten Neustart der Space Night habe ich sowohl für meinen diesbezüglichen Blogartikel als auch für die Stadtrevue-Netzmusik nochmal zusammenrecherchiert, welche Sender bzw. Redaktionen im deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit Creative Commons-Lizenzen arbeiten.

Dradio Breitband
Nutzt überwiegend freie, unter Creative Commons lizenzierte Musik. Die Sendung selbst wird im Footer mit “© Deutschlandradio” gekennzeichnet.

RBB Radio Fritz Trackback
Nutzt ebenfalls überwiegend freie, unter Creative Commons lizenzierte Musik. Die Sendung bzw. der Podcast steht unter Creative Commons CC-BY-NC-ND-Lizenz (siehe Beispiel – danke Marcus Richter)

ZDFinfo Elektrischer Reporter
Komplette Sendung steht unter Creative Commons (CC-BY-NC-SA)-Lizenz, siehe Impressum.

BR Quer
Bestimmte Beiträge werden seit April 2011 unter Creative Commons (CC-BY-NC 3.0 DE) lizensiert.

NDR Zapp und Extra 3
Bestimmte Beiträge werden unter Creative Commons CC-BY-NC-ND lizenziert. Hier hat Meike Richter aufgeschrieben, warum der NDR das macht. (Danke Henning)

BR Space Night
Nutzt seit Februar 2013 überwiegend Creative Commons-lizenzierte und weitere gemafreie Musik – mehr hier.

#ZDFcheck- Der Faktencheck von heute.de in Zusammenarbeit mit Wikimedia
Nutzt für alle neu erstellten Texte der Microsite der Sendung die Creative Commons CC-BY-Lizenz:

Alle für die Microsite des ZDF neu erstellten Inhalte werden von den Rechteinhabern unter der Lizenz Creative Commons Attribution (CC-by) 3.0 Unported lizenziert, die eine Nachnutzung für jedermann erlaubt. Das gilt für alle neu erstellten Texte, Grafiken und Videos. Ausgenommen sind Inhalte aus dem Archiv des ZDF und von anderen Medien, die zur Verdeutlichung eines Themas beigestellt werden. (…) Quelle: zdfcheck.zdf.de/faq/

(Danke Fiete Stegers)

Update, 27. Oktober 2013

DRadio Wissen
Die Rubrik Wissensnachrichten steht komplett unter Creative Commons CC-BY-NC-ND:

DRadio Wissen stellt die Wissensnachrichten unter die Creative-Commons-Lizenz. Es ist gestattet, diese Nachrichten zu nichtkommerziellen Zwecken ohne Änderungen und unter Nennung des Urhebers weiterzuverbreiten. Dazu gehört auch die Einbindung in eigene Web-Seiten. (Quelle: DRadioWissen.de)

Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Dann teilt es mir bitte über die Kommentarfunktion mit – danke!

Alles zum Urheberrecht – in fünf Minuten

Die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung hat ein sowohl künstlerisch-ästhetisch wie auch inhaltlich sehr gelungenes Video zum Urheberrecht veröffentlicht: Alles übers Urheberrecht und die aktuelle Debatte in 5 Minuten gewissermaßen – lizensiert und frei teilbar via Creative Commons CC-BY-SA.

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(Den Originalbeitrag habe ich im Purer Luxus-Blog gepostet.)

TPB AFK: Dringend anschauen.

Film Poster. Source: <a href=

Film Poster. Source: http://www.tpbafk.tv/press-kit/

Der Film ‘The Pirate Bay – Away from Keyboard’ (TPB AFK) des schwedischen Regisseurs Simon Klose wurde bereits am vergangenen Wochenende (7.2.2013) auf der Berlinale vorgestellt und kann, Stand heute, bereits knapp 1,4 Millionen Views auf Youtube vorweisen. Dort ist er – ganz dem Thema entsprechend – frei und legal verfügbar, ebenso auf The Pirate Bay selbst. Wer den Film weitergehend unterstützen möchte, kann ihn auch bezahlen. Eine Remix-Version des Films ist unter einer Creative Commons BY-NC-SA-Lizenz erhältlich.

An dieser Stelle eine Empfehlung an diejenigen, die den Film noch nicht gesehen haben: Es lohnt sich. Wie in guten Dokumentarfilmen üblich, läßt Klose die Protagonisten für sich sprechen, und wahrt – trotz der Tatsache, dass er sie über lange Zeit begleitete (und im Interview mit der Süddeutschen sogar als Freunde bezeichnet) – die nötige Distanz. Ein anderhalbstündiger Werbeclip für The Pirate Bay also? Fehlanzeige. Vielmehr eine aufmerksame Studie der drei wesentlichen Köpfe hinter The Pirate Bay, Gottfrid Svartholm Warg, Fredrik Neij und Peter Sunde, aber auch der Ankläger und Strafverfolger. Diese bestechen nicht gerade durch Objektivität – dem Richter wird gar Befangenheit nachgewiesen. Doch auch Sunde, Warg und Neij offenbaren im Laufe des Films ihre Schattenseiten. Sieht man sie zunächst ganz klar als Betroffene und Verfolgte einer gnadenlosen, aus der Zeit gefallenen Copyright-Industrie, zeigen sie sich im Laufe des Films zunehmend überheblich und selbstgefällig und räumen später gar die Zusammenarbeit mit dubiosen Geldgebern ein.

Fazit: Sympathie, Antipathie, Hacktivismus, Technikhuldigung, Größenwahn, Konservatismus, Urheberrechtswahnsinn … all das und noch viel mehr zeigt der Film, ganz nah beieinander. Prädikat: wertvoll.

P.S.:Lesenswert auch der Artikel zum Film im Zeit Online Netzfilmblog.

Creative Commons Non-Commercial: Alles bleibt wie es ist.

Creative Commons NonCommercial icon. Quelle: Creative Commons.

Creative Commons NonCommercial icon. Quelle: Creative Commons.

Dass mich die Diskussion um das Creative Commons NonCommercial-Modul CC-BY-NC) ein wenig irritiert, hatte ich hier ja bereits aufgeschrieben. Creative Commons und Netzpolitik.org melden nun, dass alles bleibt wie es ist: CC-BY-NC wird weder abgeschafft noch in ‘Commercial Rights reserved’ umbenannt bzw. erweitert.

Gut so, finde ich, und zwar aus einem sehr einfachen Grund: Letztlich liegt es doch an den Nutzern, sich mit den Inhalten und Bestimmungen der Lizenz auseinanderzusetzen. Nur weil Nutzer häufig vorschnell zur CC-BY-NC greifen bzw. diese misinterpretieren, muss das meines Erachtens keine Anpassung oder Umbenennung zur Folge haben. Als ich CC im Rahmen meines Jobs einführte, gab es eigentlich nur eine wesentliche Auflage seitens des mich beratenden Juristen: Verstärktes Lizenzmanagement. In der Praxis bedeutet das. Überlege vor jeder Veröffentlichung eines Inhalts, was Du wem wie unter welchen Umständen erlauben bzw. ermöglichen möchtest, und was nicht – und wähle die entsprechende Lizenz mit Bedacht.

Seliger legt nach: ‘”Die Künstler wären besser beraten, für ihre eigenen Interessen zu kämpfen”

Heute erst via Tim Renner entdeckt: Ein neuerlicher – und wie ich finde ziemlich guter weil gewohnt konstruktiver – Beitrag in Telepolis von Bertold Seliger zur Urheberrechtsdebatte. Auch wenn man Seligers Fünf-Punkte-Programm durchaus in einigen Punkten kritisieren kann, steht der Mann deutlich und in gänzlich richtiger Art und Weise auf der Seite der Non-Mainstream-Urheber bzw- Musiker. Das man ihm dabei Lobbyismus in eigner Sache als Konzertveranstalter unterstellt (siehe die bisher 145 Kommentare) ist nichts Neues und davon abgesehen auch nicht richtig, da Seliger bereits seit längerm konstruktiv wie ‘instruktiv’ (vgl. SpOn) zur Diskussion beiträgt.

Auch der, ich nenne es mal: Schlagabtausch zwischen Seliger und Mark Chung (den ich vor ein paar Monaten mal hier verbloggt habe) hatte ja bereits Bewegung in die Debatte gebracht. Besonders interessant und ebenso richtig finde ich auch seine Einordnung der “Darlings des linksliberalen Feuilletons” (Reinhard Jellen, Telepolis) und prominenten Unterzeichner des ‘Wir sind die Urheber“-Aufrufs Charlotte Roche und Roger Willemsen, die “durchaus gut von diesem System leben” (Seliger), entsprechend wohl wenig Interesse an einer Anpassung haben – und denen Seliger indirekt die Frage nach politischer Intelligenz stellt. Eigentlich mag ich beide und zum Teil auch ihre kulturellen Beiträge – umso unverständlicher ist mir ihre Teilnahme an diesem “ziemlich armselig argumentierenden Aufruf” (Seliger).

Weiterhin beinhaltet das Interview noch einen schönen Abriss bzgl, der absurden GEMA-Monopolstellung, beleuchtet einige Kuriositäten in Bezug auf ihre Vergangenheit und vieles mehr. Sehr lesenswert.

-> http://www.heise.de/tp/artikel/37/37020/1.html

Kommentar zur ‘CC-BY-NC’-Broschüre von Creative Commons Deutschland, irights.info und Wikimedia DE

Hallo CC DE, irights.info & Wikimedia DE,

die Lektüre Eurer Broschüre zu ungewollten Nebenwirkungen des Creative Commons NC-Moduls, über die ich mich auf der re:publica sehr gefreut habe, läßt mich offen gesagt etwas enttäuscht zurück. Natürlich verstehe ich Euren Ansatz, der Einschränkung der Verbreitung freien Wissens und freier Bildung durch falsch verstandene Nutzung des NC-Moduls vorbeugen zu wollen. Doch genau hier – der Fokussierung des Broschüreninhalts auf den Bildungssektor – liegt das Problem. Um dieses zu beschreiben muss ich ein klein wenig ausholen:

Ich beschäftige mich mit CC-Lizenzen in einer Doppelrolle. Einerseits als verantwortlicher Redakteur für Webportal und Social Media Kanäle des DLR. Hier haben wir die CC-BY vor einigen Monaten offiziell eingeführt. Dazu bedurfte es neben dem ursprünglichen Anruf von ersten Gespräch mit Mathias Schindler wenig Überzeugungsarbeit – ich hatte schnell verstanden, wieso für Wikipedia und viele andere mit Wissen und Bildung befasste Organisationen die NC-Variante keine Option ist – dies ist in der Broschüre ja ebenfalls ausführlich und sehr gut beschrieben.

Andererseits bin ich Musiker und Netlabel-Mitbetreiber. Hier fehlt es der Broschüre m.E. an Substanz. Neben zwei kurzen Kapiteln über Mashups und GEMA gibt es hier leider keinen weiteren Erkenntnisgewinn. Ich hatte mir erhofft, mithilfe der Broschüre mehr über Praxis und Möglichkeiten von (unabhängigen) Musikern, Label- und Verlagsbetreibern sowie anderen ‘Kreativen’ zu erfahren, doch diese Hoffnung wird leider nicht erfüllt.

Als Musiker und Netlabel-Betreiber wähle ich das NC-Modul ja nicht, weil ich permanent befürchte, dass irgendwelche bösen Big Businesses oder Majors meine Musik ‘klauen’, in die nächste Kampagne verfrachten und damit viel Geld verdienen wollen (obwohl ich via NC-Nutzung auch diesem unwahrscheinlichen Fall vorbeuge). Sie besitzt, neben dem rechtlichen Schutz vor unerlaubter kommerzieller Verwertung, vielmehr auch eine Signalwirkung, die, salopp ausgedrückt. lautet:

“Frag’ mich, bevor Du diesen Inhalt kommerziell nutzt (und ich kann ihn Dir, wenn Du eine Bildungs- oder Kultureinrichtung repräsentierst. ein Blogger, Filmemacher etc. bist und kommerziell arbeitest, immer noch unentgeltlich freigeben.)”

All das (oben beschriebene) kommt in der Broschüre leider (sehr) viel zu kurz – und die wertvollen rechtlichen Hinweise, die Paul Klimpel für Bildungseinrichtungen gibt, würde ich mir für den CC-Kreativsektor ebenfalls wünschen.

Fazit: Eure Broschüre ist für Bildungs- und Kultureinrichtungen bzw. deren Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Nutzung des NC-Moduls sicher wertvoll. Für den Kreativsektor würde ich mir nochmal dasselbe wünschen und biete Euch gerne meine Hilfe an.

P.S.: Download der Broschüre hier.

Review: ZOE.LEELA – Digital Guilt

Der Indie-Gegenentwurf zu Kylie Minogue – ich weiß auch nicht, wieso das einer der ersten Gedanken war, die mir kamen, als ich das neue Album “Digital Guilt” von Zoe.Leela hörte. Wahrscheinlich, weil sich hier eine gewisse Sexyness (siehe Foto) und Laszivität mit Produktionsskills paart. Und ja, ich mag Kylie Minogue (und lege das manchmal sogar auf, für andere Leute und mich, zum Tanzen). Meine Kylie-Lieblingssongs sind übrigens “Slow” und “Can’t get you out of my head”. Zurück zu Zoe.Leela. Stilistisch ist das wesentlich breiter und nicht im Mainstream verortet, doch fangen wir vorne an.

ZOE.LEELA. Credit: tompigs.com

ZOE.LEELA. Credit: tompigs.com/zoeleela.com

Ich hatte ZOE.LEELA bzw. ihr Netaudio-Release Queendome Come (erschienen auf dem Kölner Netlabel rec72 von Marco Medkour) bereits im Rahmen der Cologne Commons 2010 wahrgenommen, ihre Musik dann aber nicht weiter verfolgt. Bis ich vor kurzem wieder im Zuge dieser Urheberrechtsdebatte auf Spreeblick auf sie aufmerksam wurde. Dort war sie eine der wenigen Musikerinnen, die sich in die Debatte einbrachte – was mich dazu veranlasste, diesen Blogpost zu verfassen. Dort fand auch Zoe.Leela Erwähnung, wir kamen via Twitter in Kontakt und sie fragte mich, ob ich Lust hätte, etwas über ihr neues Album zu bloggen – und da sind wir gerade.

Zoe.leela: Digital Guilt (album cover)Bevor ich gleich wieder zu ihrer Musik komme, noch ein paar Worte zum Hintergrund ihrer aktuellen Veröffentlichung: Digital Guilt setzt sich, wie der Name erahnen läßt, nicht nur thematisch mit dem Digitalen Zeitalter auseinander, das Album ist gleichsam Blueprint für ein zeitgemäßes Digitalrelease: Veröffentlicht in Kooperation mit dem “großen” Indie-Label Motor Music kann es sowohl über den klassischen Vertriebsweg (CD über Rough Trade, z.B. bei Amazon) als auch via Bandcamp (Buy/Donate) und via iTunes erworben werden. Zu dieser besonderen Form des Vertriebs gesellt sich dann noch ein fester Tritt in den Hintern der GEMA, denn anstatt dort Mitglied zu sein, bevorzugt ZOE.LEELA die Nutzung der Creative Commons CC-BY-NC-SA-Lizenz, heißt: Man kann sich das Album als CD kaufen oder ab 5,49 Euro z.B. bei Bandcamp herunterladen und es dann – nicht-kommerzielle Nutzung vorausgesetzt – mit beliebig vielen Freunden teilen, es in Mixen verwenden oder sogar Remixen, einfach so.

Begleitet wird das Ganze von einer geschickten Marketing- und Promotionkampagne, die, so scheint es mir, zum einen von Motor Music (klassische Labelpromotion) und zum anderen von Tompigs.com (für die zweinulligen Kanäle) verantwortet wird. Vier Thesen zur GEMA, emotionale Interviews und sogar ein ganzes GEMA-Dossier bringen die alteingesessene Musikverwertungsgesellschaft dabei ziemlich in Bedrängnis. Man kann Zoe.Leela, ihrem Label und ihrem Management hier natürlich den gezielten Einsatz der positiv besetzten Creative Commons-Bewegung zu eigenen Zwecken unterstellen. Fragen kann man aber auch: Warum eigentlich nicht? Wenn ich das richtig sehe, hat das so wie oben beschrieben noch niemand probiert – was ich von allen Beteiligten (Tim Renner/Motor Music, Zoe.Leela, Produzent Noah Felk, ihrem Management) ziemlich ok finde.

Für die Hörer, und das dürfte wahrscheinlich einer der wichtigsten Aspekte sein, stimmt alles: Sie bekommen zeitgemäße Musik auf zeitgemäßen Vertriebsweg zu einem fairen Preis (mit Ausnahme der CD, die mit 15,99 irgendwie nicht so in das Preismodell passt) und können die Tracks auch noch mit gutem Gewissen – heißt legal – an Freunde weitergeben. Wenn sich das nun noch für Musikerin, Produzent und Label lohnt und alle ihren Lebensunterhalt davon bezahlen können, würde eigentlich ein Traum in Erfüllung gehen. Auf das Erreichen dieses Ziels bin ich allerdings sehr gespannt.

Kommen wir wieder zur Musik: Das Album ist ausnehmend fett produziert (und braucht insofern also auch diesbezüglich den Vergleich zu Kylie nicht zu scheuen) – es dominieren  Sägezahn-Synthies, treibende Beats und Produzent Noah Felk gibt sich Mühe, eine größtmögliche Stilbreite hinzubekommen, doch genau das ist das kleine Problem an dem ansonsten gelungenen Album. Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn es ein wenig stilltreuer bei seinem eigenen, bisweilen ins frickelig-elektronische bis trashige abdriftenden Elektropop-Entwurf bliebe, mit dem es so vielversprechend losgeht. Stattdessen wird, wie schon gesagt, eine stilistische Bandbreite aufgefahren, die das Album am Ende etwas zerfasert wirken läßt – und in den etwas generischen Elektrorock eines Songs wie ‘She rides’ enden läßt.

Was bleibt ist ein Album, dass nicht nur aufgrund seines zeitgemäßen Urheberrechts- und Vertriebskonzeptes, sondern auch aufgrund seines musikalisch-künstlerischen Inhalts etwas zu sagen hat. Solider, intelligenter, genrehüpfender Indie-Elektrosägezahnpop (mit gelegentlichem Mainstream-Appeal) fürs digitale Zeitalter eben. Und ein superfettes Mastering von Cem Oral (Air Liquide/Jammin’ unit) gibt’s obendrauf. Heißt: Es klingt einfach sehr geil.

Offenlegung: Zoe.leela bzw. ihr Management tompigs.com haben mir einen kostenfreien Download zur Verfügung gestellt. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Urheberrechtsdebatte auf Spreeblick.com und die Musiker: Eine Betrachtung

Leider habe auch ich erst vor ein paar Tagen über Stoffels Blogpost davon erfahren und dann fast knapp drei Stunden gebannt gelesen: Ausgehend von einem Artikel des Konzertveranstalters Berthold Seliger mit dem Titel “Die Leistungsschutzgelderpresser - Wie die Kulturindustrie am altbackenen Urheberrecht festhält, um es zu ihren Gunsten auszuschlachten” in der Zeitschrift Konkret entsponn sich durch die Veröffentlichung eines offenen (Antwort-)Briefs von Mark Chung (hier in seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender des Verbands unabhängiger Tonträgerunternehmen (VUT), aber auch Geschäftsführer des Musikverlags Freibank, Ex-Sony Music Intl. Vice President, weiteres siehe WP) auf Spreeblick eine bis heute 193194 Kommentare lange Diskussion zum Thema Urheberrecht.

Okay, ein Artikel, ein (über-)langer offener Antwortbrief, 193 zum Teil ebenfalls umfangreiche Kommentare – was gibt es da noch zu sagen?

Zunächst etwas allgemeines zur Rezeption der Debatte für diejenigen, die es noch nicht gelesen haben: Wie oben schon gesagt muss man sich wohl mindestens zwei Stunden Zeit nehmen, um diese schwierige und komplexe Diskussion, in der viele Denkanstöße gegeben werden, auch nur annähernd zu durchdringen – und selbst dann hat man manchen Kommentar nur quergelesen. Chronologisch vorgehend habe habe ich zuerst natürlich den Artikel von Seliger gelesen, der mich sofort gepackt hat und mich innerlich “ja, richtig, und feste drauf” jubilieren ließ. Zähneknirschend musste ich dann feststellen, dass auch Mark Chungs Positionen, auch wenn sein fußnotenreicher Text irrsinnig ausufernd, mitunter beleidigend in Richtung Seliger und teilweise schlicht absurd (u.a. Verweise auf massenweise kaum nachvollziehbare bzw. zugängliche Studien zum Thema “Negative Auswirkungen von unvergüteten Musiknutzungen”) ist, durchaus Ihre Berechtigung haben.

Zu den Kommentaren: Die haben es in sich, und zwar nicht nur in Bezug auf die schiere Masse. Chung scheut sich ja nicht, neben großen Technlogiekonzernen wie Google zunächst auch  netzpolitik.org bzw. newthinking communications und Digitale Gesellschaft e.V. oder irights.info zu  bashen, woraufhin sich Markus Beckedahl gleich mit einigen Offenlegungen – nämlich der Info, dass seine Firma und auch Digitale Gesellschaft e.V. von keinem Unternehmen (und schon gar nicht von Google) unterstützt wird – in den Kommentaren meldet. Hat mich wirklich gefreut, das zu lesen.

Mir geht es aber in der Hauptsache darum, hier noch einmal die Beiträge der wenigen sich an dieser Diskussion beteiligenden Musiker bzw. Kulturschaffenden herauszuheben, die aus meiner Sicht ein wenig mehr Beachtung verdienen:

Spannend wurde es hier in der – übrigens überwiegend sachlichen – Diskussion, als sich Kurt Dahlke aka Pyrolator, Musiker, Produzent und Labelbetreiber des von mir sehr geschätzten Atatak-Labels (Der Plan, D.A.F., Andreas Dorau, Oval, Bad Examples, Charles Wilp …) zu Wort meldet, und – danke Kurt – zunächst den “zu aggressiven Tonfall” Chungs kritisiert, sich ansonsten aber ganz klar auf dessen Seite stellt. Schockierend für Musikliebhaber und Atatak-Fans wie mich seine Aussage

“Umsatzrückgänge von etwa 80% unseres seit 1979 existierenden Indie-Labels in den letzten 5 Jahren haben nicht nur mit der Qualität der Produkte zu tun –  wo ich mich auch umhöre, überall die gleiche Situation.” (Kommentar 24)

Okay, man könnte jetzt argumentieren, Atatak habe schlicht den Sprung ins digitale Zeitalter verpasst. Aus meiner Sicht ist das zumindest zum Teil auch so. End90er-Webdesign, ein auf dem Potato System basierender (nutzt das sonst eigentlich von den kleinen Labels, für die es gedacht war, noch jemand?) und lediglich eine Auswahl des Backkatalogs umfassender mp3-Shop, ein bisschen iTunes, aber ansonsten nichts, kein Facebook, Twitter, Google+ oder Soundcloud – immerhin ein Myspace-Account und Kurts lesenswertes Blog, leider viel zu versteckt. Sicher, das hätte den massiven Umsatzeinbruch wahrscheinlich auch nicht vermeiden, aber vielleicht ein wenig lindern können.

Die Diskussion dreht sich weiter um das Für und Wider der Kulturflatrate, weitere Standpunkte des VUT, die Machbarkeit legaler Streaming- und Downloadportale und insgesamt fehlende Losungsansätze (Wort!) bis Pyrolator sich erneut in den Kommentaren meldet:

Gerade findet auf Avaaz eine Petition gegen den neuen “PROTECT IP Act” statt. (…) Das wäre zumindest mal ein Hebel der Hardliner: Alle Webseiten unterbinden, die nur dazu dienen Urheberrecht zu unterlaufen. (“The PROTECT IP Act focuses on websites that have “no significant use” other than copyright infringement, or enabling or facilitating copyright infringement.”)

Ich glaube die gutgemeinten Vorschläge, die hier zu lesen sind, sind bei jetziger Situation des Internets kaum mehr als Diskussionsbeiträge, oder wie Arne so schön schrieb “europäische Trägheit”. Ich habe gestern mal wieder einen Ausflug in die Welt der Linkprovider unternommen (mal eine “Toplist” durchgegangen) und musste genau das erkennen: Der Zug ist abgefahren, hier helfen keine neuen Geschäftsmodelle mehr, kein Simfy, Spotify, hier liegt alles auf einem silbernen Tablett und schreit danach “lad mich runter, dann bekomme ich meinen fileserve-account gegenfinanziert” oder so.
Ich werde langsam auch zum Hardliner, abschalten die ganze Bagage, weg mit dem Dreck, der nichts weiter tut, als die Kreativität anderer für den eigenen Profit zu benutzen. Sorry musste jetzt mal sein, auf jeden Fall wird die Petition nicht unterschrieben. (Kommentar 77)

Harte Worte von einem wirklich frustrierten Musiker und Labelbetreiber, die ich, obwohl ich mich an der SOPA-PIPA-Petition beteiligt habe und sie nach wie vor für mehr als wichtig halte, aus seiner Sicht heraus nachvollziehbar finde - schon gerade weil Atatak wirklich viel für die Independent-Kultur – national wie international – getan hat. Liest man aber genau zu dieser Thematik den Blogpost von Stoffel “Das Netz hat ein Image-Problem: ACTA und die Raubkopierer“ wirft das auch hier die Frage auf, ob Atatak nicht zulange auf ein veraltetes Vertriebs-, Promotion- und Vergütungsmodell gesetzt hat. (Update 28.02.) Und beleuchtet außerdem die wichtige Tatsache, dass eine Ablehnung von ACTA, SOPA und PIPA nichts mit einer Befürwortung des Raubkopierens zu tun hat – im Gegenteil: Das ist und bleibt ein Riesenproblem, das auch und gerade kleinen Labels schadet.

Was mich zur zweiten und, wenn ich das richtig sehe, einzigen weitere Musikerin neben Pyrolator (und gerade entdecke ich noch Stephan Mathieu) bringt: Zoe.leela. Am 17. Februar 2012 veröffentlichte sie Ihr neues Album “Digital Guilt” und beschreitet dabei neue Wege, in dem sie ihr Album in Kooperation mit Motor Music sowohl über den klassischen Vertriebsweg (CD über Rough Trade, z.B. bei Amazon) als auch via Bandcamp (Buy/Donate) und iTunes zu den Hörern bringt. Das ganze unter Creative Commons CC-BY-NC-SA-Lizenz, heißt: Ich kann mir das Album beispielsweise für 5,49 Euro bei Bandcamp herunterladen und es dann – nicht-kommerziell – mit beliebig vielen Freunden teilen, es in Mixen verwenden oder sogar remixen. Begleitet wird das Ganze von vier Thesen zur GEMA, die meines Erachtens gleichermaßen provokant wie überwiegend zutreffend sind. Von irights.infoSpreeblick-Betreiber Johnny Haeusler und anderen als geschickte Werbung interpretiert finde ich ihre Diskussionsbeiträge doch wichtig – die Debatte ob hier Creative Commons nun als Gütesiegel seitens der Musiker/Künstler zu Promotionzwecken eingesetzt wird, oder ob nicht eher der Einsatz von Creative Commons durch die Musiker promotet wird kann man in den Kommentaren 147 bis 158 nachlesen.

Aus meiner Sicht gibt es noch viel mehr Berichtenswertes aus diesem bemerkenswerten Blogposting auf Spreeblick – wie beispielsweise eine weitere Subdebatte zur Urheberrechts- und Netzpolitik der Grünen (ab Kommentar 126) – doch für heute will ich es bei den bisher getippten knapp 1200 Worten belassen.

Interessant übrigens, dass sich, soweit ich das beurteilen kann, der Initiator der Debatte an dieser Diskussion nicht weiter beteiligt hat.