Die Urheberrechtsdebatte auf Spreeblick.com und die Musiker: Eine Betrachtung

Leider habe auch ich erst vor ein paar Tagen über Stoffels Blogpost davon erfahren und dann fast knapp drei Stunden gebannt gelesen: Ausgehend von einem Artikel des Konzertveranstalters Berthold Seliger mit dem Titel “Die Leistungsschutzgelderpresser - Wie die Kulturindustrie am altbackenen Urheberrecht festhält, um es zu ihren Gunsten auszuschlachten” in der Zeitschrift Konkret entsponn sich durch die Veröffentlichung eines offenen (Antwort-)Briefs von Mark Chung (hier in seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender des Verbands unabhängiger Tonträgerunternehmen (VUT), aber auch Geschäftsführer des Musikverlags Freibank, Ex-Sony Music Intl. Vice President, weiteres siehe WP) auf Spreeblick eine bis heute 193194 Kommentare lange Diskussion zum Thema Urheberrecht.

Okay, ein Artikel, ein (über-)langer offener Antwortbrief, 193 zum Teil ebenfalls umfangreiche Kommentare – was gibt es da noch zu sagen?

Zunächst etwas allgemeines zur Rezeption der Debatte für diejenigen, die es noch nicht gelesen haben: Wie oben schon gesagt muss man sich wohl mindestens zwei Stunden Zeit nehmen, um diese schwierige und komplexe Diskussion, in der viele Denkanstöße gegeben werden, auch nur annähernd zu durchdringen – und selbst dann hat man manchen Kommentar nur quergelesen. Chronologisch vorgehend habe habe ich zuerst natürlich den Artikel von Seliger gelesen, der mich sofort gepackt hat und mich innerlich “ja, richtig, und feste drauf” jubilieren ließ. Zähneknirschend musste ich dann feststellen, dass auch Mark Chungs Positionen, auch wenn sein fußnotenreicher Text irrsinnig ausufernd, mitunter beleidigend in Richtung Seliger und teilweise schlicht absurd (u.a. Verweise auf massenweise kaum nachvollziehbare bzw. zugängliche Studien zum Thema “Negative Auswirkungen von unvergüteten Musiknutzungen”) ist, durchaus Ihre Berechtigung haben.

Zu den Kommentaren: Die haben es in sich, und zwar nicht nur in Bezug auf die schiere Masse. Chung scheut sich ja nicht, neben großen Technlogiekonzernen wie Google zunächst auch  netzpolitik.org bzw. newthinking communications und Digitale Gesellschaft e.V. oder irights.info zu  bashen, woraufhin sich Markus Beckedahl gleich mit einigen Offenlegungen – nämlich der Info, dass seine Firma und auch Digitale Gesellschaft e.V. von keinem Unternehmen (und schon gar nicht von Google) unterstützt wird – in den Kommentaren meldet. Hat mich wirklich gefreut, das zu lesen.

Mir geht es aber in der Hauptsache darum, hier noch einmal die Beiträge der wenigen sich an dieser Diskussion beteiligenden Musiker bzw. Kulturschaffenden herauszuheben, die aus meiner Sicht ein wenig mehr Beachtung verdienen:

Spannend wurde es hier in der – übrigens überwiegend sachlichen – Diskussion, als sich Kurt Dahlke aka Pyrolator, Musiker, Produzent und Labelbetreiber des von mir sehr geschätzten Atatak-Labels (Der Plan, D.A.F., Andreas Dorau, Oval, Bad Examples, Charles Wilp …) zu Wort meldet, und – danke Kurt – zunächst den “zu aggressiven Tonfall” Chungs kritisiert, sich ansonsten aber ganz klar auf dessen Seite stellt. Schockierend für Musikliebhaber und Atatak-Fans wie mich seine Aussage

“Umsatzrückgänge von etwa 80% unseres seit 1979 existierenden Indie-Labels in den letzten 5 Jahren haben nicht nur mit der Qualität der Produkte zu tun –  wo ich mich auch umhöre, überall die gleiche Situation.” (Kommentar 24)

Okay, man könnte jetzt argumentieren, Atatak habe schlicht den Sprung ins digitale Zeitalter verpasst. Aus meiner Sicht ist das zumindest zum Teil auch so. End90er-Webdesign, ein auf dem Potato System basierender (nutzt das sonst eigentlich von den kleinen Labels, für die es gedacht war, noch jemand?) und lediglich eine Auswahl des Backkatalogs umfassender mp3-Shop, ein bisschen iTunes, aber ansonsten nichts, kein Facebook, Twitter, Google+ oder Soundcloud – immerhin ein Myspace-Account und Kurts lesenswertes Blog, leider viel zu versteckt. Sicher, das hätte den massiven Umsatzeinbruch wahrscheinlich auch nicht vermeiden, aber vielleicht ein wenig lindern können.

Die Diskussion dreht sich weiter um das Für und Wider der Kulturflatrate, weitere Standpunkte des VUT, die Machbarkeit legaler Streaming- und Downloadportale und insgesamt fehlende Losungsansätze (Wort!) bis Pyrolator sich erneut in den Kommentaren meldet:

Gerade findet auf Avaaz eine Petition gegen den neuen “PROTECT IP Act” statt. (…) Das wäre zumindest mal ein Hebel der Hardliner: Alle Webseiten unterbinden, die nur dazu dienen Urheberrecht zu unterlaufen. (“The PROTECT IP Act focuses on websites that have “no significant use” other than copyright infringement, or enabling or facilitating copyright infringement.”)

Ich glaube die gutgemeinten Vorschläge, die hier zu lesen sind, sind bei jetziger Situation des Internets kaum mehr als Diskussionsbeiträge, oder wie Arne so schön schrieb “europäische Trägheit”. Ich habe gestern mal wieder einen Ausflug in die Welt der Linkprovider unternommen (mal eine “Toplist” durchgegangen) und musste genau das erkennen: Der Zug ist abgefahren, hier helfen keine neuen Geschäftsmodelle mehr, kein Simfy, Spotify, hier liegt alles auf einem silbernen Tablett und schreit danach “lad mich runter, dann bekomme ich meinen fileserve-account gegenfinanziert” oder so.
Ich werde langsam auch zum Hardliner, abschalten die ganze Bagage, weg mit dem Dreck, der nichts weiter tut, als die Kreativität anderer für den eigenen Profit zu benutzen. Sorry musste jetzt mal sein, auf jeden Fall wird die Petition nicht unterschrieben. (Kommentar 77)

Harte Worte von einem wirklich frustrierten Musiker und Labelbetreiber, die ich, obwohl ich mich an der SOPA-PIPA-Petition beteiligt habe und sie nach wie vor für mehr als wichtig halte, aus seiner Sicht heraus nachvollziehbar finde - schon gerade weil Atatak wirklich viel für die Independent-Kultur – national wie international – getan hat. Liest man aber genau zu dieser Thematik den Blogpost von Stoffel “Das Netz hat ein Image-Problem: ACTA und die Raubkopierer“ wirft das auch hier die Frage auf, ob Atatak nicht zulange auf ein veraltetes Vertriebs-, Promotion- und Vergütungsmodell gesetzt hat. (Update 28.02.) Und beleuchtet außerdem die wichtige Tatsache, dass eine Ablehnung von ACTA, SOPA und PIPA nichts mit einer Befürwortung des Raubkopierens zu tun hat – im Gegenteil: Das ist und bleibt ein Riesenproblem, das auch und gerade kleinen Labels schadet.

Was mich zur zweiten und, wenn ich das richtig sehe, einzigen weitere Musikerin neben Pyrolator (und gerade entdecke ich noch Stephan Mathieu) bringt: Zoe.leela. Am 17. Februar 2012 veröffentlichte sie Ihr neues Album “Digital Guilt” und beschreitet dabei neue Wege, in dem sie ihr Album in Kooperation mit Motor Music sowohl über den klassischen Vertriebsweg (CD über Rough Trade, z.B. bei Amazon) als auch via Bandcamp (Buy/Donate) und iTunes zu den Hörern bringt. Das ganze unter Creative Commons CC-BY-NC-SA-Lizenz, heißt: Ich kann mir das Album beispielsweise für 5,49 Euro bei Bandcamp herunterladen und es dann – nicht-kommerziell – mit beliebig vielen Freunden teilen, es in Mixen verwenden oder sogar remixen. Begleitet wird das Ganze von vier Thesen zur GEMA, die meines Erachtens gleichermaßen provokant wie überwiegend zutreffend sind. Von irights.infoSpreeblick-Betreiber Johnny Haeusler und anderen als geschickte Werbung interpretiert finde ich ihre Diskussionsbeiträge doch wichtig – die Debatte ob hier Creative Commons nun als Gütesiegel seitens der Musiker/Künstler zu Promotionzwecken eingesetzt wird, oder ob nicht eher der Einsatz von Creative Commons durch die Musiker promotet wird kann man in den Kommentaren 147 bis 158 nachlesen.

Aus meiner Sicht gibt es noch viel mehr Berichtenswertes aus diesem bemerkenswerten Blogposting auf Spreeblick – wie beispielsweise eine weitere Subdebatte zur Urheberrechts- und Netzpolitik der Grünen (ab Kommentar 126) – doch für heute will ich es bei den bisher getippten knapp 1200 Worten belassen.

Interessant übrigens, dass sich, soweit ich das beurteilen kann, der Initiator der Debatte an dieser Diskussion nicht weiter beteiligt hat.

15 thoughts on “Die Urheberrechtsdebatte auf Spreeblick.com und die Musiker: Eine Betrachtung

  1. Stephan Mathieu

    Danke für die interessante Zusammenfassung, Marco.
    Das Thema beschäftigt mich als Musiker brennend, wenn ich aber wirklich die Finger und Gedanken kreisen lasse, komme ich wohl mit 1200 Worten nicht davon. Ich hoffe, ich kann dort demnächst noch meinen Beitrag leisten.
    Stephan

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  2. johnny

    Man braucht tatsächlich viel Zeit und Ruhe, das alles zu lesen, dennoch halte ich die Debatte auch für eine der interessantesten, die je auf Spreeblick stattgefunden haben und bedanke mich daher sehr für den Hinweis und die detaillierte Auseinandersetzung damit!

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  3. FC Stoffel

    Es ist wirklich an der Zeit, dass sich mehr Musiker (aka Künstler) mit dem Thema auseinandersetzen und sich zu Wort melden. Ich persönlich bin Verfechter von Creative Commons. Wenn ich mich aber mit anderen, jungen, aufstrebenden Bands unterhalte, stelle ich immer wieder fest, dass diese nach wie vor den Traum vom ganz grossen Erfolg träumen, selbst wenn sie bisher noch keine 50 Konzerte gespielt oder eine kleinere Tour selbst organisiert haben. Die glauben ja alle tatsächlich, dass die GEMA auch für sie ganz toll und notwendig ist und mit einem Plattenvertrag alles super werden würde. Da müssen wir bald mal ansetzen und Basisarbeit leisten. So lange es noch so viele Musiker gibt, die sich ihren postpubertären Träumereien vom grossen Erfolg hingeben, wird es immer Leute geben, die das ausnutzen.

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  4. johnny

    Das alles super wird mit einem “Deal”, ist natürlich Utopie. Aber Pop nährt sich aus Träumen und Hoffnungen, und pure Vernunft darf niemals siegen. :)

    Ganz realistisch betrachtet hat sich meine Band damals, obwohl wir keineswegs ein “Chart-Thema” waren, jedoch jahrelang durch das Label und GEMA-Einnahmen finanziert. Viele Live-Gigs bedeuteten eben auch noch mal GEMA- und GVL-Einnahmen und die Vorschüsse und die Unterstützung des Labels in anderen Bereichen haben es uns ermöglicht, uns auf die Musik zu konzentrieren, besser zu werden, auf Tour zu gehen statt einen anderen Job zu machen … bis man das ganz allein schafft, muss man viele Downloads und Shirts verkauft haben.

    Musik wird immer ein Spiel mit dem Glück und dem Zufall bleiben. Aber das wissen alle und es macht einen Teil des Reizes des Lebens als Künstler aus.

    Ich hoffe ja auch sehr, dass die eingefahrenen Strukturen aufbrechen, aber dass es leichter wird, bezweifle ich sehr.

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    1. Marco

      Danke für Deinen Kommentar, Johnny.

      Liegt in Deinen Worten nicht vielleicht die Betonung auf “damals”? Heißt: Sicher wären doch die Freiheiten, die Ihr damals mit Plan B hattet bzw. die Situation im Gesamten nicht mehr ins heute übertragbar.

      Dass es einfacher wird, bezweifle ich auch, beobachte aber das Exempel, das Zoe da gerade zusammen mit Tim Renner statuiert (inklusive aller Provokationen, siehe aktuelles Interview auf http://www.motor.de) sehr genau und bin mehr als gespannt, wie sich das für sie als Künstlerin und für Motor als Label entwickeln wird.

      Ich jedenfalls kann sagen, dass ich mit zwei Bands in puncto GEMA (eine davon noch in den Neunzigern) die für junge Bands bekannten schlechten Erfahrungen gemacht habe und dann bei http://www.derkleinegrünewürfel.de unter CC-Lizenz eine schöne Heimat gefunden habe, nachdem wir unsere Mitgliedschaft bei der GEMA wieder gekündigt haben.

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      1. johnny

        Ja, da ist viel “damals” drin, das stimmt. Und ganz sicher gibt es für beide Herangehensweisen unterschiedlichste Beispiele, mich nervt ja am meisten derzeit, dass eben selten beides geht. Wieso kann ich nicht z.B. Songs, die ich für Spreeblick erstelle, einfach verschenken und “public domain” machen, während ich bei anderen entscheide, dass ich sie etwas mehr schützen möchte? Die Freiheit der Wahl muss für die Urheber gegeben sein.

        Das mit Tim ist ein langes Thema, das man nicht ohne ihn diskutieren sollte, finde ich. Wenn es am Ende hilft, Bewegung in die GEMA zu bekommen, soll mir das alles recht sein.

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  5. Pyrolator

    Hallo Marco,
    danke, dass ich so ausführlich in Deinem Bericht zitiert werde. Dazu aber ein paar Kleinigkeiten: Wenn Du von unserer Webseite als einem möglichen Umsatzträger sprichst und zurecht das etwas altmodische Design bemängelst, so sollte man wissen, dass das nicht unsere Verkaufsplattform darstellt – unser Mailorder spielt vielleicht gerade einmal seine Kosten wieder ein. Das Potato-System bei uns hat noch nie irgentwelche nennenswerten Umsätze generiert, das unterstütze ich nur aus Prinzip, denn das Modell finde ich gut.
    Ich meinte in diesem Zusammenhang die Verkäufe, die über unseren Vertrieb passieren und DIE sind die letzten Jahre einfach kontinuierlich gesunken und nähern sich der 0. Man könnte einwenden, dass dies auch damit zusammenhängt, dass wir kaum mehr neue Produktionen machen (aus eben diesen Gründen) – aber befreundeten zeitgemässen Labels geht es da nicht anders: Labelmacher gehen in ihre alten Berufe zurück, oder schliessen gleich ganz – eigentlich ist Musik machen das Privileg der Jungen und Studenten, die davon nicht leben müssen.
    Was mir in diesem Zusammenhang noch auffällt, ist eine Diskussion in einem der grössten Boards, was Downloadlinks angeht, denn durch die Schliessung vieler Fileserver in den letzten Wochen befindet sich da einiges im Umbruch. Was ich da lese, hat mich anfänglich verärgert, jetzt denke ich: Da ist eine ganze Generation von Jugendlichen damit aufgewachsen, dass alle Daten frei sind, alles frei im Netz verfügbar – zuerst über Modems, heute über Hochgschwindigkeitsleitungen. Sie jammern über die derzeitigen Beschränkungen in ihrem Tun, weil sie einfach nicht anders kennen, P2P, Torrents, Rapidshare – da ist keinerlei Unrechtsbewusstsein oder schlechtes Gewissen, es ist einfach selbstverständlich geworden, dass alles frei verfügbar ist. Der Zug des Urheberrechts im Modell des 20.Jahrhunderts ist definitiv abgefahren, man muss wirklich über ein völlig neues Modell nachdenken……
    Grüsse
    Kurt

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    1. Marco

      Lieber Kurt,

      ich freue mich sehr über Deinen Kommentar, besten Dank dafür. Ich will in dieser offenen Antwort noch kurz auf etwas gerade Erlebtes eingehen, weil es mir ein Anliegen ist:

      Auf interessante Kommentare weise ich meist nochmal via Twitter hin. Um Dich dabei zu nennen bzw. auch direkt anzupingen, gebe ich bei Google also “Pyrolator+Twitter” ein, um zu sehen ob Du einen Twitter-Account hast. Resultat: Ein (kostenloser/illegaler) Downloadlink unter den ersten vier Treffern. Da blutet das Herz.

      Ich kann hier nur nochmal betonen, dass ich Deine Positionen und Argumente mehr als nachvollziehbar finde. Dafür, dass Du dabei so besonnen und konstruktiv bleibst (und natürlich für das Atatak-Schaffen) gebührt Dir sicher nicht nur mein größter Respekt.

      Dass der Urheberrechtszug abgefahren ist glaube ich allerdings nicht, es bzw. die entsprechenden Verwertungs-, Promotion- und Distributionskonzepte gehören allerdings umfassend reformiert. Creative Commons bzw. der Ansatz, den Motor und Zoe fahren ist schon mal ein Beginn. 

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      1. johnny

        Aber was ändert denn CC am Ende, wenn ich eine Lizenz wähle, bei der ich kommerzielle Nutzung ausschließe?

        Beispiel: Ich beschließe, dass jeder meinen Song downloaden darf, dass aber keine Plattform mit kommerziellem Hintergrund ihn anbieten darf und dass niemand ihn für Werbezwecke nutzen soll.

        Nun kommt die Deutsche Bahn und packt den Song unter einen Werbeclip. Und jetzt? CC setzt doch keine Rechte außer Kraft oder erneuert sie, kümmert sich auch nicht um die Einhaltung derselben. Ich brauche wieder einen Anwalt, ich brauche wieder Rechtsbeistand und ich brauche vor allem jemanden, der überhaupt erstmal mitbekommt, dass mein Werk entgegen der Lizenz genutzt wurde.

        Gleiches gilt für eine Kulturflatrate übrigens: Gegen das System, das wir dafür bräuchten, sähe die GEMA wie ein kleiner Turnverein aus, glaube ich.

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        1. Marco Post author

          Johnny,

          in puncto CC-BY-NC geht es mir als Urheber doch eigentlich nur um den Aspekt “Bitte frag’ mich und verhandele mit mir vor der kommerziellen Nutzung” (so praktizieren wir das auch bei http://www.derkleinegruenewuerfel.de). Ich meine, dass prominente Nutzer wie die Deutsche Bahn, die Musik für Werbung oder Imagefilme lizensieren, Armani, der Oval (allerdings nicht das Atatak-Release soweit ich mich erinnere) für einen Werbefilm lizensierte uvm – oder besser gesagt deren Marketingspezialisten – das sehr wohl genau so sehen und vor der Nutzung eben anfragen und Angebote machen. Überlicherweise würden dann – und ich spreche hier aus beruflicher Erfahrung – bei CC-Nutzung folgende Optionen bestehen:

          A) Prominenter Nutzer mit den entsprechenden monetären Ressourcen (DB, Armani) vereinbart mit Musiker/Künstler/Label für eine definierte Verwendung die Zahlung eines Betrags X

          B) Kleines oder mittelständisches Unternehmen (Start-Up-Agentur o.ä., sagen wir mal so etwas wie Soundcloud) ohne große monetäre Ressourcen fragt Nutzung für einen Webclip bei Musiker/Künstler/Label an – dieses entscheidet aufgrund von Sympathie oder wie auch immer, den Track unentgeltlich zur Verfüng zu stellen.

          Soweit ich informiert bin (und bitte korrigiert mich, wenn ich hier falsch liege) ist genau das als GEMA-Mitglied nicht möglich.

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  6. TOMPIGS

    Hallo Zusammen,
    erst Mal vielen Dank für die Entdeckung, das Musiker generell zu wenig in solchen Diskussionen eingebunden werden. Wie der FC Stoffel haben wir ebenfalls die Erfahrung gemacht, das sich viele Musiker erst dann selbst als Musiker akzeptieren, wenn sie Gema Mitglied sind. Eine Kausalität zu vielem live spielen etc, spreche hier an dieser Stelle nicht ab. Nur, wieso haben Musiker in Deutschland nur die Wahl zu einer Verwertungsgesellschaft? In Frankreich wurden vor kurzem erst die Einbindung von CC lizensierter Musik gestatten. Deutschland- Technologie Land? Wir sind nicht gegen eine Verwertung und auch nicht gegen eine Aufhebung von Urheberrechten, das wird uns (ZOE.LEELA) oft vorgeworfen. Wir wollen was modernes, was schickes- was unsere Interessen vertritt- das als Urheber und nicht als Verwalter von Urheber Rechten. Vielleicht bringt die Initiative zur Gründung einer Verwertungsgesellschaft unter CC frischen Wind in die Debatte. Guckst Du hier:
    http://www.youtube.com/watch?v=7RlwCzN-d9A
    Weiterhin denke ich, das unser Zusammenschluss mit Motor eine Debatte wie Acta vom Tisch fegt, rein logisch betrachtet- macht unser Wirtschaftsbüdnis mit Vertrieb, Label etc den Gesetzesentwurf überflüssig. CC ist da sportlicher und verweist klar auf Möglichkeiten der Nutzung.Sicherlich sind wir noch am Anfang und sicher werden wir -hoffentlich- in ein paar Jahren die Debatte aus einem anderen Blickwinkel führen. Doch, es geht voran und wenn ZOE.LEELA hier und da etwas emotionaler wird, dann auch bitte daran denken, sie ist die Künstlerin und spricht offen zu ihrem Werdegang ohne Gema und der vor dieser Institution genommen Möglichkeiten (Radio Airplay und so on)
    Acta- ist nichts anderes als den Versuch einer Gentrifizierung im digitalem Raum!

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  7. Marco Post author

    Hallo Tompigs.com (wer genau schreibt hier eigentlich – Thomas Ternes?),

    s.o. meine Antwort an Johnny zur (auch von Euch gewählten Variante) der CC-BY-NC. Und wie ich auch im Blogpost selbst (vielleicht nicht ganz so deutlich) bereits schrieb, finde ich die Verwendung der CC-BY-NC in Verbindung mit dem Zoe.leela-Release genial. Ich kaufe es bzw. lade es ohne DRM für 5,49 runter und kann es dann – ganz legal – mit meinen Freunden teilen, die es ohne mich vielleicht gar nicht kennen gelernt und somit auch nicht gekauft hätten.

    Für mich persönlich gehen die Provokationen absolut okay – ob allerdings die “Verschissen”-Headline im Motor-Interview eine gute Basis zum direkten Dialog mit der GEMA ist (Stichwort: Diplomatie) weiß ich nicht. Da Ihr sie ja eh nicht nutzt bzw, keine Mitglieder seid ist euch das wahrscheinlich erstmal egal.

    Schwierig wird es natürlich für die alteingesessenen Labels, die sich mit wegweisenden Künstlern und Releases (siehe Pyrolators Kommentarpost weiter oben) den Popo aufgerissen haben, und nun nicht mehr so leicht oder eigentlich gar nicht auf dieses neue, sehr vielversprechende Modell setzen bzw. umsatteln könne. Wie da der Aufwand einer Umstrukturierung/Umlizensierung aussähe möchte ich gar nicht wissen – und bin damit wieder argumentativ wieder bei Johnny und der GEMA als Turnverein in Hinblick auf das, was wir hier in Zukunft brauchen.

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    1. TOMPIGS.COM

      Hier schreibt TOMPiGS.COM aka TT.Wie Du bereits erwähnt hast ist die Umsetzung mit Motor schon sehr raffiniert und sollte ermutigen, sich Alternativen zu schaffen. Egal ob unter CC mit oder Gema. Es gibt immer Wege seinen Input der Öffentlichkeit zu präsentieren.Faktisch betrachtet wäre ZOE.LEELA als Model einfach nicht umsetzbar, wären wir Mitglied bei der Gema und darauf bauen wir unseren Dialog auf, egal ob auf Panels mit Gema Mitarbeitern oder nicht. “Eine Kostenlos Kultur ist im wirtschaftlichem Raum nicht interessant…” O Ton auf der A2N/2010- Sorry, mein Arm ging hoch und ich konnte dem netten Herren wiedersprechen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits Lizenzen verkauft. Also, wo ist hier das nicht vorhandene Interesse? Als Reaktion, “ach wirklich” zu fragen- macht es natürlich einfach. Im Vieraugen Gespräch sieht der Dialog meistens eh immer anders aus als auf Panels, das ist schon sehr spannend.
      Was ist mit dem Intro Magazin? Für den Leser absolut kostenlos, klar finanzieren die sich auf Basis der Anzeigenschaltung und durch das Netzwerk um das Medium selbst- Berlin Festival- Melt- Melt Booking etc pp- Also, wirtschaftlich sehr schlau umgesetzt.
      Gehen wir doch Mal weiter. Was ist mit Street Art? Es wird öffentlicher Raum zu eigen gemacht und kostenlos und jederzeit erreichbar ausgestellt. Hat man die nötige Aufmerksmakeit, stellt man in Galerien aus und verkauft an Sammler..
      Und und…
      Darum geht es doch- Gegenbeweise zu schaffen um klar zu machen- das der Mehrwert des Internets und der Shareware nicht die Verfolgung, sondern das Fördern ist.
      P.s.: als ich das Interview mit Motor gegen gelesen habe, zur Freigabe- war ich erst Mal erstaunt, wegen der Headline. Als ich aber las das Zoe es im Oton gesagt hatte, dachte ich mir wieso jetzt so zimperlich und sie zensieren? Vielleicht muss es auch Mal emotionaler sein … Wenn wir Shows spielen und der Veranstalter uns nach dem Gema fragt und wir ihm klar machen, alles Gut wir füllen den Zettel gern aus sind aber keine Mitglieder, dann müsstet Ihr mal dabei sein. Dann ist verschiessen noch die netteste Formulierung.

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